Toumani und Sidiki Diabaté geben einziges Deutschlandkonzert im Bremer Schlachthof

Weit ab vom Klischee

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Toumani (l.) und Sidiki Diabaté überzeugen im Schlachthof.

Bremen - Von Andreas Schnell. Die Schönheit afrikanischer Musik wollten sie zeigen, sagte Toumani Diabaté. In Europa gebe es schließlich nur wenig Gutes aus Afrika zu sehen. Recht hatte er. Und die rund eineinhalb Stunden, die er mit seinem Sohn Sidiki musizierte, waren auch wirklich geeignet, die gängigen Afrika-Bilder vergessen zu machen.

Zwar musste Diabaté senior das Podest etwas mühselig mit Krücke betreten, sobald er allerdings saß, flogen seine Finger förmlich über die 21 Saiten seiner Kora, einer westafrikanischen Harfenlaute. Er gilt nicht umsonst als einer der besten Kora-Spieler der Gegenwart. Mindestens so bedeutsam wie seine Virtuosität dürfte allerdings der Umstand sein, dass Diabaté dem Instrument immer wieder neue musikalische Zusammenhänge erschlossen hat. Er musizierte mit Flamenco-Musikern, mit dem Free-Jazzer Roswell Rudd, der isländischen Pop-Elfe Björk und Damon Albarn von Blur.

Dass er nun gleichsam zurück zur reinen Lehre ging, hat mit der Konstellation der beiden Musiker zu tun, die nicht einfach nur Vater und Sohn sind, sondern als solche in einer mehr als 70 Generationen umspannenden Tradition von Kora-Spielern stehen. Sidiki ist seinerseits in seiner Heimat Mali eher als Hip-Hop-Produzent bekannt, fühlt sich der Familientradition aber hörbar verpflichtet: Sein Kora-Spiel steht technisch dem seines Vaters in wenig nach. Die gemeinsame Musik, die sich beinahe ganz auf den Klang der Kora konzentriert (nur sporadisch verfremdete Sidiki den Klang mit Wahwah-Pedal und dezenten Effekten), vermittelte einen ganz eigenen Zauber. Das eng verwobene Geflecht, das dennoch beiden Musikern Gelegenheit gab, solistische Akzente zu setzen, erinnerte dabei harmonisch oft ein wenig an mittelalterliche europäische Musik, ist allerdings rhythmisch deutlich komplexer, arbeitet mit Synkopen und Polyrhythmik.

Das Publikum war von den ersten Tönen an gefesselt. So ganz wollten die Diabatés die Wirklichkeit allerdings nicht vergessen lassen: Zur Zugabe sprach Toumani Diabaté ein ernstes Wörtchen mit seinem Publikum. Gerade als sie in einem Studio in London ihr erstes gemeinsames Album aufnahmen, seien 360 Flüchtlinge aus Afrika im Mittelmeer ertrunken. Für sie schrieben sie das Stück „Lampedusa“. „Wir müssen darüber reden“, gab der Musiker den Bremern noch mit auf den Weg.

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