„Tanz Bremen“ sucht vom 6. bis 13. Februar nach Identitäten

Leise läuten die Kuhglocken

+
Zumindest eint sie die Lederhose: „Shake it out“ hat am 7. Februar Deutschlandpremiere.

Bremen - Von Mareike Bannasch. Die Erleichterung war Sabine Dehm sichtlich anzumerken. Mit einem Jahr Verspätung stellte sie gestern Vormittag das Programm von „Tanz Bremen“ vor.

Eigentlich war das Festival bereits für 2014 geplant, da die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) aber andere Prioritäten setzte, musste Dehm die Aufführungen kurzfristig absagen. Doch dieser finanzielle Engpass ist, zumindest erstmal, Geschichte: Am 6. Februar startet die nächste Ausgabe der „Tanz Bremen“.

Und trotz eines gestrafften Finanzplans warten die Veranstalter bis zum 13. Februar mit mehr als 20 Veranstaltungen auf. Darunter sind drei Deutschlandpremieren und fünf Bremer Erstaufführungen, die zwischen dem Theater Bremen, der Schwankhalle und dem Theater am Leibnizplatz hin und her springen.

Auch wenn sich der Veranstaltungsort ändert, haben die Produktionen doch alle eins gemein: Sie orientieren sich an dem Motto „Teilhaben/Teilnehmen“. Doch woran sollen Ensembles und Zuschauer teilnehmen? Eine Frage, auf die die Choreografen höchst unterschiedliche Antworten finden. Geht es nach Marcos Morau sind es die essentiellen Punkte des Lebens – Gewinn und Verlust, Trauer und Freude. In „Edvard“, das am Freitag, 6. Februar, das Festival eröffnet, wirft der spanische Choreograf einen Blick auf Krankheit und Verlust und wie diese das Schaffen des Malers Edvard Munch beeinflusst haben. Doch nicht nur seins, denn die tänzerische Umsetzung tiefer Einschnitte, die alles verändern, soll auch den Zuschauern neue Perspektiven aufs Leben vermitteln. Versprechen zumindest die Veranstalter.

Aber nicht nur die Suche nach dem was uns formt, beschäftigt die Ensembles am Eröffnungswochenende. Sie setzen sich zudem mit der schon lange verschollenen europäischen Identität auseinander. Und dem Ursprung des scheinbaren Wunsches nach Gemeinsamkeit. Liegt er in schmissigen Hymnen, die jeder kennt, oder doch eher in bunten Fahnen, die eine individuelle Identität verpassen, die doch irgendwie Teil der europäischen Idee ist? Oder sind am Ende Lederhosen das Wichtigste? Ja genau, Lederhosen. In diesen treten sie auf die Bühne, die Mitglieder des Ensembles „CUBe“ und machen sich in der zweiten Deutschlandpremiere, am Samstag, 7. Februar, auf die Suche nach ihrer Identität. Vor dem Hintergrund leise läutender Kuhglocken und einem lauten Trommelwirbel verspricht das Programmheft bei „Shake it out“ eine Verbrüderung zwischen Franzosen, Deutschen und Iren gegen einen scheinbar übermächtigen Feind: Europa. Choreograf Christian Ubl arbeitet dort übrigens nicht mit Klängen vom Band, Live-Musiker kümmern sich um die passenden Rhythmen.

Genauso wie bei „FLA.CO.MEN“, das am Montag, 9. Februar, den Reigen der Deutschlandpremieren schließt. Dort zerlegt Israel Galván, einer der schnellsten unter den Flamenco-Legenden, den spanischen Nationaltanz und bringt so ein zeitgenössisches Tanzkonzert auf die Bühne. Das von der Musik zehrt, sie für sich vereinnahmt und ihr zugleich den Raum überlässt. Doch nicht nur Klänge können sich bei „Tanz Bremen“ die Bühne erobern, auch die Zuschauer haben bei einigen Veranstaltungen selbst die Möglichkeit, ihr Talent fürs Tanzen zu fördern oder sogar erst zu entdecken.

Damit präsentiert sich „Tanz Bremen“ als ein Festival, das das Miteinander nicht nur als Motto vorgibt, sondern sich am Miteinander zwischen Akteuren und Zuschauern entlang hangelt – mit ungewisser Zukunft. Auf die Frage, ob, entsprechend des Zwei-Jahres-Rhythmus, 2017 mit einer neuen Ausgabe zu rechnen sei, antwortete Sabine Dehm gestern: „Ich bin erstmal froh und glücklich, dass wir diese auf die Beine gestellt haben.“

Weitere Informationen gibt es unter tanz-bremen.com

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Kampfabstimmung um CDU-Vorsitz: CDU vor Richtungsentscheid

Kampfabstimmung um CDU-Vorsitz: CDU vor Richtungsentscheid

Furcht vor Huawei: Trump macht Indien Druck beim Thema 5G

Furcht vor Huawei: Trump macht Indien Druck beim Thema 5G

Karneval in Stolzenau: Prunksitzung 2020

Karneval in Stolzenau: Prunksitzung 2020

Anonyme Drohung an Göttinger Hainberg-Gymnasium: Polizei im Großeinsatz

Anonyme Drohung an Göttinger Hainberg-Gymnasium: Polizei im Großeinsatz

Meistgelesene Artikel

Unverkennbar menschlich, wundersam verformt

Unverkennbar menschlich, wundersam verformt

Gibt es „schwarzes Bewusstsein“?

Gibt es „schwarzes Bewusstsein“?

Der zweite Blick

Der zweite Blick

Zur Entspannung etwas Mozart

Zur Entspannung etwas Mozart

Kommentare