Produktive Reibungen

„TANZ Bremen“ präsentiert kontrastreiches Programm

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Tanz trifft Neue Musik: Tomas Bünger und Lynda Anne Cortiz in „ResonanzKörper“.

Bremen - Von Rolf Stein. Der Titel „Battleground“ – zu Deutsch: Schlachtfeld – eröffnet reichlich Assoziationsspielraum, und Louise Lecavalier hat offenbar keine Absicht, diesen allzu eng einzugrenzen.

Ihr neues Stück, dem unter anderem zwei Figuren des Schriftstellers Italo Calvino zugrunde liegen, gibt sich bei aller tänzerischen und dramaturgischen Präzision recht abstrakt. Der Kampf auf diesem Schlachtfeld könnte einer gegen die Determinierungen eines fremdgetakteten Alltags sein wie einer der Geschlechter oder ein hedonistischer Versuch, der Begrenztheit des Körpers ein Maximum an Intensität abzuringen.

Abend voller Energie findet in gemeinsamer Erschöpfung sein Ende

Die nervöse Energie, mit der Lecavalier in das minimalistisch ausgeleuchtete Geviert vor einer schlichten Sperrholzwand tritt, bleibt über 60 Minuten fast ununterbrochen erhalten. Auch, als nach einer Weile mit Robert Abubo ein zweiter Tänzer hinzukommt, ändert sich das nicht.

In einer Körpersprache, die an Breakdance ebenso geschult ist wie an Kampfkunsteleganz, durchmisst Lecavalier den Raum, verbiegt sich spektakulär, rackert gegen imaginäre Laufbänder an. Und nimmt es obendrein noch mit der Energie ihres Partners auf, der sich vergeblich an ihr abzuarbeiten scheint, bis eine Art gemeinsamer Erschöpfung dem Abend ein Ende setzt. Antoine Berthiaume spielt dazu am Bühnenrand eine gelegentlich melancholisch eingefärbte, diskoide Musik mit retrofuturistischem Charme, die den Eindruck gleichsam rasenden Stillstands reizvoll rahmt.

Düsteres Stück lässt Publikum irritiert zurück

In der Schwankhalle ist im Anschluss mit „ResonanzKörper“ eine Uraufführung des Bremer Tanzkollektivs und des Bremer Neue-Musik-Ensembles New Babylon zu sehen. Im ersten Teil („Antanáklasis“) suchen der Tänzer Tomas Bünger, die Cellistin Lynda Anne Cortis und der Komponist Riccardo Castagnola nach Interventionsmöglichkeiten, der Tänzer entwindet der perkussiv aufspielenden Musikerin den Bogen, erzeugt damit selbst Geräusche, bis er ihn dem Komponisten respektvoll zu Füßen legt, der ihn wiederum an die Cellistin zurückgibt. Die daraufhin ihr sperriges Spiel wieder aufnimmt.

In Teil zwei, „8.1“, lässt Magali Sander Fett die Musik von Andreas Paparousos in ihre Bewegungen eindringen, sich gleichsam grafisch verlängern, während die wuchtigen Klangblöcke und explosiven Schlagzeugdialoge immer im Zentrum stehen.

In „Longing for Disaster for Performer, Sampler and Ensemble“ von Alexander F. Müller gibt es dann ein Wiedersehen mit Kiri Haardt, die lange nicht auf der Bühne zu sehen war und wie ihre Kollegen vielen noch aus dem Ensemble von Urs Dietrich bekannt sein dürfte. Mit Vehemenz stürmt sie regelrecht die Bühne, macht sich im Hintergrund lärmend an diversen Gerätschaften zu schaffen und tritt als grimmige Zeremonienmeisterin zunächst mit Werbeslogans an, bevor der Abend ausdrücklich politisch wird: Um ein Bekenntnis zum Waterboarding scheint es da zu gehen (US-Präsident Donald Trump im Sinn), am Ende skandiert eine Menschenmenge vom Band: „Wir sind das Volk“. Das reichlich düstere Ende eines Abends voller Reibungen, der das Premierenpublikum in der Schwankhalle merklich irritiert zurücklässt.

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