Über Bande

Theater der Jungen Welt Leipzig zeigt „Juller“ am Theater Bremen

+
Marco Bode (Vorsitzender des Aufsichtsrats SV Werder Bremen, l.), Michael Börgerding (Intendant Theater Bremen) und Hubertus Hess-Grunewald (Präsident und Geschäftsführer SV Werder Bremen) nach dem Pressegespräch zu „Juller“.

Bremen - Von Rolf Stein. Dass es Regisseure nicht nur in Film und Fernsehen sowie am Theater gibt, sondern auch im Fußball, das ist freilich nichts Neues. Dass allerdings König Fußball Thema am Theater ist, das ist doch eher die Ausnahme. Jedoch: Zwischen dem Theater Bremen und dem SV Werder gibt es enge Bande, die in der Stadt nicht immer sichtbar, aber offenbar bei Bedarf sehr effizient sind.

Vor zwei Jahren beispielsweise inszenierte Alexander Giesche sein Stück „Torture the Artist“ auf Platz 12 am Weserstadion, neben vier Schauspielern aus dem Bremer Ensemble waren auch junge Talente von Werder Bremen dabei. Kommende Woche trägt die ungleiche Freundschaft neue Früchte.

In Zusammenarbeit mit Werder Bremen und mit Unterstützung der DFB-Kulturstiftung nämlich zeigt das Theater Bremen am Montag und Dienstag im Kleinen Haus das Stück „Juller“. Es erzählt die Geschichte des Fußballspielers Julius Hirsch, Spitzname Juller, zweimaliger deutscher Meister, mehrfacher Nationalspieler, Teilnehmer an den Olympischen Spielen 1912.

Und alle so: „Yeah“: Die Jahreszahlen auf den Schals deuten schon an, dass „Juller“ in der Vergangenheit spielt. Aktuell ist der Stoff allerdings heute leider wieder.

So einen, könnte man meinen, liebt das Vaterland – doch bei Hirsch kam es anders. Denn wen das Vaterland liebt, entscheidet es immer noch selbst. Hirsch war jüdischer Abstammung. Im März 1943 wurde er in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert und dort ermordet. Er hatte es schlicht nicht für möglich gehalten, dass er, der im Ersten Weltkrieg vier Jahre lang für das Deutsche Reich kämpfte, im eigenen Land nicht mehr erwünscht sein könnte.

Integration, ließe sich daraus lernen, ist im Zweifelsfall auch keine Garantie für das eigene Überleben, geschweige denn Wohlergehen. Womit wir bei der Relevanz von „Juller“ auch für unsere Zeit wären.

Das Stück, das der Regisseur Jürgen Zielinski für das Theater der Jungen Welt Leipzig inszeniert hat, feierte seine Premiere bereits im April vergangenen Jahres. Dass es nun so kurz nach den jüngsten Ereignissen in Chemnitz und Köthen zu sehen ist, ist beinahe Zufall.

Beinahe, weil Chemnitz und Köthen leider ja doch keine Einzelfälle sind. Und natürlich liegt es in der Natur von Projekten wie diesem, dass sie einen längeren Vorlauf benötigen. „Die DFB-Kulturstiftung fördert die Gastspiele von ,Juller‘“, erklärt Hubertus Hess-Grunewald, Präsident und Geschäftsführer SV Werder Bremen und seit 2016 Mitglied des Kuratoriums der Stiftung: „Das Stück soll an zwölf Orten in Deutschland aufgeführt werden. Als ich in einer Kuratoriumssitzung mit dem Thema konfrontiert wurde, dachte ich sofort, dass es auch ein Gastspiel in Bremen geben sollte.“

Dass es nun soweit ist, freut Hess-Grunewald. Die akute Zeitgenossenschaft allerdings weniger: „Das ist etwas, was ich mir lieber erspart hätte, weil ich auf solche Vorkommnisse wie in Chemnitz und Köthen lieber verzichtet hätte“, sagt er. „Aber wenn es jetzt so ist, ist es vielleicht ganz gut, wenn man das Stück so zeitnah zeigen und damit vielleicht etwas bewirken kann.“

„Juller“, Montag, 20 Uhr, Dienstag, 12.10 Uhr, Theater Bremen.

Das könnte Sie auch interessieren

Trump will Brandopfer in Kalifornien besuchen

Trump will Brandopfer in Kalifornien besuchen

Frau stirbt bei Protest gegen hohe Spritpreise in Frankreich

Frau stirbt bei Protest gegen hohe Spritpreise in Frankreich

Tijuana bereitet sich auf Ankunft weiterer Migranten vor

Tijuana bereitet sich auf Ankunft weiterer Migranten vor

Fotostrecke: Training in der Mini-Gruppe

Fotostrecke: Training in der Mini-Gruppe

Meistgelesene Artikel

Frank Turners „Be More Kind“-Welttournee macht im Bremer Aladin Station

Frank Turners „Be More Kind“-Welttournee macht im Bremer Aladin Station

Kerstin Ott privat: Sie ist mit einer Frau verheiratet, lebte im Kinderheim und war spielsüchtig

Kerstin Ott privat: Sie ist mit einer Frau verheiratet, lebte im Kinderheim und war spielsüchtig

Meat-Loaf-Musical „Bat out of Hell“: Liebe, Sex und Rebellion

Meat-Loaf-Musical „Bat out of Hell“: Liebe, Sex und Rebellion

Liebe ohne Schmelz

Liebe ohne Schmelz

Kommentare