Magali Sander Fett und Tomas Bünger im Interview

Die mit den Weltmeistern tanzen

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Magali Sander Fett und Tomas Bünger.

Bremen - Von Rolf Stein. Der Grün-Gold-Club Bremen tanzt an der Weltspitze mit. Das hat die Tänzerin und Choreographin Magali Sander Fett vom Tanzkollektiv Bremen neugierig gemacht. Mit ihrem Kollegen Tomas Bünger erforschte sie die Welt der Lateinformationen.

Was haben Sie von den Weltmeistern gelernt?

Magali Sander Fett: Wir wollten wissen, wie das funktioniert, wie diese Körper gebaut sind, ob es eine Technik gibt. Es war sozusagen eine empirische Forschung. Wir haben festgestellt, dass die Tänzer von Grün-Gold ihre Sache sehr ernst nehmen. Dass sie eine Technik entwickeln und versuchen, sich immer zu verbessern. Und sie haben ein sportliches Ziel.

Das sind Profis, oder?

Tomas Bünger: Nein, das sind alles Amateure. Sie haben durchaus professionelles Niveau, aber es sind alles Menschen, die das neben ihrem Beruf machen. Die opfern ihre Freizeit dafür. Sogar ihre Kostüme kaufen sie selbst.

Wie unterscheidet sich die Arbeit denn praktisch von der Ihren?

Bünger: Als wir bei Ute Albanese im Training standen, war es erst einmal ein Tanzsaal, in dem man versucht, es gut zu machen – so wie Magali und ich das kennen. Die ersten Schritte unterscheiden sich nicht so sehr. Der große Unterschied ist, dass es ein Sport ist. Es gibt ganz klare Regeln, anders als im zeitgenössischen Tanz, in dem es nur den Rahmen gibt, den man sich steckt. Beim Formationstanz gibt es tatsächlich ein Richtig und ein Falsch.

Ist Formationstanz näher am klassischen Ballett?

Bünger: Total! Das habe ich während des ganzen Probenprozesses gedacht, weil die Regeln viel klarer sind. Auch wenn es vielleicht ein etwas überholtes Bild vom klassischen Ballett ist. Sander Fett: Was ich bei Grün-Gold spannend fand, war, dass Roberto Albanese, der auch Choreograph ist, immer einen Punkt sucht, wo er ein bisschen freier werden kann. In den Kostümen oder bei den Frisuren zum Beispiel. Auch seine Themen sind etwas abstrakter. Auch da kann man also kreativ sein.

Gibt es Begegnungen zwischen Tanzsport und Ballett oder zeitgenössischem Tanz?

Bünger: Fast gar nicht. Die Formationstänzer haben wahrscheinlich gar nicht die Zeit, sich mit Tanztheater auseinanderzusetzen. Und die Profitänzer aus dem zeitgenössischen Tanz sehen Formationstanz wohl eher als Kuriosum. Roberto Albanese hat allerdings eine künstlerische Ader und einen sehr guten Blick für Choreographie, für Timing und Musikalität.

Könnten Sie als Profis nach Ihren Trainingserfahrungen mit Ihren Kollegen jetzt bei den Weltmeisterschaften mittanzen?

Bünger: Nein! (beide lachen) 

Sander Fett: Nein, das ist wirklich eine sehr spezifische Arbeit, die einen großen Aufwand bedeutet. Bünger: Wir versuchen uns an diesem Abend an Elementen davon, aber für uns ist es der Ausgangspunkt für einen Tanztheaterabend, an dem wir uns respektvoll dieser anderen Welt zu nähern versuchen.

Haben Sie aus dem Training mit den Grün-Gold-Tänzern etwas für Ihren künstlerischen Alltag mitgenommen?

Sander Fett: Der Biss, etwas wieder und wieder zu machen, hat mich beeindruckt. Denn auch wenn es immer wieder gleich ist, kommt jedes Mal etwas dazu. Bünger: Ich glaube, wenn man offen ist und Tanz als Sprache versteht, bleibt immer etwas. Manchmal lagert sich das irgendwie ein und kommt eines Tages heraus. Ich hatte in Buenos Aires einmal eine Stunde bei einem Tangomeister. Bei der Arbeit an „And Now With Music“ habe ich mich wieder daran erinnert.

„And now with Music“ hat am Donnerstag um 20 Uhr Premiere in der Schwankhalle, Bremen.

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