Die 38. Literarische Woche Bremen widmet sich den „Anderen“ / Beiträge aus Wissenschaft, Literatur und Film

Über Lust und Furcht bei der Begegnung mit dem Fremden

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Klaus-Michael Bogdal · Archivfoto: dpa

Bremen - Von Johannes Bruggaier. Geht es um „das Andere“, funktionieren die alten Reflexe noch erstaunlich gut. Das zeigen nicht zuletzt aktuelle Debatten wie etwa jene um vermeintliche Armutszuwanderung oder schwule Fußballprofis.

Die Literarische Woche Bremen (15. bis 28. Januar) will diesen Reflexen auf den Grund gehen. In der Bremer Stadtbibliothek wurde gestern das Programm vorgestellt. Sein Titel: „Die Anderen – Angst und Faszination“.

Wie sich beides, die Angst wie auch die Faszination, in literarische Traditionen eingeschrieben hat, will am 17. Januar (19 Uhr) Klaus-Michael Bogdal nachzeichnen. Am Beispiel der Roma erläutert der Bielefelder Literaturwissenschaftler wie sich „jahrhundertealter Hass im Spannungsverhältnis von Faszination und Verachtung“ bis heute halten konnte. Seine Lesung „Europa findet die Zigeuner – Eine Geschichte von Faszination und Verachtung“ findet im Wall-Saal der Zentralbibliothek statt.

Dort wird eine Woche später (24. Januar, 19 Uhr) auch der zweite Gast aus der Wissenschaft erwartet. Andreas Zick, gleichfalls von der Universität Bielefeld, ist Experte für Konflikt- und Gewaltenforschung. In seinem Vortrag über Fremdheit als Fundament für Menschenfeindlichkeit wird er unter anderem auf regionale Unterschiede bei spezifischen Fremdheitserfahrungen eingehen. Wie Erwin Miedtke, stellvertretender Direktor der Stadtbibliothek, bereits verriet, seien Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in Europa annähernd gleich verteilt – auffällige Differenzen gebe es aber bei Antisemitismus und Homophobie. Zick verspreche sogar eine Analyse der lokalen Bremer Verhältnisse.

Literarisch wird das Thema unter anderem von Eugenia Rico behandelt. Die spanische Schriftstellerin liest am 20. Januar (19 Uhr im Wall-Saal) aus ihrem Roman „Auch wenn wir Verdammte sind“. Drei Tage später ist der französische Autor Mathias Énard mit seinem Buch „Rue des voleurs“ zu Gast, ein Roman an der „Schnittstelle zwischen Orient und Okzident“. Die Lesung beginnt um 19 Uhr im Institut Français.

Wie immer werden auch Grenzen zu anderen Kunstgattungen und Darstellungsformen berührt. Das gilt etwa für die Veranstaltung gleich zu Beginn am 15. Januar, wenn ein „redaktionelles Kollektiv für unkonventionelle Redaktion“ aus Bremen eine „Leseshow“ in Szene setzt („Bom13“ um 19 Uhr im Wall-Saal). Auch das Kino City 46 ist dabei und zeigt einen Film über den mysteriösen Tod zweier Rumänen in Mecklenburg-Vorpommern („Revision“ am 18. Januar um 20.30 Uhr).

Höhepunkt der Literarischen Woche ist selbstredend die Verleihung des Bremer Literaturpreises. Der sechzigste seinem Namen nach, tatsächlich aber der achtundfünfzigste. Weil in den Wirren um die verhinderte Verleihung an Günter Grass 1960 zwei Mal in Folge der Preis nicht verliehen worden war, hinkt die tatsächliche Zählung der offiziellen Version hinterher. Clemens Meyer wird das nicht stören, wenn er am 27. Januar die renommierte Auszeichnung für seinen Roman „Im Stein“ entgegennehmen wird (um 12 Uhr in der Oberen Rathaushalle). Am Abend zuvor (18 Uhr) wird er das preisgekrönte Werk im kleinen Saal der Glocke dem interessierten Publikum vorstellen.

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