Galerie Mitte in Bremen zeigt zwei Positionen Konkreter Kunst

Systemvergleich

Moderne Kunst muss nicht abstrakt sein: „Verbund Öl auf Leinwand“ von Horst Scheffler. Foto: Galerie Mitte

Bremen - Von Rolf Stein. Ob ein Comeback der Konkreten Kunst in der Luft liegt? Kuratorin Ele Hermel von der Galerie Mitte weiß es auch nicht, ist aber zuversichtlich, dass da noch was kommt. Vor wenigen Tagen eröffnete in der Städtischen Galerie Bremen der zweite Teil eines Ausstellungsprojekts zum Thema (wir berichteten), heute feiert in der Galerie Mitte „Der lange Atem der Konkreten Kunst“ Vernissage.

Während sich die beiden größeren Ausstellungen der Städtischen Galerie eher unter den jüngeren Künstlergenerationen in Bremen umsehen, schaut die Galerie Mitte in die Geschichte und zugleich über die Stadt hinaus. „Der lange Atem der Konkreten Kunst“ verweist auf die relative Zeitlosigkeit der immerhin etwa ein Jahrhundert alten Richtung, die offenbar die meisten Bewegungen der Bildenden Kunst überlebt hat.

Die Schau in der Galerie Mitte ermöglicht auch eine Art „Systemvergleich“: Den Arbeiten des Bremer Künstlers Horst Scheffler (Jahrgang 1935) gegenübergestellt sind Werke von Karl-Heinz Adler (1927 bis 2018) aus Dresden.

Wer nun allerdings hofft, es würde sich daraus ein irgendwie gearteter politischer Befund ergeben, geht leer aus. Zwar konnte der DDR-Kunstbetrieb mit Konkreter Kunst nicht allzu viel anfangen. Aber im Grunde lässt sich das auch über dessen westlichen Widerpart sagen. Beide Künstler betrieben ihre Konkretionen kontinuierlich, meist ohne dass davon groß Notiz genommen worden wäre. Scheffler zog sich als Künstler in den vergangenen vier Jahrzehnten sogar ganz aus der Öffentlichkeit zurück. Die aktuelle Ausstellung der Galerie Mitte ist somit eine umso seltenere Gelegenheit, das Werk des Bremers kennenzulernen.

Und wie auch die Ausstellung „konkret bremen II“ bis zum 29. März in der Städtischen Galerie beweist, ist Scheu vor dieser Kunst kaum angebracht. Sich beispielsweise vor Schefflers Ölgemälde „Modifizierter Raum“ zu stellen und draufloszuschauen, kann Kapriolen im Geist verursachen. Schaut man von unten auf die roten Flächen oder von oben? Ist die Grundfläche dieses Raumes ein Oval (laut Hermel übrigens geradezu ein Tabu in der Konkreten Kunst) oder ein Kreis, der aussieht wie ein Oval, der Perspektive wegen? Und die schwarze Fläche, die den möglicherweise zylindrischen Raum durchschneidet – ist sie oben unserem Blick zum Teil entzogen? Die Verhältnisse geraten regelrecht ins Tanzen, ohne dass am Ende eine Auflösung warten würde. Ähnliches lässt sich auch bei Adlers „Seriellen Lineaturen“ erleben. Und wer doch ein bisschen Anleitung benötigt: Zur Vernissage spricht Expertin Sabine Tauscher, und zur Finissage kommt Horst Scheffler selbst zum Künstlergespräch.

Sehen

„Der lange Atem der Konkreten Kunst“, Vernissage: Donnerstag, 19 Uhr; bis 15. März, Galerie Mitte, Bremen.

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