Gelungener Umsturz: „Ballet Revolución“ im Musicaltheater Bremen

Tanzschuhe reichen

Hier gibt es kein verordnetes Dauergrinsen – dafür hochklassiges tänzerisches Können. - Foto: Nilz Boehme

Bremen - Umwälzungen und Umstürze sieht man viele in diesen Tagen, vor allem auf der weltpolitischen Bühne. Vielfach von so hehren Zielen wie einem Leben in Freiheit und Wohlstand begleitet, enden sie nicht selten im Chaos. Vom hohen Gewaltpotenzial ganz zu schweigen. Nicht so im Bremer Musicaltheater. Hier sind 18 kubanische Tänzer angetreten, um ihre ganz eigene Form der Revolution unters Volk zu bringen. Waffen brauchen sie dafür nicht, Tanzschuhe reichen.

Klassisches Ballett trifft auf Modern Dance und Folklore: Bereits seit 2011 füllt die Compagnie „Ballet Revolución“ mit dieser Mischung die Veranstaltungshallen weltweit. Natürlich ist es keine neue Idee, Elemente des klassischen Balletts mit denen des modernen Tanz zu verschmelzen, und doch, die kubanischen Tänzer haben etwas Einzigartiges an sich. Das liegt zunächst einmal im Herkunftsland der Künstler selbst, wo Tanz und Musik Synonyme des Lebens sind.

In Verhältnissen, die von Armut und Entbehrungen geprägt sind, bieten sie willkommene Momente der Ablenkung und sind vielleicht sogar Überlebenselixier. All dies machen sich die Choreografen der Show zunutze und wählen aus den Absolventen der Kaderschmiede „Escuela Nacional de Ballet“ in Havanna die besten aus. So entsteht aus dem inneren Drang zu tanzen, den diese jungen Menschen von Kindesbeinen an entwickelt haben, und dem besten, was die Pop-Landschaft aktuell zu bieten hat, eine fast schon explosive Mischung.

Mal leidenschaftlich, mal ironisch, dann wieder akrobatisch oder sinnlich geht es auf der Bühne zu – ohne auch nur einen Moment statisch zu sein. Jede Bewegung kommt bei diesen 18 Männern und Frauen tief aus dem Inneren, sie müssen sich nicht verstellen, die Lebensfreude ist echt. Allerdings, und das macht diesen Abend ebenfalls erfrischend anders, wurde den Tänzern kein permanentes Grinsen verordnet. Wenn ihnen danach ist, lächeln sie und suchen den Augenkontakt mit den ersten Reihen, müssen sie sich konzentrieren, dann lassen sie es einfach.

Die Männer und Frauen haben derartige, oftmals von einer seichten Show ablenkende Taktiken auch gar nicht nötig, im Musicaltheater bekommen die Zuschauer hochklassiges tänzerisches Können zu sehen. So wird aus einer fehlerlos ausbalancierten Arabesque, natürlich auf der Spitze getanzt, Sekunden später eine freche Pirouette, und nebenan tobt ein männliches Compagnie-Mitglied wie eine Springfeder über die Bühne. Und während Beyoncé aus den Lautsprechern dröhnt, reihen sich Flickflacks und Salti einander.

Was tut Mann nicht alles, um seine Herzdame für sich zu gewinnen. Ist ihm dies einmal gelungen, setzten sie zu risikoreichen Hebefiguren an – nur um sich wenig später mit dem gesamten Ensemble zu vollkommen synchronen Passagen zusammenzufinden.

Über all dem kunterbunten Treiben thront am hinteren Rand der Bühne die siebenköpfige Live-Band. Bestehend aus durchweg herausragenden Instrumentalisten wie Sängern, ist sie Puls und Motor der getanzten Revolution. Ein Umsturz, der schön inszeniert daherkommt – und auch gar nicht blutig.

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