Triumph der neuen Tonkunst

Bremer Philharmoniker: Inspirierender Beitrag zur Geschichte der Sinfonie

+
Andreas Staier mit alten Instrumenten.

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. Schon der Beginn von Franz Xaver Dusseks Symphonie in B-Dur ist mitreißend: Die Bremer Philharmoniker spielen unter der Leitung des Venezianers Marco Comin mit einer wunderbar leichten Eleganz, dabei jede Geste mit einer großen Präzision und einem perfekten Gleichgewicht zwischen Bläsern und weitgehend vibratolos spielenden Streichern.

Qualitäten, die auch schon Comins Dirigat von Händels „Alcina“ am Theater Bremen auszeichneten. Dabei kommt der junge Dirigent mit einem Minimum an Gesten aus. Das jetzige Programm ist, wie alle anderen Abonnementskonzerte auch, Teil der Jahreskonzeption über die Geschichte der Sinfonie. Hier war der Tscheche Dussek mit seiner sprudelnden und inspirierten Sinfonie aus der Zeit um 1760 ein Beispiel dafür, wieviel qualitativ hochrangige Musik es neben Haydn und Mozart gab – und sicher noch in den Archiven schlummert.

Selten sind die Klavierkonzerte von Joseph Haydn zu hören, was möglicherweise daran liegt, dass sich Spritzigkeit, Farbigkeit, Intelligenz und der Humor dieser Musik über einen Steinway-Flügel schwer vermitteln lassen. Den Beweis tritt der Pianist Andreas Staier an, der seit Jahrzehnten die Musik auf den Instrumenten spielt, für die sie geschrieben ist. In der Glocke entfaltet er das Hammerklavier mit seinen reichen Farben. Schon das Eingangsthema blitzt uns augenzwinkernd an, und die quirlige Musik nimmt ihren permanent mit neuen Überraschungen versehenen Lauf. Gestern gibt es dafür begeisterten Beifall, den der Pianist mit einem Satz aus einer Mozart-Sonate belohnte.

Gut dazu passt dann Mozarts 1783 entstandene „Linzer“ Sinfonie, mit der sich Mozart ausdrücklich auf Haydn bezieht. So bietet die langsame Einleitung eine geradezu unheimliche Expressivität und im späteren Verlauf den für Haydn so typischen schnellen und spontan wirkenden Wechsel von Gegensätzen und auch düsteren Charakteren. Unter Comins Leitung kommt das überdeutlich, aber auch vollkommen selbstverständlich rüber. Ein wunderbares Programm aus der Zeit der geradezu explodierenden Produktion von Sinfonien, über die Heinrich Christoph Koch 1793 schrieb, sie sei eine „große Tendenz des Zeitalters“. Und der Bach-Schüler Johann Christian Kittel bescheinigt 1803 Mozarts Jupiter-Sinfonie, ein „Triumph der neuen Tonkunst“ zu sein. Einiges von dieser umwälzenden Zeit macht dieses gut überlegte Programm deutlich und bietet damit eine anregende Grundlage für das Hören kommender Sinfonien.

Hören

Heute Abend, 19.30 Uhr, Konzerthaus Glocke, Bremen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Ein Toter und 15 Verletzte nach Explosion in Wohnblock

Ein Toter und 15 Verletzte nach Explosion in Wohnblock

Selbstversuch: Reporterin fällt ihre erste Buche

Selbstversuch: Reporterin fällt ihre erste Buche

Verabschiedung des Verdener Redaktionsleiters Volkmar Koy in den Ruhestand

Verabschiedung des Verdener Redaktionsleiters Volkmar Koy in den Ruhestand

Wie werde ich Reifenmechaniker/in?

Wie werde ich Reifenmechaniker/in?

Meistgelesene Artikel

Mehr Metal für Bremen: Hellseatic-Festival kommt 2020 an die Weser

Mehr Metal für Bremen: Hellseatic-Festival kommt 2020 an die Weser

Einmal Virtualität und zurück

Einmal Virtualität und zurück

Entwickelter Alltag

Entwickelter Alltag

Prima Madonna

Prima Madonna

Kommentare