„Dreamaholic“: Finnische Kunst in der Bremer Weserburg

Im System der Magneten

Mit roter Nase gegen das System: Noora Geagea, „Against“ (2015) aus der Miettinen Collection - Foto: Weserburg

Bremen - Von Rolf Stein. Es ist seit Jahren der erste Vorbote der Jazzahead: Das Partnerland wird mit einer Ausstellung in der Weserburg gewürdigt. In diesem Jahr ist Finnland an der Reihe, und das Bremer Sammlermuseum bleibt sich treu, indem es eine Ausstellung aus Sammlerhand zeigt, die nicht nur, aber auch einen reizvollen Überblick über die finnische Kunst der vergangenen Jahrzehnte gewährt.

Zusätzlich werden drei Künstlerräume eröffnet, die sich aus der gleichen Sammlung speisen, aber keine finnischen Künstler präsentieren. Was, so scheint es, Timo Miettinen zu verdanken ist, der sich vor allem als Sammler von Kunst versteht und nicht allein als Sammler finnischer Kunst. Etwas typisch Finnisches an eben dieser festzuhalten, fällt ihm dann auch eher schwer. Zwar seien die Arbeiten Alvar Aaltos, der bekanntlich auch in Bremen architektonische Spuren hinterließ, auf ihre Weise vielleicht typisch finnisch, aber ansonsten herrsche eine Vielfalt der Stile und Ansätze. Was wohl auch nicht weiter verwundert, angesichts schrumpfender Distanzen und medialer Vernetzung. Weserburg-Direktor Peter Friese verspricht nun, dieser Vielfalt einen Auftritt zu verschaffen, der in der ersten Etage des Hauses effektiv inszeniert ist.

Der Eingang zur Schau zeigt in drei Positionen schon die Vielschichtigkeit der vertretenen Arbeiten, die in den dahinterliegenden Räumen in Richtung Abstraktion zum einen, in Richtung Konkretion zum anderen aufgefächert sind. Ein faszinierendes Spiel mit Anmut und Material stellen die drei schwarzen Luftballons von Jiri Geller dar, die scheinbar schwerelos über ihrem Sockel schweben, tatsächlich aber 20 Kilogramm schwer sind und nur dank eines ausgeklügelten Magnetsystems ihre Stellung halten. Gleich daneben hängt eine Fotografie von Noora Geagea, auf der wir einen Clown mit Knollnase sehen, hinter dem mehr als nur latent bedrohlich behelmte Polizisten auf Pferden aufragen. Eine Demonstration unbestimmbaren Inhalts, die spielerisch daherkommt, deren Leichtigkeit allerdings von ihrem Umfeld in Frage gestellt wird. Rechts schließlich drei Arbeiten von EGS, einem Graffiti-Künstler, der sich von den klassischen Formen des Metiers gelöst hat und mit seiner Spraydose dort ausdrucksstarke Schwarzweiß-Grafiken geschaffen hat, die sich bei näherem Hinsehen schnell als eine Neudeutung der globalen Geografie entschlüsseln lassen.

Ähnlich schillernd geht es weiter, wobei nicht zuletzt die Zeichnungen von Tom Of Finland aus dem losen Rahmen fallen. Jener zeichnete in den 50er-Jahren schwule Männer, die den kursierenden Klischees widersprachen: Statt femininer Typen zeigt er hypermaskuline Männer, die zuerst in Bodybuilder-Zeitschriften zu sehen waren. Der Status des 1991 verstorbenen Künstlers, der eigentlich Touko Valio Laaksonen hieß, lässt sich an dem Umstand bemessen, dass die Finnische Post vor einigen Jahren eine Sonderbriefmarkenserie zu seinen Ehren veröffentlichte. Was dann vielleicht typisch finnisch ist – oder wäre das auch hierzulande denkbar?

Die Eröffnung der Ausstellung verbindet sich übrigens standesgemäß mit einem Jazz-Konzert, das der finnische Pianist Aki Rissanen heute ab 19 Uhr in der Weserburg gibt.

Die Ausstellung „Dreamaholic“ ist von morgen bis zum 27. August in der Weserburg zu sehen.

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