Freiluftvergnügen mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen: Operettenseligkeit und Picknick-Freuden beim „Sommer in Lesmona“

„Ungeküsst sollst du nicht schlafen gehen“

Die Gypsy Devils begeisterten in Bremen. ·
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Die Gypsy Devils begeisterten in Bremen.

Bremen - Von Wolfgang Denker. Zehn Tage hat er nur Zeit gehabt, der junge Dirigent Alexander Prior, um das umfangreiche Programm beim diesjährigen „Sommer in Lesmona“ in Knoops Park einzustudieren, als er für den ursprünglich vorgesehenen Dirigenten einsprang.

Aber Prior (Jahrgang 1992), der auch als Komponist arbeitet, scheint ein Multitalent zu sein – seine 6. Sinfonie wurde gerade in Dallas uraufgeführt. Und so bewährte er sich auch am Pult der Deutschen Kammerphilharmonie, deren traditionelle Operngala sich ob des Mottos „An der schönen blauen Donau“ in eine Operettengala verwandelte.

„Die ganze Welt ist himmelblau“ sangen die Solisten Natalie Karl und Matthias Klink voller Optimismus, obwohl zwischendurch bedrohliche Wolken aufzogen. Aber der Himmel hatte ein Einsehen, es blieb bei dem trockenen, schönen Sommerabend, an dem das Publikum sich nicht nur den musikalischen, sondern wie immer auch den Picknick-Genüssen hingab.

Und die Deutsche Kammerphilharmonie bewies eindrücklich, dass sie auch bei der leichten Muse bestens aufgestellt ist. Die Ouvertüre zur „Fledermaus“ war der Auftakt des von Holger Hettinger souverän und mit spürbarer Begeisterung moderierten Abends. Viel Johann Strauß – bei der Polka „Unter Donner und Blitz“ ließ Prior es ordentlich krachen, huldigte mit „Éljen a Magyar!“ der ungarischen Nation, deren Flagge neben der österreichischen und anderen (auch der Bremer) die Bühne schmückte. Der Walzer, dessen Name das Motto lieferte, wurde zwar nicht gespielt, dafür aber das melodienselige „Wiener Blut“ und das witzige „Perpetuum mobile“.

Mit Kompositionen von Ernst von Dohnanyi (Rondo aus den „Symphonischen Minuten“) und Julius Fucík („Marinarella“) verließ die Kammerphilharmonie die ausgetretenen Pfade und präsentierte sehr engagiert umgesetzte Schatzstücke. Besonders „Marinarella“ ist eine veritable Entdeckung – ein Stück, das mit seinen Stimmungs- und Tempowechseln nachdrücklich für sich einnahm.

Die beiden Solisten gestalteten ihre Auftritte in bester Operettenmanier. Das flotte Duett „Komm mit nach Varasdin“ aus Kálmáns „Gräfin Mariza“ bereitete gute Laune, wenn auch vielleicht mit etwas zu „dramatischem“ Aplomb gesungen. Dafür spürte Matthias Klink, der es immerhin schon 2009 als Tamino an die Metropolitan Opera geschafft hat, bei „Grüß mir mein Wien“ mit lyrischem, schmelzreichem Tenor seiner Sehnsucht nach der Heimat nach, während sein „Ungeküsst sollst du nicht schlafen gehen“ von Robert Stolz repertoiremäßig etwas aus dem Rahmen fiel. Natalie Karl begeisterte neben dem mit üppiger Stimme gesungenen Csardas aus der „Fledermaus“ vor allem mit dem gekonnt servierten Schwipslied (basierend auf der Annen-Polka) von Johann Strauß. Zu dem Duett „Lippen schweigen“ aus der „Lustigen Witwe“ von Franz Lehár entfachen die Zuschauer ein Lichtermeer aus Wunderkerzen. Solche Momente werden beim „Sommer in Lesmona“ geliebt.

Natürlich gab es Zugaben, die mit der „Tritsch-Tratsch-Polka“ als furiosem Rausschmeißer endeten. Wer noch länger sitzen blieb, wurde mit einer fulminanten Darbietung des achtköpfigen Ensembles Gypsy Devils aus der Slowakai belohnt. Die Gruppe um den großartigen Zymbal-Spieler Ernest Šarközi servierte ein Feuerwerk, dessen Bogen sich von Sarasate, Liszt und Paganini bis hin zum berühmten Csardas von Monti spannte.

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