Die Einstürzenden Neubauten spielen in der Elbphilharmonie

Tempel haben Risse

Blixa Bargeld und die Einstürzenden Neubauten. - Foto: dpa
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Blixa Bargeld und die Einstürzenden Neubauten. 

Hamburg - Von Rolf Stein. Klar: guter Witz! Die Einstürzenden Neubauten im Rahmen des Eröffnungsfestivals der Elbphilharmonie auftreten zu lassen. Sie, die einst tätige Architekturkritik übten. Sie, die nicht nur im Namen, sondern auch lyrisch und musikalisch Endzeitromantik verbreiten.

Zwar war das Programm des doppelten Auftritts (wegen der großen Nachfrage war zusätzlich ein Nachmittagskonzert anberaumt worden) nicht eigens auf Ort und Anlass zugeschnitten. Aber Zeilen wie „Die neuen Tempel haben schon Risse / künftige Ruinen / einst wächst Gras auch über diese Stadt / über ihrer letzten Schicht“ aus „Die Befindlichkeit des Landes“ oder „Das Fundament steht an der falschen Stelle / Man hätte dieses Haus in den Himmel setzen sollen“ aus „Redukt“ scheinen beinahe wie geschrieben für diesen Tag, auch wenn sie schon etliche Jahre auf dem Buckel haben. Zeilen, die im Publikum deutlich hörbar Kichern hervorrufen. Das nicht selten auch verbal dröhnende Pathos liest man heute offenbar eher ironisch.

Ein wenig enttäuscht konnte man übrigens sein, dass die in derlei Dingen nicht unbeschlagene Band auch ihren Bühnanaufbau nicht an den Saal angepasst hatte, der rundum bestuhlt ist. Was bedeutete, dass von vielen Plätzen immerhin gut zu beobachten war, wie die Klangproduktion der Band, die bis heute auf selbstgebaute Gerätschaften setzt, funktioniert.

Da rasseln Stahlstifte auf eine Blechplatte hernieder, werden Plastikröhren mit Druckluft angespielt, da steht ein Schlagzeug aus Schrottplatzteilen, daneben wird auf Stahlfedern getrommelt.

Zwei Stunden dauerte das Nachmittagsprogramm, den größeren Teil machten ruhigere Stücke aus. Allerdings wirkten die sorgsam dosierten Krachexkurse in diesem Kontext umso stärker. Und der Sound? Im Grunde tadellos. Auch wenn die Qualitäten des Saals sich bei einem verstärkten Konzert naturgemäß weniger zu Buche schlagen als im bisherigen Programm. Eine gewisse Unbeholfenheit seitens der Veranstalter ist vielleicht das, was da am wenigsten überrascht: Der Text im Programmheft ist mit „freundlicher Genehmigung“ von der Internetseite Laut.de kopiert, zitiert den Namen des „Geniale Dilletanten“-Festivals falsch und schwadroniert von „Deutschlands wichtigsten Kulturbotschaftern“ sowie davon, dass die Neubauten die „Großstadt-Apokalypse für das heimische Wohnzimmer“ bis heute inszenieren – „zwar noch etwas sperrig, aber doch auch genießbar“. Warum eigentlich „aber“?!

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