„Tales of Survival“ bringt Amateure und Profis zusammen

„Unfassbar froh“

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Alexandra Morales (l.) und Gregor Runge hatten die Idee zu „Tales of Survival“.

Bremen - Von Rolf Stein. Vor zwei Jahren ermöglichte das Goethe-Institut Kiew 30 Tänzern aus der Ukraine, Russland, Armenien, Aserbaidschan, Georgien und Weißrussland mit unterschiedlichsten Voraussetzungen, mit Alexandra Morales, Tänzerin und Choreographin, und dem Dramaturgen Gregor Runge am Theater Bremen an einer Tanzproduktion zu arbeiten. Damals entstand der Tanzabend „DANCEformation“, der Tänzern und Publikum intensive Begegnungen in einer ungemütlichen Welt ermöglichte.

Auch wenn das Projekt bislang keine Fortsetzung fand, war es nun Auslöser für einen Tanztheaterabend, der Profis und Amateure, Erwachsene und Jugendliche, Tänzer und Musiker gemeinsam auf die Bühne bringt. Morales und Runge, die das Projekt konzipiert haben, wollten dieses Mal ganz dezidiert mit Laien arbeiten: „Für uns ist immer wieder interessant, aus den zementierten Theaterzumsammenhängen auszubrechen“, erklärt Runge. „Wenn du mit Amateuren arbeitest, bekommst du etwas Unformatiertes, einen anderen, unverbrauchten Zugriff auf das, was Bühne, was Theater, was Tanz sein könnten.“

Sieben Jugendliche sind es geworden, die auf drei professionelle Tänzer und zwei Musiker treffen. Zwar kommen die jungen Menschen durchaus aus theateraffinen Familien – doch bekennt etwa der 16-jährige Javier Steinweg, dessen Eltern Schauspieler sind, sich zuvor noch nie mit Tanztheater beschäftigt zu haben.

„Als ich gehört hab, um was es bei dem Projekt geht, war ich ziemlich skeptisch. Und bei manchen Sachen habe ich mich anfangs durchaus auch unwohl gefühlt. Aber inzwischen bin ich unfassbar froh, dass ich das gemacht habe.“

Auch Rosa Ritzenhoff, mit 19 Jahren die Älteste der Jugendlichen Tänzer, von denen der Jüngste gerade einmal 13 ist, schildert ihre Erfahrung als eine der Annähherung: „Am Anfang hat man die Unterschiede zwischen und und den Tänzern bei den Improvisationen sehr stark bemerkt. Wir haben uns aber als Gruppe relativ schnell so gut zusammengefunden, dass wir inzwischen gar nicht mehr viel darüber nachdenken, ob unser Gegenüber jetzt ein Tänzer ist oder nicht.“

Antonio Stella, Tänzer bei den Unsual Symptoms, bestätigt das aus der Profi-Perspektive: „Wir als Tänzer haben unsere Art und Weise, uns einem Thema zu nähern. Dabei geht uns aber vielleicht auch eine Frische verloren. Mit den Jugendlichen erleben wir, dass es auch andere Wege gibt.“

Die Begegnung zwischen den Generationen soll freilich kein Selbstzweck sein, eine Beschäftigung von Tänzern mit Tanz etwa oder ein politisches Projekt. Es geht im Theater bekanntlich um Kunst, und die muss, um Kunst zu sein, neue Blickwinkel eröffnen, Gewissheiten erschüttern – vielleicht gar in neue Richtungen weisen.

„Uns hat die Frage beschäftigt, wie wir miteinander umgehen, ob wir angesichts der eher ungemütlichen Lage einen Vorschlag entwickeln können“, umreißt Runge die Idee, die in der gewählten Arbeitsweise einen Teil der Antwort bereits in sich zu tragen scheint. Auch wenn es ein Experiment ist. Aber das ist es ja eigentlich immer.

„Tales of Survival“ feiert Samstagabend um 19 Uhr Premiere am Moks, Bremen.

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