Till Brönner und Sergei Nkariakov suchen nach Berührungspunkten

Respektvoll nebeneinander

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Löst das Versprechen immerhin teilweise ein: Till Brönner am Flügelhorn.

Bremen - Von Ulla Heyne. Ein Annäherung zweier Welten hatten die Veranstalter des „Meisterkonzerts“ am Sonntagabend in der Glocke vollmundig versprochen – und als Jazz-Trompeter Till Brönner und sein in der Klassik ähnlich renommierter Kollege Sergei Nakariakov den Saal mit einem Medley aus Fragmenten von Frederic Chopin und Antonio Carlos Jobim aus der Feder des Londoner Pianisten und Arrangeurs Gil Goldsteins fluten, hört sich das zunächst nach der Einlösung des Versprechens an.

Seitens Brönner sollten die am Flügelhorn hingehauchten klassischen Phrasierungen an diesem Abend allerdings die einzige Annäherung an das Genre bleiben, in dem sein kongenialer Mitstreiter zu Hause ist.

Das Improvisationstalent des weltweit gefragten Jazzers auf der einen Seite, die Perfektion der Technik des Prix-Davidoff-Trägers auf der anderen – in diesem Spannungsfeld spielen sich die folgenden zwei Stunden ab, in denen die Musiker, unterstützt von einem wie immer bescheiden zurückgenommenen, gleichwohl äußerst präsenten Dieter Ilg am Bass, dem Cellisten Stefan Brauer und eben Gil Goldstein, in unterschiedlichen Konstellationen agieren.

Seine improvisatorischen Fähigkeiten führt Brönner eingangs in der groovig-funkigen Eigenkomposition „Will of Nature“ mit elektronischer Zweitstimme eindrucksvoll vor. Ebenso wie später bei „Peng Peng“ im Duo mit Dieter Ilg, „einem Stück, das wir jeden Abend neu komponieren“, wie Brönner erklärt. Es lotet den dynamischen Spielraum ebenso aus wie den Klangfarbenreichtum der Trompete, der auf dem Flügelhorn Nakariakov vorbehalten scheint.

Ansonsten nehmen sich die Jazz-Elemente eher bescheiden aus und verlassen nie den Rahmen des Mainstreams. Das soll allerdings nicht heißen, dass die Musiker sich etwa einem Massengeschmack anbiederten: Auch Stücken wie Bartóks „Rumänischen Volkstänzen“ drückt die hochkarätige Formation ihren Stempel auf. Die reduzierte Interpretation, oft nur mono-instrumental, mit hingehauchten Cellophrasen, getupften Akkordeontönen oder Nakariakovs Erdung, die die Melodien immer wieder auf die volkstümlichen Ursprünge zurückführt – das ist groß.

Dabei entpuppt sich ausgerechnet der Jüngste im Bunde als der wahre Grenzgänger: Stephan Braun ersetzt mit dem Cello die gesamte Streichersektion, setzt den Resonanzkörper seines Instruments perkussionistisch ein und bricht das Stück mit rhythmischen Verschiebungen und Tempiwechseln auf.

So stimmig sich der Wechsel von klassischen und Jazzstücken bis dahin ausnimmt: Einen Ausreißer leistet man sich mit Arbans „Variations sur une Tyrolienne“, einem „Schreckgespenst aus dem Lehrbuch“, wie Brönner sagt. Aber rechtfertigt die technische Akrobatik, die Nakariakov hier mit beeindruckender Virtuosität an den Tag legt, diesen Stilbruch? Der Eindruck einer zirzensischen Vorführung ist nicht ganz von der Hand zu weisen.

Zugute halten muss man Nakariakov neben seiner Technik noch etwas anderes: Als Einziger lässt sich der „Exot“ zwischen den Jazzern mit Louis Armstrongs „Westend Blues“ auf eine Annäherung ein. Auch hier: Eher ein respektvolles Nebeneinander als ein Miteinander, in dem die unterschiedlichen Talente der beiden Ausnahmeerscheinungen zum Ausdruck kommen.

Der gemeinsame Nenner zwischen Klassik und Jazz wird in der Zugabe gezogen: Die Air von Bach, laut Brönner der„Chick Corea des Barock und größter Jazzmusiker aller Zeiten“, mündet aus einer wunderschönen klassischen Fassung in einen Ambient-Klangteppich, für den Brönner noch einmal zahlreiche Filter- und Halleffekte bemüht.

Geglückte Annäherung hin oder her: Hörenswert war dieser Ausflug Brönners in musikalische Parallelwelten allemal.

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