Ausstellung in Hannover

Traurig bis tieftraurig - die Bildwelten von Instagram

Wie sehen wir uns selbst? Ein Selfie von der Instagramerin @draphiee. Foto: @draphiee
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Wie sehen wir uns selbst? Ein Selfie von der Instagramerin @draphiee.

Hannover - Von Jörg Worat. Schein oder Nichtschein? Auf Instagram verschwimmen die Grenzen regelmäßig: Wer sich hier inszeniert, zeigt nicht zwangsläufig, wie er ist, sondern oft, wie er gern wäre beziehungsweise wahrgenommen würde. Florian Müller, Lehrbeauftragter im Studiengang „Fotojournalismus und Dokumentarfotografie“ an der Hochschule Hannover, ist einigen dieser Selbstdarstellern privat begegnet und präsentiert nun in der „Galerie für Fotografie“ die Ausstellung „Hashtags Unplugged – Von Lastern und Leitmotiven“.

Es ist eine Schau geworden, die nachdenklich stimmt und ein Schlaglicht auf die Identitätssuche in der heutigen Welt wirft. Mal erheitert sie und mag im Einzelfall vielleicht sogar Mut machen, oft aber ist sie traurig bis tieftraurig.

Müller stellt den farbigen Selfies der Instagramer seine eigenen Schwarz-weiß-Impressionen gegenüber. Nicht die einzigen Kontraste in dieser Ausstellung: Da wird etwa ein junger Mann porträtiert, der mit Stolz und einer Portion Selbstironie die mittlerweile allseits verpönte „Vokuhila“-Frisur (vorne kurz, hinten lang) zur Schau trägt, und wer sich umdreht, schaut dem heftigst tätowierten ehemaligen Porno-Produzenten ins Gesicht, der sich irgendwann selbst nicht mehr leiden konnte. Während um die Ecke herum schon die Frau wartet, die nach vielen Konflikten um Selbst- und Fremdwahrnehmung der eigenen Körperlichkeit endlich zu dem Schluss gekommen ist: „Makellosigkeit stößt mich regelrecht ab.“

Willen und Fähigkeit zur Eigenreflexion scheinen hier in sehr unterschiedlichem Maße vertreten zu sein. Geht es eigentlich noch um irgendetwas anderes als Klicks, wenn man sich nackt auf der Sonnenbank zeigt oder mit grotesk aufgespritzten Lippen, wenn man auf Zügen balanciert oder Windräder besteigt? Manche Instagramer machen Dutzende von Selfies, bis sie sich für das Bild entscheiden, das sie der Öffentlichkeit präsentieren wollen. Insofern ist es schon allerhand, dass Müller überhaupt so nah an diese Personen des letztlich ja nur bedingt öffentlichen Lebens herangekommen ist. Seine Aufnahmen sind von einiger Distanz geprägt, dokumentieren eher als dass sie kommentieren – was jedoch nicht der schlechteste Ansatz sein muss, da auf diese Weise dem Betrachter mehr Raum für eigene Gedanken und Empfindungen bleibt.

So kann man darüber nachsinnen, wie es denn damit steht, wenn sich jemand aus einer Lebenskrise heraus engagiert dem Tierschutz widmet und die Wohnung ohne Wissen des Vermieters in einen Privatzoo verwandelt oder sich nach Jahren als Webcam-Model der Hare-Krishna-Bewegung anschließt. Und entscheiden, wie man sich selbst in einem Umfeld zeigen will, das immer häufiger mehr Wert auf die Verpackung legt als auf den Inhalt.

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