Rodula Gaitanou inszeniert Verdis „Un Ballo in Maschera“ in Oldenburg

Szenen einer Ehe

Verdis „Maskenball“ fällt in Oldenburg düster aus – Stephen K. Foster (Samuel, v. l.), Lada Kyssy (Amelia), Kihun Yoon (Renato), Ill-Hoon Choung (Tom) und die Herren des Opernchors des Oldenburgischen Staatstheaters. Fotos: Stephan Walzl

Oldenburg - Von Ute Schalz-laurenze. Oft haftet in Operninszenierungen der Verlegung in die heutige Zeit etwas angestrengt Gewaltsames an, auch wenn die Ergebnisse in der Regel viel Spannung haben. Nicht so beim Deutschlanddebüt der griechischen Regisseurin Rodula Gaitanou, die jetzt Giuseppe Verdis Schmerzensoper „Un ballo in Maschera“ in die Jetztzeit und darüberhinaus in das Milieu der Mafia versetzte.

Aus dem schwedischen König Gustav III, von dessen 1792 erfolgter Ermordung die Oper erzählt, wird mit Riccardo „der Boss“ einer mafiosen Struktur. Er ist eigentlich ein Wohltäter, schützt seine Leute und wird von ihnen geliebt. Aber eben nicht von allen. Und so schließt sich sein bester Freund und Berater Renato den Verschwörern an, nachdem er herausgefunden hat, dass seine Frau Amelia ein Verhältnis mit dem Boss hat. Diese „Szenen einer Ehe“ werden gradlinig und gut erzählt, es gelingt Gaitanou, tief und differenziert in die liebenden, wütenden, seelisch verletzten Personen hineinzuhorchen und sie mit großer, oft krimihafter Spannung agieren zu lassen.

Hatte Michael Talke vor gut einem Jahr in Bremen den Fokus auf die politische Verschwörerstory gelegt, spielt bei Gaitanou die Dreiecksgeschichte die Hauptrolle. Und das kann sie sich ohne jede Tendenz zur Sentimentalität gut leisten: Sie hat mit der kasachischen Sängerin Lada Kyssy, die ganz neu im Ensemble ist, eine moderne und leidenschaftliche Amelia zur Verfügung, die so selbstbewußt auftritt, dass man ihr die Gewissenbisse und den ängstlichen Gang zur Wahrsagerin Ulrica nicht ganz abnimmt. Die große Eheauseinandersetzung spielt in der Bibliothek der Eheleute mit schönen Ledersesseln. Dazu passt es dann weniger, wenn in diesem aufgeklärten und intellektuellen Klima Renato in seinen eher komisch wirkenden Racheeifer verfällt: Du musst sterben!

Musikalisch bewegt sich die Interpretation unter der Leitung von Hendrik Vestmann auf höchstem Niveau. Das Oldenburgische Staatsorchester wartet mit unerhörter dramatischer Wucht auf, erreicht tolle bedrohliche Crescendi und kontrastiert mit zartesten Instrumentalfarben (Flöte, Klarinette). Auch gelingt das ganz Besondere dieser Partitur überzeugend: der Wechsel zwischen Party- und Operettenstimmung und tragischen Klangfarben. Nachdem Lada Kyssys Stimme zu Anfang der Premierenvorstellung etwas grell und metallisch klingt, findet sie im Lauf der Aufführung zu berückenden Klangfarben. Jason Kim als Riccardo war erkältet, was man nicht hörte, und den ergreifenden Schlussgesang des Sterbenden sang dann Remus Alaiazaroe. Kihun Yoon als Renato brachte viel seiner Verzweiflung in seine Stimme ein, Martyna Cymerman war ein brillanter Oscar und Maiju Vaahtoluoto präsentierte sich als Ulrica als eine besondere Figur; eine Reinigunskraft, die über hellseherische Fähigkeiten verfügt. Gut ergänzende Akzente setzten Leonardo Lee als Sylvano sowie Illhoon Choung und Stephen Forster als die Verschwörer Tom und Samuel. Besonderes Lob dem Chor, der mit vielen einzelnen, auch komischen Charakteren auftrat.

Die nächsten Termine

Heute, 19.30 Uhr sowie Dienstag, 17. Dezember, 19.30 Uhr und Sonntag, 5. Januar, 15 Uhr, Oldenburgisches Staatstheater.

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