Buch über Geographie in der antiken Welt

Teil einer Kugel

Kreiszeitung Syke
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Syke - Von Johannes Bruggaier. Eine Scheibe war die Erde bereits in der Antike nicht mehr. Wer diesen Ausweis geografischer Ahnungslosigkeit den Gelehrten jener Zeit zuschreibt, sitzt einem verbreiteten Irrtum auf.

Tatsächlich hatte spätestens mit Aristoteles‘ Schrift über die Meteorologie die Kugelgestalt als gesicherte Erkenntnis gegolten. Schließlich, so lautete das schlichte wie einleuchtende Argument, sehe man doch, „dass überall in der uns bekannten bewohnten Welt der Horizont je nach unserer Ortsveränderung beweglich ist, weil eben die Erdoberfläche konvex, Teil einer Kugel ist“.

Die Historikerin Daniela Dueck hat über den erdkundlichen Bildungsstand der Antike ein Buch geschrieben. Ihre Studie „Geographie in der antiken Welt“ skizziert einen de facto altertümlichen Wissenschaftsbetrieb, der in seiner Kreativität und Aufgeschlossenheit jedoch hochmodern erscheint. So bestimmte bereits im dritten Jahrhundert vor Christus Eratosthenes den Erdumfang auf 40 000 Kilometern, womit er das tatsächliche Maß nur knapp verfehlte. Die Klimazonen der nördlichen Hemisphäre setzten Gelehrte wie Parmenides schon früh in ein Verhältnis zu jenen der noch unbekannten Südhalbkugel. Und auch die Existenz weiterer Erdteile war für Forscher wie Claudius Ptolemäus als wahrscheinlich anzusehen.

Selbst die Höhenmessung – erst seit Optimierung der Satellitentechnik ein einigermaßen zuverlässiges Unterfangen – gelang den alten Griechen bemerkenswert genau. Zur Bestimmung eines Berggipfels richtete man bei Sonnenuntergang einen Stab auf, dessen Länge in ein Verhältnis zu seinem Schatten gesetzt wurde. Mit der Relation von Höhe zum Schatten zum Zeitpunkt des Sonnenuntergangs ließ sich nun umgekehrt aus dem Schatten des Berges die Höhe seines Gipfels ableiten: zwar nicht vom Meeresspiegel aus gerechnet, aber immerhin ab Talhöhe.

Wenn auch schon in der Antike Längen- wie Breitengrade zur Orientierung genutzt wurden (den Nullmeridian ließ Claudius Ptolemäus durch die Kanarischen Inseln verlaufen), so waren Landkarten allem Anschein nach nicht in Gebrauch. Allenfalls wenn es um den Verkauf von Grundstücken ging, erwies sich die grafische Variante von geografischen Daten als praktisch. Erhalten geblieben sind deshalb lediglich Baupläne in sehr großem Maßstab (manchmal sogar 1:1). Dabei, so heißt es bei Dueck, wimmele es geradezu von angeblich spektakulären Entdeckungen antiker Weltdarstellungen. Wenn auf diesen Karten jedoch der Norden ganz selbstverständlich oben liegt und Farben umstandslos Ländergrenzen markieren, so darf man getrost von einer Fälschung ausgehen.

Daniela Dueck: „Geographie in der antiken Welt“, Philipp von Zabern Verlag: Darmstadt 2013; 176 Seiten; 24,99 Euro.

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