28. Ausgabe des Festivals startet Ende August / Frankreich gleich mit elf Produktionen vertreten / Etat von 320 000 Euro

„Tanztheater International“ in Hannover: „Es geht ums Menschsein“

„Streifzug durch die Elemente“: Szene aus „Sfumato“ von Rachid Ouramdane. ·
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„Streifzug durch die Elemente“: Szene aus „Sfumato“ von Rachid Ouramdane. ·

Hannover - Von Jörg WoratEin zäher Brocken: Mehr als einmal war das Festival „Tanztheater International“ schweren finanziellen Turbulenzen ausgesetzt. Wankte zuweilen, aber fiel nie: So gibt es nun vom 29.

August bis zum 7. September die 28. Ausgabe in 29 Jahren. Und dass die Veranstaltung 2008 ausfiel, lag lediglich an der Vergabe der renommierten „Tanzplattform Deutschland“ nach Hannover in diesem Jahr – zwei Großereignisse aus diesem Bereich wären kaum sinnvoll gewesen.

Was hat sich denn in der zeitgenössischen Tanzszene seit 1985 verändert? „Die stilistische Bandbreite ist größer geworden“, sagt Festivalleiterin Christiane Winter. „Es gibt eine stärkere Durchmischung unterschiedlicher Bewegungsformen. Früher konnte man noch ziemlich genau erkennen, ob eine Gruppe aus einer bestimmten Ausbildungsstätte kam.“ Und von negativen Entwicklungen ist ebenfalls zu berichten: „Vor 30 Jahren waren die Niederlande eine Keimzelle, die immer wieder neue Impulse hervorbrachte. Inzwischen sind unter einer sehr konservativen Regierung wichtige Veranstaltungszentren geschlossen worden. Auch in Belgien sind die kulturpolitischen Tendenzen eher ungünstig. Italienische und spanische Compagnien gehen kaum noch auf Tour. Dafür ist Frankreich im Kommen.“

Es hat also seine Gründe, dass dieses Land bei den elf Produktionen der neuen Ausgabe von „Tanztheater International“ besonders reichhaltig vertreten ist. So bestreitet Choreograph Mickaël Phelippeau die Festivaleröffnung am 29. August in der Orangerie. Der Stücktitel „Chorus“ kommt nicht von ungefähr, denn auf der Bühne wird das 21-köpfige A-cappella-Ensemble Voix Humaines mit Bewegung und Gesang agieren: „Es geht um Gemeinschaft, um Individualität, ums Menschsein“, reißt Winter die thematischen Strukturen an.

Auch Rachid Ouramdane und Heddy Maalem leben in Frankreich, haben jedoch algerische Wurzeln. Als eine von fünf deutschen Erstaufführungen beim Festival wird am 1. September im Schauspielhaus Ouramdanes Stück „Sfumato“ laufen, angekündigt als „Streifzug durch die Elemente“. Einen Tag später zeigt der Kollege in der Orangerie die Choreographie „Éloge du puissant royaume“, die Elemente von „Krump“ einbindet, einem hochaktuellen, in South Central Los Angeles entstandenen Tanzstil: hochenergetisch, dabei mit spirituellem Hintergrund.

Während Maalem nicht das erste Mal bei „Tanztheater International“ mitwirkt, hat Christiane Winter auch stets ein Auge für Neuentdeckungen. Den Schweizer Martin Schick, der am 7.9. im Ballhof 2 „Halfbreadtechnique Postkapitalismus für Anfänger“ zeigen will, hat die Festivalleiterin erstmals Anfang des Jahres gesehen: „Ich wusste aber sofort, dass ich ihn dabei haben will. Schick behandelt sehr ernsthafte gesellschaftliche Themen mit einem ganz eigenen Humor.“

Der Gesamtetat beträgt rund 320 000 Euro, als Förderer haben sich zuletzt regelmäßig die Stadt Hannover, die Stiftung Niedersachsen, die Sparkasse Hannover und das Land Niedersachsen etabliert. „Der Etat ist seit zehn Jahren ziemlich konstant geblieben“, erläutert Winter. „Aber leider steigen die Ausgaben ständig, seien es Reisekosten oder EU-interne Umsatzsteuerregelungen.“ Mögen die Veranstalter auch das in den Griff kriegen, zumal „Tanztheater International“ keineswegs ein Festival nur für eine abgehobene Elite ist – die Auslastung der jüngsten Ausgaben lag durchweg bei über 90 Prozent.

(Festival vom 29. August bis 7. September, Karten unter Tel. 0511/168 412 22)

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