„RaumFinden“: Künstleraustausch Iksan-Bremen in der Villa Ichon

Mit Strich und Faden

Wolfgang Schmitz kombiniert Zeichen und Wörter, Bildfunde und literarische Bezüge: In „Rode at with shot und shell“ spielen Muschel, Granate und Thomas Mann mit. ·
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Wolfgang Schmitz kombiniert Zeichen und Wörter, Bildfunde und literarische Bezüge: In „Rode at with shot und shell“ spielen Muschel, Granate und Thomas Mann mit. ·

Bremen - Von Rainer BeßlingPunkt für Punkt baut Hea-Jung Kwon ihre Bilder auf. Klare Kompositionen, die gesehene Wirklichkeit in einen Farbklang und eine Flächenformation übersetzen.

Ein gelbes Feld gibt den Nachhall eines prächtigen Gefieders wieder. Eine blaue Schräge ist durch Härte und Konturen eines Steins inspiriert. Ein rotes Bild nimmt die Form eines Auges auf. „Unendlich“ ist die Arbeit überschrieben, ein programmatisches Werk. Die Wahrnehmung rückt einen Gegenstand in einem langen, langsamen Prozess des bildlichen Nachvollzugs von der Wirklichkeit weg vor ein inneres Auge. Die Konzentration auf das Objekt mischt sich mit der Meditation über die Empfindung, die es auslöst. Mit der Zeit lagert sich die äußere Form als Bild in einem inneren Raum an.

Renate Hoffmann widmet sich in ihren Bildern eher Außenräumen. Architekturen des Bremer Hafenviertels tauchen in abstrahierter Form als Raster und Farbfeldformationen auf. Die Tiefe, die den gestaffelten, vielschichtigen Kompositionen eingeschrieben ist, verweist auf die Geschichte und die Geschichten hinter den Gebäuden. Im städtischen Wandel haben sich die Fassaden und Funktionen der Häuser gewandelt. Die Künstlerin schließt in ihre Werke die eigene Wahrnehmung durch Farbstimmung und Strichführung mit ein.

Renate Hoffmann und Hea-Jung Kwon lernten sich während ihres Studiums an der Bremer Hochschule für Künste kennen. Der Kontakt blieb erhalten, als die südkoreanische Künstlerin in ihre Heimat zurückging. Vor drei Jahren fassten die beiden den Plan zu einem Künstleraustausch zwischen Iksan und Bremen. Im April hatte das Ausstellungsprojekt in Iksan seine viel beachtete Premiere. Von heute an sind die Arbeiten von fünf Künstlerinnen und Künstlern mit Bremen-Bezug und von fünf koreanischen Kunstschaffenden in der Bremer Villa Ichon zu sehen.

„Zeit und Raum“ war das Motto des Projekts in Korea, „RaumFinden“ heißt es in Bremen. Das Thema ist weit genug, um auch unterschiedliche Positionen zusammenzuschließen. Zugleich spricht es fundamentale Kategorien an, auf die viele der an der Ausstellung Beteiligten mit neuen Werken reagieren.

Hea-Jung Kwon gewann mit Soo Ja Kim eine Kollegin von der Wongkwang-Universität für die Teilnahme. In ihren meist großflächigen Bildern verknüpft Kim Nähen und Malerei. Die gefädelten Konturen ziehen neben den Pinselstrichen eine zweite stoffliche Ebene ein. Doppelte Bilder entstehen als Dialog zwischen Ding und Darstellung. In der Stichführung wird die Künstlichkeit der Bildwelt greifbar, zugleich wirken die Fäden wie Nähte zwischen Fragmenten der Wirklichkeit.

Na Kyung Lee baut nach eigenen Worten „visuell tastbare“ Räume. In der vielschichtigen „Landschaft mit Papierblumen“ ersetzen Papierblumen Architektur und Struktur des gesehenen Raumes. Die Flächigkeit des Papiers und der dekorative Charakter der Blumen repräsentieren den Kontrast von Künstlichkeit und Wirklichkeit, Formfindung und Formauflösung.

Während Ki-Ja Hong in malerischen, von Wasserimpressionen durchzogenen Studien zur „Morgendämmerung“ Zeit und Raum von Erneuerung und Möglichkeit schildert, beschreibt Kwang-Sook Kim Momente des Verschwindens und der Vergänglichkeit. Ein Shirt und ein leerer Karton repräsentieren Abwesenheit.

Mit Wolfgang Schmitz und Andreas Grunert nehmen zwei ehemalige Lehrer der Bremer HfK an der Schau teil. Schmitz fertigte neue Arbeiten, wobei das Motto exakt sein Grundanliegen trifft. Auf Spurensuche im öffentlichen Raum, in der Literatur und Kulturgeschichte entwickelt er seine Bilder aus der Vieldeutigkeit von Zeichen und der Korrespondenz verschiedener Erfahrungsebenen.

Thomas Manns

Palisaden

    Den Impuls für drei Bilder gab der Fund des Bretts einer Munitionskiste mit der Aufschrift „90mm shell“. Schmitz verknüpft Bedeutungen von „shell“, „Muschel“ und „Granate“, und webt in die Kompositionen Momente aus der Vita von Thomas Mann ein, dessen Exiljahre ihn zur gleichen Zeit beschäftigen. „Pacific Palisades“, der Ort nahe Los Angeles, in dem Mann lebte, wird zu einen Pfahlzaun, der als Abwehrmaßnahme wieder den Bogen zur Munition schlägt.

Grunert zeigt in der Verbindung von stilisierten Figurationen und transparenten bis leeren Räumen poetische Momente. Alltagspartikel treffen auf symbolhaltige Lineaturen. Bogdan Hoffmann setzt Ausschnitte aus einer Karte Koreas in blockhafter Handschrift nebeneinander. Die Kartografie wird in der Druckgrafik zu einer persönlichen Vermessung des fremden Raumes. Marikke Heinz-Hoek hält das Rheiderland, in dem sie aufwuchs, bei regelmäßigen Besuchen in unterschiedlichsten Medien fest. Die künstlerische Erfahrung von Zeit und Raum dient der Identitätsversicherung.

Ihr Projekt sehen Renate Hoffmann und Hea-Jung Kwon als Anfang einer langfristigen Kooperation zwischen den Hochschulen in Iksan und Bremen. Vertreter der HfK sollen schon Interesse signalisiert haben.

Villa Ichon, Bremen, Goetheplatz 4, bis 1.9., Mo-Sa, 11-13 Uhr, Mo-Fr, 16-20 Uhr

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