Ben Becker debütiert als Tod im Salzburger „Jedermann“ / Peter Simonischek tritt ab

Ungeheuer aus der schwarzen Lagune

SALZBURG (Eig. Ber.) n Wiegt nun der Abschied von Peter Simonischek schwerer oder das Debüt von Ben Becker?

Der eine spielt heuer zum letzten Mal – am 27. August werden es 91 Auftritte gewesen sein – den Jedermann in Hugo von Hofmannsthals „Spiel vom Sterben des reichen Mannes“; der andere ist zum ersten Mal dabei – als Tod: der von Gott gesandte Bote, der den glaubenslosen, egomanischen Geldsack in die Knie zwingt.

Christian Stückl, der seit 2002 das Drama, Inbegriff der Salzburger Festspiele, als Regisseur begleitet und es damals aus seiner Erstarrung gelöst hatte, setzt den Kraftlackl Becker ein als drohendes Todes-Monster, Typ Ungeheuer aus der schwarzen Lagune. Wie jeder Tod seit Jens Harzer (2002-2004) ist auch Ben Becker als grauweiß gekalkte Leichen-Gestalt gekennzeichnet, sein spezielles Attribut ist ein langer Metallicmantel (Ausstattung: Marlene Poley). Bereits beim ersten Erscheinen und mehr noch wenn er die rauchige Stimme dröhnen lässt – „die ganze Welt abbrennen“ –, weiß jeder: Dieser Tod steht für grausiges Hinsterben. Konsequenterweise bricht er am Ende dem geläuterten Jedermann wie ein lautloser Nahkämpfer das Genick.

Aber auch Becker hat es schwer gegen die Überpräsenz von Peter Simonischek. Der ist so inniglich und vital verwoben mit diesem Jedermann, dass man die anderen Figuren vergisst, sobald sie von der Bühne vor der Dom-Fassade abgehen.

Und das, obwohl doch durchaus beachtliche Kaliber darunter sind: Sophie von Kessel zeigt eine hinreißend charmante Buhlschaft, die ehrlich ihren Jedermann liebt. Erschütternd ihr Schrei, wenn er sie quasi zum Mit-Sterben vergewaltigen will. Elisabeth Trissenaar gibt sich süffig komödiantisch, genießt ihr Gehabe zwischen Glucken- und Nervensägen-Mama. Und Gabriel Raab serviert einen knackigen Mammon – sehr sexy, die letzte Perfidie bleibt er allerdings schuldig.

Nicht das richtige Kaliber haben jedoch Peter Fitz als bis zum Verschwinden unauffälliger Gott der Herr beziehungsweise armer Nachbar und Peter Jordan (auch ein Debütant) als Teufel, der ja zugleich als Jedermanns guter Gesell inszeniert ist. Stückl scheinen zunächst wohl auch nicht viel mehr als ein paar flaue Gags zu ihm eingefallen zu sein. Immerhin bekommt Satan am Ende doch noch einen pas sablen Absahner. Als schlammfarbener Lurch-Teufel – auch ein wenig tierisch wie Beckers Tod – sabber-schimpft er wütend, weil man ihm seine Beute, den Jedermann, verweigert. Die Lacher sind auf Jordans Seite, wenn er daher angesäuert der Souffleuse den Text wegnimmt, um ihn endlich umzuschreiben.

Christian Stückls Inszenierung funktioniert nach sieben Jahren, ist in sich schlüssig, insbesondere auch durch den Auftakt mit dem Kindertheater-Jedermann der kleinen Riederinger. Freilich wirkt mancher Bühnenzauber schon recht ausgeleiert. Aber seine aufrichtige Haltung zur Religiosität, zur Popularität des Dramas (1920 uraufgeführt) und zu dessen Spielwitz geben dem Ganzen seine Kraft.

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