Galerie Drees in Hannover feiert Doppeljubiläum – mit einer Doppelausstellung

Im Tandem

Nicht nur durch die Ausstellungsräume, sondern auch die Büros zieht sich die aktuelle Schau in der Galerie Drees in Hannover. Fotos. Roland Schmidt

Hannover - Von Jörg Worat. Die hannoversche Galerienszene hat sich seit den 90er-Jahren erheblich ausgedünnt. Einer der wenigen, die sich diesbezüglich dauerhaft haben halten können, ist Robert Drees. Er konnte zuletzt doppeltes Jubiläum feiern: Vor 25 Jahren wurde der ehemalige Kriminaloberkommissar zuerst als Galerist in Hannover tätig, seit 20 Jahren betreibt er nun eine Galerie allein unter eigenem Namen. Und wer sich vor Ort über zeitgenössische Kunst informieren will, kommt an dieser Adresse kaum vorbei.

Zurzeit lohnt sich ein Besuch besonders, weil das besagte Jubiläum mit Überblicksausstellungen der speziellen Art gefeiert wird. Man bespielt aktuell sämtliche Räumlichkeiten einschließlich der Büros, und das Konzept besteht darin, dass sich die Galeriekünstler jeweils einen Gast wünschen dürfen, mit dem sie gemeinsam ausstellen. Der erste Teil war schon spannend genug, „invited by // part two“ ist vielleicht sogar noch einen Tick aufregender.

Die Anknüpfungspunkte bei den einzelnen Künstlerpaaren können unterschiedlichster Natur sein. So malt Galeriekünstler Markus Fräger sorgsam arrangierte Figurengruppen, während die von ihm eingeladene Nicole Ahland auf abstrahierende Raumfotografie spezialisiert ist – bei beiden Positionen spielen jedoch Lichtwirkungen eine entscheidende Rolle.

Inhaltliche Parallelen, wenngleich im weiteren Sinne, gibt es bei einem anderen Doppel, dessen Darstellungen um Motive wie Schöpfung und Zerstörung kreisen: Der kubanische Maler Gustavo Díaz Sosa stellt bevorzugt Menschenansammlungen in kafkaesk anmutende Umgebungen, während der in Bremen wirkende Bilderhauer Gregor Gaida mit zwei zersplitterten Hunden aus Acrylglas und -harz die vielleicht spektakulärsten Arbeiten der Ausstellung zeigt.

Einer macht ihm diesbezüglich allerdings Konkurrenz: Torsten Mühlbachs bunte Bilder wirken von weitem wie lustige Comicmalerei, beim Nähertreten stellt sich jedoch heraus, dass die Arbeiten in Feinstarbeit aus Mülltüten oder Rettungsfolien zusammengetackert und keineswegs nur witzig sind: Auf einer Darstellung hängt ein übelst malträtiertes Karnickel am Baum, während der Titel „Dem toten Hasen die Bilder erklären“ fast schon zynisch auf eine Aktion von Joseph Beuys verweist.

Robert Drees macht kein Hehl daraus, dass ihm diese für die Galerie durchaus untypischen Werke vorher unbekannt gewesen sind. Gewünscht wurden sie vom Künstlerduo Venske & Spänle, das einmal mehr seine organischen Skulpturen zeigt: Was sich da so weich über den Boden oder aus einer Tonne zu winden scheint, besteht tatsächlich aus ultrahartem Material wie Laaser Marmor und Granit.

Galeriekünstlerin Julia Mangold ist, wenn man so will, den ganz kurzen Weg gegangen und hat den eigenen Vater eingeladen. Allerdings sind beide in völlig unterschiedlichen Medien zuhause: Guido Mangold, ein bekannter Dokumentarfotograf, ist unter anderem mit historischen Impressionen von Kennedy und Adenauer vertreten, während die Tochter äußerst reduzierte Arbeiten mit Pigment in Wachs auf Büttenpapier präsentiert, die ihre Reize erst bei sehr genauem Hinschauen entwickeln.

Zum Abschluss einmal über den Tellerrand geschaut: Wie sieht Robert Drees selbst eigentlich die besagte Entwicklung der hannoverschen Szene? „In Städten wie Berlin oder Düsseldorf muss man sich seine Nische suchen“, sagt der Galerist. „Hier herrscht in meinem Sektor kaum Konkurrenzdruck.“ Was Drees allerdings nicht zwingend als positiv empfindet: „Ich würde gern Aktionen zusammen mit anderen Kollegen anschieben. Es war in meinen Augen auch überhaupt keine gute Idee, hier den Studiengang ,Freie Kunst‘ abzuschaffen. Die Kunstszene in Hannover ist interessant – aber ein paar zusätzliche Impulse könnte sie sehr gut vertragen.“

Ansehen

Die Ausstellung ist bis zum 18. Januar zu sehen. Öffnugszeiten: Mittwoch, Donnerstag und Freitag 10 bis 18.30 Uhr sowie Samstag 11 bis 14 Uhr, Weidendamm 15, 30167 Hannover.

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