Thermoboy FK: „Stolz und Vorurteil“

Subversiv überarbeitet: „Stolz und Vorurteil“ von Thermoboy FK. Foto: Daniel Weigel

Bremen - Von Rolf Stein. Als Jane Austen 1813 ihren Roman „Stolz und Vorurteil“ veröffentlichte, herrschten freilich noch ganz andere Sitten als heute. Junge Frauen konnten in aller Regel keineswegs frei wählen, mit wem sie in den Stand der Ehe treten wollten. Und sich nach ein paar Jahren scheiden zu lassen, war schon gar nicht drin. Was derweil die Eltern der jungen Frauen in der Regel umtrieb, waren weniger Dinge wie persönliche Vorlieben ihrer Töchter als wirtschaftliche Überlegungen.

Austen gelang es offenbar so gut, diese Verhältnisse literarisch abzubilden, dass der Stoff bis in die Gegenwart immer wieder verfilmt wird, zuletzt höchst erfolgreich 2005 mit Keira McKnightley und Matthew Macfadyen in den Hauptrollen. Diesen Film hat die unorthodoxe Theatertruppe Thermoboy FK, die zum Teil aus Bremen stammt, als Grundlage für eine recht eigene Fassung genommen.

Der erste grundlegende Eingriff, nämlich jegliche Rollen, auch die weiblichen, von Männern spielen zu lassen, wirkt dabei zwar vordergründig drastisch – aber das machte man schon zu Shakespeares Zeiten so. Um der Story um drei Schwestern mit ganz unterschiedlichen Lebensvorstellungen noch einen zusätzlichen Dreh zu verpassen, hat das Team die Geschichte am Ende – „frei nach Jane Austen“ heißt es schließlich im Untertitel – ordentlich umgeschrieben.

Gerade mal eine Stunde braucht diese Inszenierung für die durchaus komplexe Handlung. Dabei geht es nicht um die akribische Entfaltung von Charakteren zum Nachfühlen. So entzückend stilisiert das Bühnenbild, ein Ambiente aus naiver Landschaftsmalerei und ironisch markierten Requisiten, so humorvoll gezeichnet sind die Figuren. Zwischen ihnen entwickelt sich das Geschehen als satirischer Gesellschaftstanz – durchaus mit utopischen Potenzialen.

Wo in Austens Romanvorlage und auch der erwähnten Verfilmung am Ende ganz klassische Ehekonstellationen das Happy End markieren, ist bei Thermoboy FK Liebe nicht nur zwischen Mann und Frau denkbar, sondern auch durchaus teilbar, also nicht auf die Zweierbeziehung beschränkt. Und, das ist dann wieder wie bei Austen, selbst das Streben nach so etwas wie der Möglichkeit, jenseits gesellschaftlicher Vorstellungen ein Leben nach eigenen Vorstellungen führen zu können, ist hier Teil der Überlegungen. Man darf auch Freiheit dazu sagen.

Sehen

Heute, 20 Uhr Schwankhalle, Bremen; außerdem 26. bis 28. März, Lichthof-Theater, Hamburg, und 24. bis 25. April, Theater im Pavillon, Hannover, im Rahmen von „Best Off – Festival Freier Theater.

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