Oldenburger Projekt muss umdisponieren

Streit um Blankenburg

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Markus Müller 

Oldenburg - Von Johannes Bruggaier. Es war gegründet worden zur inneren Einkehr und Isolation, bewohnt von Schwestern des Dominikanerinnenordens. Später, viele hundert Jahre nach seiner Erbauung im 13. Jahrhundert sollte Isolation immer noch zu den hervorragenden Eigenschaften des Klosters Blankenburg zählen.

Doch statt der selbstgewählten inneren Einkehr frommer Christen ging es nun um Isolation als Therapieansatz. Blankenburg galt als „Irrenbewahranstalt“, wo psychisch Erkrankte unter menschenunwürdigen Bedingungen ihr Dasein fristeten.

Das Oldenburgische Staatstheater wollte in Kooperation mit dem Göttinger Kollektiv „werkgruppe2“ diese und andere Facetten in der langen Geschichte dieses Gebäudes künstlerisch ausleuchten. Geplant war eine Theaterproduktion, in deren Zentrum „neben der historischen Recherche vor allem Berichte und Eindrücke von Menschen stehen, die in Blankenburg gelebt oder gearbeitet haben“. Premiere: am 19. Juni. Doch daraus wird nun nichts – jedenfalls nicht wie vorgesehen am Originalschauplatz.

Denn wie das Theater gestern mitteilte, habe der Eigentümer der Anlage dem Projekt eine Absage erteilt. Grund: Sicherheitsbedenken und Kostengründe. Doch genau das will man am Oldenburgischen Staatstheater nicht glauben. „Dass unsere technischen Abteilungen gerade in der Erschließung von externen Spielstätten über viel Erfahrung und exzellente Fachleute verfügen, ist spätestens seit der Erschließung und Nutzung des Fliegerhorstes als Ausweichspielstätte vor vier drei Jahren bekannt“, sagt Intendant Markus Müller: „Darüber hinaus werden grundsätzlich alle Spielstätten durch unabhängige Sachverständige und die zuständigen Behörden geprüft und abgenommen.“ Die wahren Gründe für die überraschende Absage vermutet man am Theater deshalb in der Furcht vor einem Imageschaden, der dem Gebäude bei einer allzu kritischen Debatte über die dunklen Seiten seiner Geschichte drohen könnte. Der Eigentümer, die Hamburger „TAG Gewerbeimmobilien GmbH“ habe das Gelände bereits an einen unbekannten Käufer veräußert, dabei aber laut eigenen Angaben noch nicht alle Bedingungen des Kaufvertrages erfüllt, so heißt es.

Die Immobilienfirma widersprach dagegen gestern Nachmittag in Teilen der Darstellung des Theaters. Tatsächlich berufe man sich bei der Begründung des Ablehnungsbescheids auf Sicherheitsaspekte. Dabei spiele die Kompetenz des Theaterteams allerdings nur eine untergeordnete Rolle, da bei einer gebäudebedingten Verletzung eines Besuchers zwangsläufig der Eigentümer in der Haftungspflicht stehe. Dieses Risiko wolle man nicht eingehen.

Zudem habe es, anders als von Seiten des Theaters suggeriert, eine Zusage für die Produktion nie gegeben. Im Gegenteil habe die TAG bereits im Sommer vergangenen Jahres eine entsprechende Anfrage des Theaters negativ beantwortet.

Mit der Oldenburger Blankenburg-Produktion waren auch Fördermittel verbunden, sie zählte zu bundesweit 16 Projekten, die Gelder des Fonds Darstellende Künste erhalten. Auch die Stiftung Niedersachsen und die Oldenburgische Landschaft sollen sich an der Förderung beteiligt haben.

Endgültig gestorben ist das Projekt gleichwohl noch nicht. Nachdem auch ein zwischenzeitlicher Plan, das an den Klosterbau angrenzende Gelände zu bespielen, gleichfalls scheiterte, muss man die Veranstaltung notgedrungen in die Probenräume des Oldenburgischen Staatstheaters verlegen. Wenigstens über deren Verwendung kann das Ensemble noch ganz alleine bestimmen.

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