Bremer Gastspiel

Tanzen ohne Spiegel -Ein Probenbesuch bei der Paul-Taylor-Dance-Company 

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Mit drei Choreografien ist die Paul-Taylor-Dance-Company im Bremer Metropoltheater zu Gast. 

New York - Von Mareike Bannasch. Sie hat genau zwei Takte Zeit. Zwei Takte, um sich in eine Welt voller Schmerz und Verzweiflung zu denken. Zwei Takte, um zu vergessen, dass sie ihren linken Arm eigentlich ganz normal benutzen kann. Eigentlich, denn in der Choreografie „Dust“ kann davon nicht die Rede sein. Hier geht es zu schwermütigen Streichern um körperlich Versehrte. Menschen, die sich auf dem Boden winden und stumm leiden - Laura Halzack ist eine von ihnen.

Es war vor 65 Jahren, als der ehemalige Tänzer Paul Taylor seine Company gründete. Eine Gruppe, für die er in den vergangenen Jahrzehnten 147 Choreografien geschaffen hat. Stücke, in denen er aus Elementen des klassischen Balletts modernen Tanz formte und damit erheblichen Einfluss auf den amerikanischen Modern Dance nahm - weit über die Grenzen New Yorks hinaus. Am 14. und 15. März steht das von ihm gegründete Ensemble im Bremer Metropoltheater auf der Bühne.

Bei dem Gastspiel mit dabei ist auch Laura Halzack, seit 2006 Teil der Company mit Sitz in Manhattan, New York City. Dort steht die Tänzerin an diesem Januarmorgen in einem lichtdurchfluteten Tanzsaal und probt zum ersten Mal seit zwei Jahren einen kurzen Teil aus der „Dust“-Choreografie. Eine lange Pause, trotzdem erinnert sich Halzack an jeden Schritt, jede Armbewegung, jeden Gesichtsausdruck. „Es ist faszinierend, wie gut das Gedächtnis der Muskeln funktioniert. Ich brauche oft nur ein, zwei Takte und die Choreografie ist wieder da.“

Seit die Tänzerin Teil der Company ist, schrieb Paul Taylor ihr 16 Choreografien auf den Leib. Tänze, die ihr ohne Zweifel eine besondere Rolle im Ensemble geben. Eine Position, die sich in Zukunft aber ändern könnte, denn der Mann, dem sie so viel zu verdanken hat, lebt nicht mehr. Paul Taylor ist im vergangenen August im Alter von 88 Jahren gestorben - weshalb die 18 Tänzer (neun Männer und neun Frauen) in eine ungewisse Zukunft blicken. Sicher, mit dem neuen Artistic Director Michael Novak ist die Nachfolge gesichert. Novak ist allerdings Tänzer, kein Choreograf, und hatte außerdem nur acht Wochen Zeit, sich die Kniffe des Altmeisters anzueignen.

Obwohl bereits fünf Monate seit dem Tod Taylors vergangen sind, ist er im Hauptquartier der Company noch immer allgegenwärtig: Nicht nur, weil sein Porträt direkt im Eingang hängt. Nein, in fast jedem Satz fällt sein Name, und Mitarbeiter wie Tänzer müssen sich sichtbar zwingen, in der Vergangenheitsform von ihm zu sprechen.

Laura Halzack

Die wohl deutlichste Erinnerung an Taylor sitzt aber im Probenraum. Bettie de Jong heißt sie, bis 1985 die Grande Dame der Company und mehr als 50 Jahre lang die rechte Hand des Choreografen. Keine Schrittfolge, die sie nicht kennt, kein Fehler, der der alten Dame entgeht - auch nicht bei ihrer Nachfolgerin. „Du hast deinen linken Arm leicht bewegt, der muss steif und dicht am Körper bleiben“, korrigiert sie. Jahrzehntelange Erfahrung, auf die auch ein Profi wie Halzack angewiesen ist - zumal die Probenräume der Company gänzlich ohne Spiegel auskommen. „Paul wollte, dass wir die Emotionen nicht aus unserem Spiegelbild heraus holen, sondern aus uns selbst“, erinnert sich Halzack. Eine Anweisung, die dem Ensemble enormes Einfühlungsvermögen abverlangt und dafür sorgt, dass es nur wenigen Tänzern gelingt, Zugang zum Probenraum zu bekommen.

Dort hat Laura Halzack mittlerweile ihr Pensum für den Tag beendet. Zumindest, was ihre Aufgaben als Ensemble-Mitglied angeht. Denn nebenbei gibt sie auch noch Unterricht an der hauseignen Tanzschule. Damit Paul Taylors Erbe auch in den kommenden Jahrzehnten erhalten bleibt.

Zum Angucken:

14. und 15. März, 19.30 Uhr, Metropoltheater Bremen. Karten unter metropol-theater-bremen.de

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