Annett Louisan in Bremen

Tief in die Seelen geblickt

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Annett Louisan und Band brauchen nur wenig Platz auf der Bühne. ·

Bremen - Von Mareike Bannasch. Sie drängen sich auf dem roten Teppich, in die neuesten Designerkreationen gehüllt und mit einem strahlenden Lächeln für Fans und Fotografen. Ihr Leben ist schillernd, leicht und beneidenswert. Doch wie sieht die Welt der Stars aus, wenn die Scheinwerfer erlöschen, die Zeichen des Alterns sichtbarer werden und das aktuelle Album zum Kassenflop mutiert?

Dann wird es dunkel und einsam. Freunde sind nur da, solange die Sonne des Ruhms scheint. Und von Fans und Paparazza bleibt am Ende nur eine Straße mit dem eigenen Namen.

Annett Louisans Abrechnung mit dem Showbizz kommt an diesem Abend nicht nur bissig daher, sondern sorgt bei dem ein oder anderen Zuhörer im Musical Theater Bremen für ein bisschen Mitleid. Immerhin ist Louisan selbst Teil des Medienzirkusses, den sie in „Stars“ verurteilt. Wirft sie schon einen Blick auf die eigene Zukunft? Vermutlich nicht, die Künstlerin wirbt wohl eher um Verständnis und einen Blick hinter die Fassade.

Das Stimmungstief hält allerdings nicht allzu lange an. Für ihren Auftritt in Bremen hat die Sängerin ein Programm zusammengestellt, das leicht daherkommt. Klar steht ihr neues Album „Zu viel Information“ im Mittelpunkt. Die neuen Stücke paart Louisan jedoch mit Hits aus den vorangegangenen Scheiben. Und trifft damit den Nerv des Publikums – Mitsingpotenzial inklusive.

Allerdings muss sie für die Begeisterungsstürme nicht viel mehr tun, als den Weg auf die Bühne zu finden. Die Masse quittieren diese Leistung bereits mit tosendem Beifall. So ausdauernd, dass sich der Gedanke an Vorschusslorbeeren einschleicht. Zum Glück trifft dies aber nicht zu. Annett Louisan überzeugt bei ihrem Auftritt nicht nur stimmlich, sondern auch mit den Texten ihrer Stücke. Die Sängerin blickt tief in die Seelen ihrer Zuhörer, kehrt unbequemes nach außen und zwingt das Publikum zur Auseinandersetzung mit sich selbst. Dabei macht sie auch vor aktuellen Themen Halt. So nimmt sie in „Zu viel Information“ gekonnt das Sendungsbewusstsein manch eines Zeitgenossen auf die Schippe, der seine Umwelt mit Mitteilungen über Facebook oder andere öffentliche Kanäle quält. Immer auf der Suche nach einer Reaktion – auch wenn es nur um Schmerzen im großen Zeh oder den Heiratsantrag geht.

Natürlich kommt Louisan nicht umhin, sich auch mit ganz großen Gefühlen auseinander zu setzen. Meistens aus der Sicht der enttäuschten Freundin, die eine letzte Rechnung mit ihrem Ex begleicht. Hämische Abrechnung mit seinem besten Stück inklusive. Das könnte schnell einseitig und anstrengend werden. Doch bevor die Stimmung angesichts zu vieler Kalauer kippt, singt Annett Louisan von der Liebe und den ganz großen Gefühlen – und eine Drehung um 180 Grad.

Dabei spielt der Sängerin auch das Musical Theater als Auftrittsort in die Hände. Die Bühne ist an diesem Abend so gut wie leer, ihre vier Musiker nehmen nur wenig Platz ein. Der Rest bleibt im Dunkeln. Ab und zu unterbrochen von einem Film, der über weißen Stoff flackert. Das schafft die Atmosphäre eines intimen Wohnzimmerkonzerts – auch wenn sich die Fans auf den Rängen drängeln. Da schlendert die Künstlerin auch schon mal durch die Reihen und singt von dort aus. Oder sucht das Gespräch mit bekannten Gesichtern, die schon einmal bei einem Auftritt waren. Klar, gehört dies zum Handwerk eines Stars. Bei Annett Louisan wirkt dies jedoch nicht aufgesetzt. Genauso wenig wie der Umgang mit ihrer Band. Die vier Musiker halten sich trotz ihres Könnens an diesem Abend im Hintergrund – bis die Sängerin ihnen Platz für ihren großen Auftritt macht. Ein Star kann die Bühne eben auch mal teilen.

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