Zuhören, nicht tanzen: Ute Lemper überzeugt in der Bremer Glocke mit Tangos von Astor Piazzolla

Tränendrüsen im Dauerstress, doch der Kitsch bleibt aus

Tango mit Broadway-Sound: Ute Lemper bei ihrem Auftritt in der Glocke. ·

Bremen - Von Johannes Bruggaier Zugegeben, man hat in Deutschland so seine Erwartungen an einen Tangoabend. Irgendwie feurig soll es zugehen, aber auch melancholisch – auf keinen Fall akademisch und schon gar nicht poppig. Schlechte Voraussetzungen für eine Interpretin wie Ute Lemper, einen Musicalstar mit dem Image der kühlen Blonden aus dem Norden der Republik.

Doch Lemper ist am Donnerstagabend nicht in die Bremer Glocke gekommen, um Erwartungen zu erfüllen. Sie ist vielmehr angetreten, die Wahrheit über den Tango zu verkünden: den „Tango Nuevo“ des Astor Piazzolla.

Ein „Rebell“ sei er gewesen, sagt Lemper über den legendären Bandoneon-Spieler und Komponisten. Einer, der die Tradition verbunden habe mit der Moderne, mit Strawinsky, mit Hindemith und auch mit der Rockmusik: Tango als Konzert, Musik zum Zuhören, weniger zum Tanzen.

So ist es denn auch ein nahezu sinfonisches Spiel, mit dem Lempers Ensemble, das „Astor Piazolla Sextet“, den Abend eröffnet. Bandoneonist Marcelo Nisinman entwickelt ein prägnantes Thema fernab jeder Latino-Romantik, Pianist Nicolas Guerschberg begleitet es mit präzise gesetzten synkopischen Motiven. Und Daniel Piazzolla, Enkel des 1992 verstorbenen Meisters, beeindruckt am Schlagzeug mit einer ausgefeilten dynamischen Feinabstimmung.

Dann betritt sie die Bühne, Ute Lemper. „Yo Soy Maria“ singt sie, klar, kräftig, stets mit leicht divenhaftem Gestus. Es ist eine Musicalstimme – unverkennbar der Broadway-Sound gerade in den höheren Lagen. Und doch wirkt sie keinesfalls deplatziert, vielmehr geradezu erfrischend rein und unverstellt.

