UK Subs versuchen sich im Bremer Lagerhaus daran, den Punk zu konservieren

Ein Abend für Nostalgiker

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Immer noch im Dienst: Uk Subs rumpeln im Lagerhaus solide ihr Programm herunter.

Bremen - Von Rolf Stein. „Life‘s short, don‘t make a mess of it / To the ends of the earth, you‘ll look for a sense in it“: Das Leben ist kurz, vermassel es nicht / Bis ans Ende der Welt wirst du nach einem Sinn darin suchen, so heißt es in „No Time to Be 21“, einem Song der Punk-Band The Adverts, deren einstiger Sänger TV Smith am Sonnabend im Bremer Lagerhaus vor den UK Subs auftrat.

Nun mag das Leben kurz sein, die Kunst dagegen lang. Manchmal verhält es sich aber auch genau andersherum. Der erwähnte Song ist schließlich nur wenige Minuten lang, während TV Smith immerhin schon beinahe 60 Jahre alt ist. Selbstverständlich weiß er um die Ironie, die es haben muss, in seinem Alter diesen Song zu singen. Aber immerhin: Auch wenn man dem drahtigen Mann die erlebten Jahre ansieht, versprüht er noch eine gewisse jugendliche Energie.

Während Charlie Harper ja eigentlich schon immer alt war – zumindest seit wir ihn kennen. Mit 32 Jahren schneidet der Londoner Rhythm‘n‘Blues-Sänger Charlie Harper immer noch Haare, um seine Rechnungen zu bezahlen. Dann explodiert in England der Punk. 1976 gründet er die UK Subs und kann endlich Vollzeitmusiker werden. „Another Kind of Blues“ heißt ihr erstes Album. Keith Richards, nicht einmal ein halbes Jahr älter, hat da den künstlerischen Zenit seiner Karriere schon hinter sich.

Während Keith es heute reichlich ruhig angehen lässt, ab und an mit den Stones auf Tournee durch die Stadien dieser Welt geht oder – noch seltener – ein verdaddeltes Solo-Album auf einen Markt schmeißt, der darauf nun wirklich nicht gewartet hat, lädt Harper mit über die Jahre wechselnder, in letzter Zeit allerdings erstaunlich stabiler Begleitmannschaft alljährlich zum winterlichen Pogo in die kleinen Clubs ein.

Dabei ist er auch nach all den Jahren noch guter Dinge. Mit Sonnenbrille und Ringel-T-Shirt, ein Pils in der Hand, betritt er mit Band die Bühne – während alte Hits wie „I Live in a Car“, „Stranglehold“ oder „Party in Paris“ nach wie vor das Repertoire prägen. Experimente mit Hiphop, Surf-Sound oder Folk, wie sie beispielsweise das Album „Japan Today“ von 1987 prägten, spielen längst keine Rolle mehr.

Solide rumpelt das Quartett sein Programm herunter, das Publikum applaudiert entsprechend routiniert den alten Weisen. Ein Abend mit den UK Subs befriedigt heute vor allem nostalgische Bedürfnisse. Und wohl nicht zuletzt auch soziale: Nicht wenig erinnert an diesem Abend an ein Klassentreffen, bloß dass sich die alten Freundschaften nicht Zufall und Schulpflicht verdanken, sondern einem immerhin einmal vitalen Bedürfnis nach Rebellion. Und für derlei Dinge steht ansonsten immer weniger Angebot zur Verfügung. Die erste Punk-Generation hat sich entweder verabschiedet – oder künstlerisch abgewirtschaftet. Was die UK Subs heute auf eine Weise vielleicht so wertvoll macht. Künstlerisch hingegen wird hier ein Lebensgefühl konserviert, das sich nicht konservieren lässt. Dennoch: Sich eine Welt ohne Charlie Harper und die UK Subs vorzustellen, fällt nicht leicht. Wer würde schließlich verlangen, dass der Mann wieder Haareschneiden gehen soll? Zumindest in dieser Hinsicht verströmen die UK Subs dann doch ein wenig Zeitgenossenschaft.

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