Tradition, modern und selbstbewusst

Tautumeitas eröffnen das Festival „women in (e)motion“ im Schlachthof

Tautumeitas besinnt sich auf traditionelle Klänge. Foto: AIGA REDMAN

Bremen - Von York Schaefer. „Frauen im heiratsfähigen Alter, gekleidet in das Nationalkostüm“ – so in etwa lässt sich der Name der Band Tautumeitas übersetzen, einem Vokalensemble aus Lettlands Hauptstadt Riga, das jetzt zur Eröffnung des Festivals „women in (e)motion“ im Bremer Schlachthof spielte. Ein Name, der trotz aller nach wie vor nötigen Unternehmungen zur Gleichberechtigung, doch etwas anachronistisch wirkt. Erst recht bei einem Festival, bei dem es um Frauen in der von Männern dominierten Musikwelt gehen soll.

Und rein optisch entsprechen die fünf Damen auf der Bühne (die sechste ist hochschwanger) auch dem Klischee vom hübschen Volksmusik-Girlie. Elfenhaft anmutig blicken sie dem Betrachter auf dem CD-Cover entgegen. Auf der Bühne ist das Geige, Akkordeon und Trommel spielende Gesangsquintett, das von zwei Herren an Schlagzeug, Kontrabass und Synthesizer begleitet wird, in besagte Nationaltracht mit weiten Röcken und kunstvoll gestalteten Blumenkronen gekleidet.

Auch musikalisch orientieren sich die Frauen von Tautumeitas, von denen einige Musikethnologie studiert haben, in den meisten ihrer Lieder am traditionellen A-Capella-Gesang mit entsprechenden Themen: Die Suche nach dem richtigen Ehemann, Klagelieder über Männer im Krieg, ein Song über den Tag, an dem Kinder ihren Namen bekommen.

Ein bewusster Rückgriff auf Traditionen also, den das Damen-Ensemble, geschätztes Alter Ende 20, selbstbewusst und in modernem Soundgewand präsentiert. Der polyphone Gesang wird immer mal wieder in einem Hip Hop-artigen Duktus vorgetragen, es gibt unorthodoxe Arrangements, elektronische Elemente fiepen hinter den Stimmen, die Geigen erklingen auch mal dissonant.

Sicher, postfeministische Musik jenseits von biologischem und sozialem Geschlecht à la Lady Bitch Ray ist das nicht. Trotzdem stehen Tautumeitas für ein starkes weibliches Selbstverständnis und auch Attraktivität. Und genau deshalb passen sie sehr gut zum Festival „women in (e)motion“. Dort geht es am Sonntag um 20 Uhr im Kito in Bremen-Vegesack weiter mit dem Doppelkonzert der britisch-luxemburgischen Songschreiberin Claire Parsons. Erst wird die Mittzwanzigerin mit dem israelischen Gitarristen Iran Har Evan im Duo auftreten, danach im Quintett mit Bass, Schlagzeug und einem dem französischen Multiinstrumentalisten Jérome Klein. Im Kulturzentrum Schlachthof geht es am Freitag, 22. März, um 20 Uhr weiter mit den Auftritten des Mirja Klippel Duos aus Finnland und Dänemark sowie Mélissa Laveaux aus Kanada mit ihrem Trio. Den Abschluss des Festivals bestreiten am Freitag, 29. März, um 20 Uhr in der Music Hall Worpswede die britische Sängerin und Gitarristin Charlene Soraia sowie Sarah McCoy aus den USA. Die Pianistin hat ihr Handwerk jahrelang in kleinen, schwitzigen Clubs in New Orleans erlernt, bei ihren Konzerten treffen Rhythm and Blues, Cabaret und New Weird America aufeinander.

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