Ute Lemper in der Glocke Bremen

Ute Lemper sang am Donnerstagabend in der Bremer Glocke und sie war angetreten, um die Wahrheit über den Tango zu verkünden: den „Tango Nuevo“ des Astor Piazzolla. © Mediengruppe Kreiszeitung / Wolfgang Nierderau
Ute Lemper sang am Donnerstagabend in der Bremer Glocke und sie war angetreten, um die Wahrheit über den Tango zu verkünden: den „Tango Nuevo“ des Astor Piazzolla. © Mediengruppe Kreiszeitung / Wolfgang Nierderau
Ute Lemper sang am Donnerstagabend in der Bremer Glocke und sie war angetreten, um die Wahrheit über den Tango zu verkünden: den „Tango Nuevo“ des Astor Piazzolla. © Mediengruppe Kreiszeitung / Wolfgang Nierderau
Ute Lemper sang am Donnerstagabend in der Bremer Glocke und sie war angetreten, um die Wahrheit über den Tango zu verkünden: den „Tango Nuevo“ des Astor Piazzolla. © Mediengruppe Kreiszeitung / Wolfgang Nierderau
Ute Lemper sang am Donnerstagabend in der Bremer Glocke und sie war angetreten, um die Wahrheit über den Tango zu verkünden: den „Tango Nuevo“ des Astor Piazzolla. © Mediengruppe Kreiszeitung / Wolfgang Nierderau
Ute Lemper sang am Donnerstagabend in der Bremer Glocke und sie war angetreten, um die Wahrheit über den Tango zu verkünden: den „Tango Nuevo“ des Astor Piazzolla. © Mediengruppe Kreiszeitung / Wolfgang Nierderau
Ute Lemper sang am Donnerstagabend in der Bremer Glocke und sie war angetreten, um die Wahrheit über den Tango zu verkünden: den „Tango Nuevo“ des Astor Piazzolla. © Mediengruppe Kreiszeitung / Wolfgang Nierderau
Ute Lemper sang am Donnerstagabend in der Bremer Glocke und sie war angetreten, um die Wahrheit über den Tango zu verkünden: den „Tango Nuevo“ des Astor Piazzolla. © Mediengruppe Kreiszeitung / Wolfgang Nierderau
Ute Lemper sang am Donnerstagabend in der Bremer Glocke und sie war angetreten, um die Wahrheit über den Tango zu verkünden: den „Tango Nuevo“ des Astor Piazzolla. © Mediengruppe Kreiszeitung / Wolfgang Nierderau
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Ute Lemper sang am Donnerstagabend in der Bremer Glocke und sie war angetreten, um die Wahrheit über den Tango zu verkünden: den „Tango Nuevo“ des Astor Piazzolla. © Mediengruppe Kreiszeitung / Wolfgang Nierderau
Ute Lemper sang am Donnerstagabend in der Bremer Glocke und sie war angetreten, um die Wahrheit über den Tango zu verkünden: den „Tango Nuevo“ des Astor Piazzolla. © Mediengruppe Kreiszeitung / Wolfgang Nierderau
Ute Lemper sang am Donnerstagabend in der Bremer Glocke und sie war angetreten, um die Wahrheit über den Tango zu verkünden: den „Tango Nuevo“ des Astor Piazzolla. © Mediengruppe Kreiszeitung / Wolfgang Nierderau
Ute Lemper sang am Donnerstagabend in der Bremer Glocke und sie war angetreten, um die Wahrheit über den Tango zu verkünden: den „Tango Nuevo“ des Astor Piazzolla. © Mediengruppe Kreiszeitung / Wolfgang Nierderau
Ute Lemper sang am Donnerstagabend in der Bremer Glocke und sie war angetreten, um die Wahrheit über den Tango zu verkünden: den „Tango Nuevo“ des Astor Piazzolla. © Mediengruppe Kreiszeitung / Wolfgang Nierderau
Ute Lemper sang am Donnerstagabend in der Bremer Glocke und sie war angetreten, um die Wahrheit über den Tango zu verkünden: den „Tango Nuevo“ des Astor Piazzolla. © Mediengruppe Kreiszeitung / Wolfgang Nierderau
Ute Lemper sang am Donnerstagabend in der Bremer Glocke und sie war angetreten, um die Wahrheit über den Tango zu verkünden: den „Tango Nuevo“ des Astor Piazzolla. © Mediengruppe Kreiszeitung / Wolfgang Nierderau

Der Tango erhält eine neue Identität, eine Ästhetik, die angesiedelt ist zwischen Tanz und Konzert, zwischen Kunst und Show. In diesem Zwischenraum stören dann auch nicht die mitunter arg süßlichen Texte aus der Feder des Dichters Horacio Ferrer. Lemper trägt sie zwischen den einzelnen Titeln im Stile einer Märchenerzählerin vor, raunt geheimnisvoll vom kleinen Jungen aus dem Slum von Buenos Aires, der tagsüber im Reichenviertel Rosen verkauft und abends in seiner Hütte von einem besseren Leben träumt. Wenn dann auch noch die Bühne in blaues Licht getaucht wird, wenn Lemper schmerzvoll und verträumt zugleich das Lied vom „Chiquilin de Bachin“ („Kleiner Junge von Bachin“) anstimmt, wenn insgesamt also eifrig auf die Tränendrüsen gedrückt wird: So bleibt das alles dennoch frei von Kitsch, weil es in dieser zwanglosen Verortung zwischen allen Gattungen niemals einem Klischee entsprechen kann.

Lemper nutzt diese Freiheiten zu kleinen Exkursionen in die Musikhistorie. Mal interpretiert sie Berliner Klassiker wie Kurt Weills Tangoballade aus der „Dreigroschenoper“ (mit wunderbar verruchter Tongebung), mal Chansons wie Jacques Brels „Ne me quitte pas“ (mit herrlich sehnsuchtsvoller Anmut). Zum Tangoklang des zum Teil aus alten Weggefährten Piazzollas zusammengestellten „Astor Piazzolla Sextet“ passt diese Musik, als wäre sie nie für etwas anderes geschrieben worden.

Zum Abschied gibt es an diesem Abend dann noch einmal Kurt Weill. Schließlich darf „Mackie Messer“ an keinem Liederabend fehlen. Ganz gleich, ob es dabei eigentlich um Tango geht oder nicht.

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