„Out Now“: Schau der HfK-Meisterschüler in der Bremer Weserburg

Tastend im Rundkurs

Bremen - Von Rainer BeßlingDie Trophäe ist attraktiv, das Teilnehmerfeld außergewöhnlich groß. Zwölf Meisterschülerinnen und -schüler der Bremer Hochschule für Künste (HfK) treten in diesem Jahr zur Nachwuchs-Leistungsschau in der Bremer Weserburg an.

Der Siegerposition winkt der Karin-Hollweg-Preis, dotiert mit 15000 Euro, laut Weserburg-Direktor Carsten Ahrens der höchstausgestattete seiner Art. Bekannt gegeben wird die oder der Glückliche heute Abend im Rahmen der Ausstellungseröffnung. Nicht nur wegen des Rätselratens, wen die Preisrichter wohl küren mögen, hat der Rundgang bei der Pressevorbesichtigung seinen eigenen Charme. Auch die Frage nach neuen Trends stellt sich, die nach originären Handschriften oder auch nach Prägungen durch die Lehrer.

Wenig überraschend: So groß die Gruppe, so breit das Spektrum. Die Jury wird es nicht leicht haben, durchgängige Kategorien zu finden. Wie reagiert sie beispielsweise auf Karolin Kloppstech, die, zierlich und schwarz gewandet, ihre filigrane altmeisterliche Malerei auf schwarzem Grund als ihrem Wesen gemäß annonciert. Intensiv und nachhaltig widme sie sich dem, was häufig übersehen wird. Spricht nicht dauergültige Qualität aus Authentizität und Wahrnehmungstiefe?

Auch Hinrich Brockmöller operiert mit dem Figurativen, Klassischen und thematisiert hintergründig den ästhetischen Götzendienst am Novitätenaltar. Mit antikisierenden Büsten nimmt er sich aus dem modernen White Cube heraus und flüchtet in einen abgetrennten Kabinettschlauch an einer Fensterreihe.

Einer Beckettschen-Bühnenkulisse gleich künden Mirsad Herendas Baumruinen von Endzeit. Wie Fundhölzer anmutend, verraten sie bei näherem Hinsehen Künstlichkeit und mechanischen Entstehungsprozess. Auch die Endspielperspektive ist eben Menschenblick, die Natur sieht die Dialektik von Leben und Tod gelassen. Düster gibt sich Tahera Khalids Malerei. In dunklen Tafeln isoliert sie Figuren und Szenen, ein bedrängtes Binnenleben im Strom der Katastrophen und des Schreckens.

Waren frühere Jahrgänge von bestimmten Medien dominiert, streuen die Gattungen inzwischen. Keine kann sich das Prädikat alleiniger Gegenwartsrelevanz anheften. Auch Video und Performance müssen sich inhaltlich beweisen. Rebecca Llanos-Farfán macht in einer Video-Reihe mit Horizontaufnahmen Wahrnehmung und Gestaltung zum Thema. Periodisch schießt eine fahrbare Spritzpistole schwarze Farbe auf die Bilder. Die buchstäblichen Projektionen werden mit dem künstlerischen Zugriff konfrontiert. Wo liegt im Wechselspiel Wirklichkeit?

Einen Dialog mittels Kunst führt Jörg Engelhardt mit seinem Vater, beide Bildhauer. Die Atmosphäre eines geschichtsträchtigen Ateliers klingt in Vitrinen nach, Affen treten mit der Last der Unterhaltungskünstler und in qualvollen Kerkersituationen auf. Rätselhafte Protagonisten und Geschichten, die sich hinter einer bedrückenden plastischen Sprache verbergen. Clarissa Dietrich lässt an Kopfskulpturen Arbeitsspuren stehen und trägt den gedehnten Hälsen zusätzlichen Sockeldienst auf. Gerät hier der Übergang zwischen Podest und Plastik fließend, befasst sich Danuta Kurz an Tür und Fenster des Museums mit Übergängen und Schwellenstadien.

Das Echo des

künstlerischen Zugriffs        Auch der Sound spielt in vielen Arbeiten mit oder die Hauptrolle. Janis Elias Müller lässt einen rotierenden Stab einen Kreis von Alltagsgegenständen abtasten. Die Installation spiegelt hintergründig und humorvoll die Rechercheanstrengungen von Künstlern und den Eigensinn des Materials wider. Wie antwortet das Objekt auf den Zugriff? Ein Echo gibt es nur bei einem angemessenen Impuls. Wir können sehen, hören, spüren, wie sich manche Gegenstände andienen und andere sperren. Eine schöne fundamentale und zugleich spielerische Metapher.

Schussgewaltig tritt Natalie Wild auf. Eine Tontaubenmaschine feuert auf die Museumswand und schreibt dieser eine Linie ein. Was lässt sich hier alles assoziieren? Der Versuch, hinter die Mauer zu schauen? Die Übergabe der künstlerischen Aktion an einen Mechanismus? Die Ersetzung des Subjekts durch die Maschine? Die Aushebelung der Reflexion? Konzeptualität und performativer Akt verbünden sich lautstark. Auch der Eventcharakter von Kunst liegt im Fokus.

Wesentlich leiser und subtiler wirken dagegen Natalia Moors Raumzeichnungen. Ins innere Bild gehen, ins Innere des Bildes vorrücken, in der Binnenwelt der Zeichnung die eigenen inneren Bilder reflektiert sehen – ein kontemplatives Gehäuse aus Linien und Flächen. Das museale Randgeschehen greift Birte Endrejat auf. Ihre Notate, die sich als Infomaterial verkleiden, sind Protokolle und Handlungsanweisungen zugleich.

Die Ausstellung bietet Auseinandersetzungen mit fundamentalen ästhetischen Fragen. Die behalten ihre Gültigkeit, verständlich dass die Positionen Erinnerungen an schon Gesehenes und Gedachtes wecken.

Weserburg, Bremen, Teerhof. Bis 7. Oktober. Di, M, Fr 10-18 Uhr, Do 10-21 Uhr, Sa, So 11-18 Uhr. Eintritt: 8 Euro.

Eröffnung heute, 19 Uhr

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