Hunte, Elbe, Weser, Ems: „Alles fließt“ in einer Fotografie-Ausstellung des Landesmusems Oldenburg

Im Strom der Zeit

Jörn Vanhöfen: Die Quelle. 1997

Von Rainer BeßlingOLDENBURG (Eig. Ber.) · Die frühesten Fluss-Bilder der Schau entstanden um 1900. Sie zeigen die Hunte in der Nähe Dötlingens. Der Maler Georg Müller vom Siel war nach Aufenthalten in den Kunstmetropolen Paris und Berlin in das stille Dorf übergesiedelt. Eine Weltflucht. Diese Haltung und Sichtweise des Aussteigers spiegeln sich in seinen Aufnahmen der Hunte-Landschaft wider.

Müller vom Siels Fotografien dokumentieren formal und atmosphärisch den Blick des Malers und dienen als Skizzen für die ausgeführten Kompositionen auf Leinwand: Flusspanoramen und Detailstudien von Uferabschnitten mit markantem Bewuchs oder stimmungsvollem Blattwerk.

Jörn Vanhöfens Fotografien von der Elbe, eine jüngere Position in der Oldenburger Schau „Flüsse im Strom der Zeit“, zeigen eine Wasserstraße von einer anderen Seite. Hier liegt ein Dunst über der „Quelle“, der eher bedrohlich als pittoresk ist. In den Blick geraten auch Kasernen am Flussrand. Das Wasser transportiert profane Waren und führt belastete Geschichte mit sich. Der Fluss markiert eine Grenze und verbindet Kulturen nicht ohne Reibungen. Vanhöfen bezeichnet sich selbst als „politischen Landschaftsfotografen“. Für ihn ist das Landschaftsbild, das er fotografiert, „auch immer ein zivilisatorisches, also ein von Menschen geformtes, ein verhandeltes.“ Seine Ausein andersetzung mit den „gesellschaftlichen Bedingungen von Landschaft“ fasst er als „politischen Akt“ auf.

Lothar Klimek liegt zeitlich zwischen Müller vom Siel und Vanhöfen. Seine Aufnahmen von der Weser lassen den meisterhaften fotografischen Handwerker und Grafiker erkennen. Aus wechselnden Perspektiven gesehen, immer in sorgfältiger Tiefenstaffelung zugleich erfasst und konstruiert, ist die Flusslandschaft bei Klimek ein Linien- und Flächenereignis. Aus der Spannung der grafischen Momente bauen sich Erzählungen auf, die über das reale Abbild hinausgehen. Spiegelungen, Rahmungen und Korrespondenzen fügen sich zum Wechselspiel von Licht und Schatten. Die Statik von Brücken reibt sich an der Dynamik des Flusses als verschwommenes Spiegelbild auf der Wasseroberfläche. Der Wasserlauf gliedert die Landschaft und bildet einen ruhenden Kontrapunkt zu vielgliedriger Dorfarchitektur.

Die jüngsten Bilder der Ausstellung stammen von Martinus Ekkenga und schließen an die Aufnahmen Müller vom Siels an. Ekkengas Fotografien sind weniger Dokumentation einer Wasserstraße oder Porträt einer Flussregion als vielmehr poetische Schilderung einer Landschaft, die über den Moment und den konkreten Ort hinausgeht. In der Ausnutzung eines breiten Spektrums von Grautönen lässt Ekkenga Himmel, Wasser und Land zusammenfließen. In malerischen Valeurs sucht der Fotograf nach Idealbildern von Landschaft und Natur, jenseits menschlicher Eingriffe, aber auch fern von formalen oder stilistischen Konjunkturen.

Die Fotografie-Schau im Landesmuseum Oldenburg ist Teil des Ausstellungs- und Veranstaltungsprojekts „Alles fließt“, an dem sieben Kultureinrichtungen im Oldenburger Land beteiligt sind. In Oldenburg selbst eröffnen an diesem Wochenende noch drei weitere Präsentationen. Das Landesmuseum Natur und Mensch erinnert an Wassertechnik und Badekultur von der Antike bis zum Barock. Das Stadtmuseum Oldenburg weist mit „Wassergeschichten“ auf die Bedeutung von Flüssen, Kanälen und Meer für die Besiedlung der Region hin. Ein zentrales Kapitel nehmen Wasserversorgung und Abwasserentsorgung in Oldenburg um 1900 ein. Im Staatsarchiv Oldenburg ist die Wassernutzung in historischen Plänen und Karten dokumentiert.

(Die Ausstellungen sind bis Ende Oktober zu sehen, genaue Lauf- und Öffnungszeiten auf: http://www.landesmuseum-oldenburg.niedersachsen.de. Zu den Ausstellungen ist eine gemeinsame Publikation erschienen: Alles fließt. Rasch-Verlag. 19.80 Euro an der Museumskasse)

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