Super 8 ist keine Rettung

Sie streckt sich zur Decke, doch der Abend bleibt blass: Svea Auerbach in „Euydike trennt sich“. ·
+
Sie streckt sich zur Decke, doch der Abend bleibt blass: Svea Auerbach in „Euydike trennt sich“. ·

Bremen - Von Andreas Schnell. Die Begrüßung ist informell, die Sitzordnung unkonventionell, auf der Bühne ein Stuhlhalbkreis mit Blick auf einen Tisch mit ein paar Tellern, eine Leinwand, dahinter die Stuhltreihen des Theaters.

Svea Auerbach, Protagonistin des Monodramas „Eurydike trennt sich“ nach Kurzgeschichten der aktuellen Literaturnobelpreisträgerin Alice Munro, erklärt, das sei, damit es kein Solo werde.

Zudem hat sie sich auch noch Herrn Lange mitgebracht, eine Art Regieassistent, der nicht nur gelegentlich souffliert und Videos oder Musik abspielt, sondern ab und an auch sagen soll, ob er sich diese oder jene der Munroschen Figuren nun mit Bart vorstelle oder nicht.

Was daran erinnern könnte, dass wir von Munros Figuren kaum ein Bild haben, keines mit äußeren Merkmalen, das geprägt wäre von Verkörperungen durch Schauspieler beispielsweise. Denn zumindest auf deutschen Bühnen ist die Meisterin der Short Story bislang kaum angekommen.

Wobei: Erstens gab es sogar schon in Bremen vor nicht allzu langer Zeit mal eine Munro-Story auf der Bühne zu sehen. Claudia Spörri brachte Munros „Tricks“ als kurzweiliges Ein-Personen-Stück im Theaterkontor auf die Bühne. Und zweitens war das weit eher eine bühnengemäße Auffassung als „Eurydike trennt sich“ von Judith Kuckart (2009 in Karlsruhe uraufgeführt), das auf der Erzählung „Die Kinder bleiben hier“ basiert – und weder Aufschluss darüber gibt, was Auerbach „an dem Text anzieht, was sie abstößt“, wie es das Programm verheißt, noch mit einem Gang durch die Räumlichkeiten des Theaters einhergeht, wie noch wenige Tage zuvor zu hören war.

Was es stattdessen zu sehen gab, war eine verlängerte Erzählstunde, die in ihren behutsamen Versuchen, mehr zu sein als eine Lesung, keine überzeugende Gestalt gewann. Zu viel Respekt vor Munros Text? Der blieb unter den gegebenen Umständen natürlich einigermaßen unbehelligt: Die Geschichte einer jungen Frau, die ihre soliden Verhältnisse aufgibt, um mit einem Laienschauspielregisseur durchzubrennen und später doch wieder zu Kindern und Mann zurückkehrt.

Gewiss: Die Geschichte verdient es, gehört zu werden, sie zeigt, auch wenn sie die Maße einer Short Story überschreiten mag, die Fähigkeit Munros, in wenigen Strichen komplexe Konstellationen transparent zu machen, entwickelt beinahe beiläufig aus dem Alltag die kleinen Dramen, die den Beteiligten zumindest zeitweise ganz groß vorkommen.

Aber was bei der Lektüre bestechen mag, gerät im Theater am Leibnizplatz zu sich uninspiriert dahin ziehenden 70 Minuten – wobei auch die gelegentlich wirklich rührend hübschen Super-8-Filmchen nicht über die Zeit retteten.

Kommende Vorstellungen: am Donnerstag um 19.30 Uhr sowie am 8. Dezember um 18 Uhr im Theater am Leibnizplatz.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Corona-Testzentrum öffnet in Zeven

Corona-Testzentrum öffnet in Zeven

Thomas Schäfer ist tot – Sein Leben in Bildern

Thomas Schäfer ist tot – Sein Leben in Bildern

Überforderung im Sport vermeiden

Überforderung im Sport vermeiden

Warum Rasenroboter doch noch einen Gärtner brauchen

Warum Rasenroboter doch noch einen Gärtner brauchen

Meistgelesene Artikel

Rammstein-Video feierte spektakuläre Premiere - Jetzt ist der komplette Clip online zu sehen

Rammstein-Video feierte spektakuläre Premiere - Jetzt ist der komplette Clip online zu sehen

Dynamisches Brodeln

Dynamisches Brodeln

„Kostet Überwindung“

„Kostet Überwindung“

Seuche oder Tyrannei

Seuche oder Tyrannei

Kommentare