Sternstunde in der Glocke: Deutsche Kammerphilharmonie Bremen spielt Beethoven und Mozart

Taufrische Silberfäden

Besser kann man‘s nicht machen: Die Deutsche Kammerphilharmonie spielt in der Glocke einen erzählenden Mozart und einen fulminanten Beethoven. - Foto: Julia Baier
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Besser kann man‘s nicht machen: Die Deutsche Kammerphilharmonie spielt in der Glocke einen erzählenden Mozart und einen fulminanten Beethoven.

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. Als Paavo Järvi im Jahr 2004 künstlerischer Leiter der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen wurde, war viel die Rede von der Neugier auf ein neues Repertoire. „Ich möchte neue Sachen machen“, sagte Järvi damals. Daraus ist nicht ganz so viel geworden. Dafür hat das Orchester aber ein Spielniveau, das jede Kritik an immer denselben Stücken im Keim erstickt. Und nun wieder Ludwig van Beethoven „Eroica“, schon reichlich oft gehört.

Aber das Orchester ist eben in der Lage, aus solch zusammengewürfelter und nicht eben einfallsreicher Programmkonzeption, zu der dann auch die eher einschläfernde Klangflächenmusik von Järvis Komponistenkollegen Errki-Sven Tüür gehört, immer wieder Sternstunden herauszuhauen, wie auch im Konzert am Mittwochabend. Ja, es ist eine fulminante Eroica mit allen Meriten: Transparenz, Mittelstimmenbeachtung, bezaubernder Klangschönheit und vor allem atemberaubende Tempi. Keinerlei Patina, taufrisch alles, wie ein neuer Beweis für die Titelbehauptung: „Der Bremer Beethoven – ungebrochen beliebt“.

Ein wahres Wunder wird das Konzert dann durch die Wiedergabe des Konzertes A-Dur, KV 219 von Wolfgang Amadeus Mozart durch den Konzertmeister des Orchesters, Florian Donderer. Wenn man verstehen will, was der jüngst verstorbene Nicolaus Harnoncourt unter „Klangrede“ meinte, dann war es hier zu hören. Donderer verstand es, nahezu jeden Ton mit „Erzählcharakter“ auszustatten. Das klang mal tänzerisch, mal spielerisch, mal richtig witzig, mal ironisch und auch selbstironisch, mal parodistisch, mal von tiefer Melancholie – und alles nicht selbstgefällig nach innen, sondern als erzählende Kommunikation. Fast so, als würden die Zuhörer erfahren, was Mozart in diesen Jahren alles in Salzburg so geärgert hat. So kommt schließlich auch ein Stil zustande, in dem es so etwas wie „Orchester – Einsatz Solist“ nicht gibt, stattdessen ergibt sich mit fast improvisatorischer Kunst eins aus dem anderen. Überflüssig zu sagen, wie tonschön auch das wieder alles war, manchmal wie Silberfäden, manchmal wie in der einkomponierten Janitscharenmusik von deftig-aggressiver Klangfarbe. Tja, besser kann man‘s nicht machen, das ist musikalische Rhetorik pur. Ovationen waren die Folge.

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