Tanzworkshop „Danceformation“ am Theater Bremen mit 30 Tänzern aus Ländern, zwischen denen es nicht immer friedlich zugeht

Der Mensch verschwindet hinter geopolitischen Interessen

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„Ich kann hier viel lernen, aber zugleich ich selbst bleiben“: Olga German während des Tanzworkshops „Danceformation“.

Bremen - Von Andreas Schnell. Der große amerikanische Bassist Mike Watt begann unlängst ein Konzert mit der Erinnerung: „It‘s about people“, sagte er nachdrücklich. Um Menschen geht es. Was natürlich auch deswegen eine Ansage ist, weil es dann in der Realität oft doch nicht um sie geht. Sondern um, beispielsweise, geopolitische Interessen, deren Verfolgung bekanntlich immer wieder Menschen zum Opfer fallen. - Von Andreas Schnell.

In der Ukraine beispielsweise. Und was dort geschieht, überformt auch unser Bild von Land und Leuten, wie Gregor Runge, Tanzdramaturg am Theater Bremen und Initiator des Projekts „Cultural Dialogues: Danceformation“, erklärt. Menschen aus Krisenregionen werden so vor allem zu Teilen einer politischen Großlage.

Das Theater Bremen hat in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut in Kiew und Sondermitteln des Auswärtigen Amtes im Rahmen des Programms „Östliche Partnerschaften“ 30 Tänzerinnen und Tänzer aus der Ukraine, Russland, Armenien, Aserbaidschan, Georgien und Weißrussland nach Bremen eingeladen, um dort gemeinsam mit der Choreografin und Tänzerin Alexandra Morales zu arbeiten. Dabei gehe es, so Runge, nicht zuletzt darum, die Frage nach den persönlichen, den inneren Konflikten zu stellen, sich gegenseitig davon zu erzählen – nicht nur, aber auch mit den Mitteln des Tanzes, die hier ganz unterschiedliche Hintergründe haben. Einige Teilnehmer, schildert Morales, seien Amateure, andere arbeiteten semiprofessionell, einige sind Profis, stilistisch reicht die Spannweite von Folklore über Streetdance bis zum klassischen Ballett.

In Bremen sind sie seit gut zehn Tagen nun mit einer anderen Art von Tanz befasst. Zum einen, weil die Bremer Sparte grob dem zeitgenössischen Tanz zuzurechnen ist. Zweitens, weil hier darüber hinaus gern interdisziplinär gearbeitet wird, mit Sprache, Video, Musik. Diese formale Vielfalt, die auch den unterschiedlichen Schulen des Ensembles ihren Platz lässt, ermögliche den Tänzerinnen und Tänzern einen neuen, persönlichen Ausdruck, wie Olga German sagt, die vom Breakdance kommt. „Ich kann hier viel lernen, aber zugleich ich selbst bleiben.“

Und auch Davit Grigoryan aus Armenien emfindet die Arbeit als befreiend. Wobei es ihm spürbar ein Anliegen ist zu betonen, dass er neben den ästhetischen Begegnungen nicht zuletzt die persönlichen schätzt. „Wir sind jetzt Freunde“, sagt er über die Truppe, die gleichwohl, zumindest vorerst, keine konkrete Perspektive hat. Was nach den zwei Präsentationen am kommenden Wochenende passiert, ist bislang ungewiss. Allerdings besteht sowohl seitens des ukrainischen Goethe-Instituts wie des Bremer Theaters starkes Interesse an einer Weiterführung.

Ein Ziel immerhin ist jetzt schon erreicht: dass sich Menschen aus sechs Ländern, zwischen denen es nicht immer sehr friedlich zugeht, nicht nur als Tänzer, sondern als Menschen kennen und schätzen gelernt haben. Und am Wochenende werden diese neuen Freunde nun dem Bremer Publikum begegnen. Allerdings nur einem recht kleinen. Mehr als 30 Karten pro Abend gibt es nicht.

Freitag und Samstag, 19 Uhr, Probebühne Hemelingen (Treffpunkt: 18 Uhr, Theaterkasse am Goetheplatz).

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