Was für ein Theater

Die Kunsthalle Bremen zeigt Max Beckmann

In Szene gesetzt von Max Beckmann: „Großes Varieté mit Zauberer und Tänzerin“. - Foto: Antje Zeis-Loi, Medienzentrum Wuppertal
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In Szene gesetzt von Max Beckmann: „Großes Varieté mit Zauberer und Tänzerin“.

Bremen - Von Rolf Stein. Max Beckmann und Bremen sind zusammen durch dick und dünn gegangen: 1920 kaufte die Bremer Kunsthalle erstmals ein Gemälde des Künstlers, der heute, um es mit Christoph Grunenberg zu sagen, ein Hausheiliger der Kunsthalle ist.

Es sollte nicht das letzte bleiben. Im Nationalsozialismus galt er als „entartet“, und was die Kunsthalle von ihm besaß, überlebte dort im Depot. 1950, kurz vor seinem Tod, malte Max Beckmann noch an einem Bild für Bremen, viele weitere wichtige Werke erwarb die Kunsthalle in den Jahren nach seinem Tod.

Angesichts der Bedeutung Beckmanns für die Kunsthalle – und gewiss auch andersherum –  war es mehr als an der Zeit, dem Hausheiligen eine große Ausstellung zu widmen. Schließlich datiert die letzte große Beckmann-Schau auf das Jahr 1984.

Nun muss man gewiss nicht alles feiern, nur weil es lange her ist. Bei Beckmann allerdings kommt zur Innigkeit seiner Beziehung zu Stadt und Haus seine künstlerische Bedeutung, nicht zuletzt aber auch die in die Gegenwart strahlende Kraft seines vielseitigen Werks, das neben Gemälden und grafischen Werken Skulpturen und gar Dramen enthält, die in der Kunsthalle in einer Vitrine ausliegen.

„Theaterdirektor, Regisseur und Kulissenschieber“

„Max Beckmann. Welttheater“ lautet nun der Titel der weniger der erwähnten zeitlichen Distanz wegen fälligen Schau, die die Kunsthalle Bremen gemeinsam mit dem Potsdamer Museum Barberini initiiert hat. Der Begriff vom Welttheater, den Beckmanns Freund und Sammler, der Schriftsteller Stephan Lackner auf das Werk des Künstlers münzte, geht mindestens auf mittelalterliche Vorstellungen von der Welt als Inszenierung zurück. In der Kunsthalle wird dieses Verhältnis gespiegelt: Bei Beckmann, so Lackner, werde der Bilderrahmen zum Bühnenrahmen, der Künstler zum „Theaterdirektor, Regisseur und Kulissenschieber“.

In gewisser Weise gilt das wohl für jeden, zumindest für jeden gegenständlichen Künstler. Bei Beckmann aber trifft dieser Umstand auf die Liebe zu Theater, Zirkus und Varieté. Das Bild vom Welttheater hatte für Beckmann indes eine weitergehende Bedeutung. „Wenn man dies alles – den ganzen Krieg, oder auch das ganze Leben nur als eine Szene im Theater der Unendlichkeit auffasst, ist vieles leichter zu ertragen“, notierte er.

Der Gedanke ist weniger eskapistisch als subversiv. Im üppigen Katalog zur Ausstellung fehlt der Hinweis nicht, dass Beckmanns Zirkus ein zutiefst moderner ist: Daran, dass die Grausamkeiten unserer Welt kein „göttlicher Regisseur“ verantwortet, sondern der Mensch selbst, darf auch heute gern erinnert werden.

Explizit politisch müssen die hier ausgestellten Werke, die teils von weither ausgeliehen sind, dann auch gar nicht sein. Der zentral platzierte „Apachentanz“, Ausgangspunkt der Ausstellung, zeigt einen Mann, der eine Frau über seine Schulter geworfen hat – die damit sichtlich ihre Not hat. Die Zurschaustellung eines ungleichen Kampfes, dem ein durchweg gleichgültiges Publikum beiwohnt. Auch das natürlich ein durchweg zeitgenössisches Bild.

Auch die opulenten Triptichen, darunter das erst kurz vor Beckmanns Tod fertiggestellte „Argonauten“, erweisen sich als komplexe Reflexionen: „Schauspieler“ attackiert die „vierte Wand“ beherzt, jene durchsichtige, aber eben illusionsstiftende Barriere zwischen Bühne und Publikum. Ein durchaus bereichernder neuer Beckmann-Blick.

„Max Beckmann. Welttheater“, bis 4. Februar 2018, Kunsthalle Bremen. Weitere Informationen im Internet: www.kunsthalle-bremen.de

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