Fröhliche Gesichter im Pier 2

Auf Tuchfühlung mit Flogging Molly

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Dave King steht bei Flogging Molly im Zentrum (r.), seine Frau an der Geige (M.) ist aber immer in der Nähe. Links: Matt Hensley. 

Bremen - Von Frank Schümann. Als die Pogues Anfang der 80er-Jahre anfingen, Irish Folk und Punk zu verbinden, da war das ebenso neu wie aufregend - schnell bildete sich ein großer Kreis von Anhängern dieser Musik. Heute hat Pogues-Sänger Shane McGowan längst seinem ausschweifenden Leben Tribut gezollt, der Folk-Punk aber ist ein etabliertes Genre - und mit Flogging Molly war einer der wichtigsten Vertreter am Freitagabend im Bremer Pier 2 zu Gast.

Im Unterschied zu den gleichermaßen erfolgreichen Dropkick Murphys gilt die siebenköpfige Band aus Los Angeles als der etwas „weichere“, traditionellere Vertreter - dem großen Spaß-Faktor bei einem solchen Konzert tut dies aber keinen Abbruch. Und so war es dann auch am Freitag. Die Gruppe um Sänger Dave King legte gleich mit ordentlich Tempo los: Punkt neun auf der Bühne, eröffneten Flogging Molly mit „(No more) Paddy’s Lament“ und „The Hand of John L. Sullivan“, letzteres vom aktuellen Album; kurz darauf folgt schon „Drunken Lullabies“ - eine der Hymnen von King und Co. Spätestens jetzt ist die Menge da, wird mit viel Lust Pogo getanzt - perfekt eingestimmt übrigens von der Londoner Ska-Punk-Band The Buster Shuffle (mit Vom Ritchie von den Toten Hosen an den Drums!) als Vorband.

Insgesamt wird das Konzert von Flogging Molly knapp ein und eine dreiviertel Stunde dauern - äußerst kurzweilig verbrachte Zeit. Im Zentrum steht dabei der in Dublin geborene Frontmann Dave King, der, wie er selbst sagt, von seinem Vater die Liebe zu den Dubliners vermittelt bekam.

Kaum zu glauben, dass dieser kleine, drahtige, freundliche Mann, der auch als Buchhalter durchginge, in den 80er-Jahren noch mit Motörheads „Fast“ Eddie Clarke Hardrock gemacht hat! Für die musikalische Karriere entscheidend war aber der Weg „back to the roots“ und die Begegnung mit seiner heutigen Frau Bridget Regan, die mit Flöte und Fiddle von jeher traditionelle irische Musik gemacht hat - und diesen Part auch bei Flogging Molly übernimmt.

Die Konzerte der Band sind ohnehin sehr familiär: Dave King geht auch in Bremen immer wieder auf Tuchfühlung zu seinem Publikum, erzählt Geschichten, liebt die direkte Ansprache. „So many familiar faces“, sagt er strahlend in die Menge. Er trinkt von seinem Guiness, spricht von seiner verstorbenen Mutter, macht seiner Frau eine Liebeserklärung und radebrecht auch mal „Prost zu allen Schatzis“. Ob er das wirklich gesagt hat, frage ich meinen bärtigen Nachbarn. „Hat er“, sagt jener, breit grinsend.

Flogging Molly - „Life is good“-Tour im Pier 2

 © Guido Menker
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Insgesamt bieten Flogging Molly im Pier 2 das, was man erwarten konnte: 18 Songs, darunter Gassenhauer und Molly-Standards wie „Swagger“, „The Seven Deadly Sins“ oder „Salty Dog“.

Das aktuelle Album „Life is good“ ist mit vier Songs vertreten, die zum Teil komplexer gebaut sind - bei „Crushed“ etwa gibt es Elemente von „Freedom“ oder „We will rock you“, die man nicht mögen muss; insgesamt fügen sich die Stücke aber gut ein.

Am Ende entlassen uns Dave King und seine Truppe mit „Always Look on the Bright Side“ - und in der Tat sind im Pier 2 an diesem Abend nur fröhliche, zufriedene Gesichter zu sehen. „Life is good“ - die Botschaft hat sich einmal mehr überzeugend vermittelt.

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