Moks am Theater Bremen zeigt „Die Zertrennlichen“

Der Stoff, aus dem Märchen sind

Zwei, die sich mögen: Romain (Julian Anatol Schneider) und Sabah (Judith Goldberg). Fotos: jörg landsberg

Bremen - Von Rolf Stein. Kindern erzählt man Märchen. Klar, für manche Sachen sind sie vielleicht noch nicht groß genug. Aber es sind manchmal wohl eher die Erwachsenen, die lediglich weitergeben, was ihnen einmal aufgetischt und von ihnen mehr oder weniger gut verdaut worden ist. In Märchen und anderen Geschichten erfährt unsere Welt einen Sinn. Sie ordnen das chaotisch wirkende Geschehen, geben ihm einen Anfang, ein Ende – und, oft jedenfalls, eine Moral.

Wie Kinder sich diese Erzählungen aneignen, lässt sich sehr schön in dem hoch poetischen Stück „Die Zertrennlichen“ von Fabrice Melquiot sehen, das im vergangenen Jahr mit dem Deutschen Kindertheaterpreis ausgezeichnet wurde und nun in einer Inszenierung von Theo Fransz im Brauhaus am Theater Bremen zu sehen ist.

Es erzählt die Geschichte von Romain und Sabah, die mit ihren Eltern in einer namenlosen Vorstadt leben, in benachbarten Hochhäusern. Die Namen deuten schon an, dass es hier interkulturell durchaus krachen könnte – und tatsächlich ist das die Bruchstelle, an der sich zwischen dem neuneinhalbjährigen Mädchen mit algerischen Wurzeln und dem neunjährigen Jungen mit rassistischen weißen Eltern eine Freundschaft entspinnt. Sie bringt den Nachbarn Gebäck vorbei, seine Eltern werfen es fort. Weil es von den Arabern kommt.

Romain, der von seinen Eltern vernachlässigt sein Glück auf dem Rücken eines Schaukelpferdes sucht, findet Sabah ungeachtet der elterlichen Weltanschauung interessant, und das Mädchen, das sich selbst gern als Sioux sieht, erwidert das Interesse nach einer Weile. In ihrem Hang zu kleinen Abenteuern im benachbarten Wald, in dem angeblich noch kein Kind je gewesen, vermengen sich die Mythenwelten der beiden, was sich auch als utopisches Modell gelebter Diversität verstehen lässt. Bis es soweit ist, wird aber auch klar, dass Romain nicht frei ist von den Urteilen seiner Eltern. Und am Ende zerreißen die Konflikte der Erwachsenen diese junge Liebe ziemlich brutal.

Judith Goldberg und Julian Anatol Schneider spielen die beiden Hauptfiguren, geben punktuell aber auch einmal die Eltern, als grotesk überlebensgroße Schattenbilder auf der bestechend schlichten Bühne von Bettina Weller (auch Kostüme), die auf vier beweglichen und halbdurchsichtigen Projektionswänden die Orte des Geschehens, auch die mythischen, entstehen lässt.

Mit melancholischem Humor und Gespür für die magischen Motive hat Theo Fransz inszeniert, und den beiden Darstellern gelingt es im Handumdrehen, uns in die Geschichte zu ziehen.

Für Menschen ab neun Jahren ist das Stück empfohlen. Und auch wenn es bisweilen fast ein bisschen schwer für so junge Menschen sein könnte, belehrt der Premierenapplaus auch der ganz jungen Zuschauer uns eines Besseren. Ein sehenswerter, kluger Abend mit zartbitterem Abgang zum Auftakt der Spielzeit im jungen Theater.

Weitere Termine

Montag bis Donnerstag, jeweils 10.30 Uhr, Samstag, 16 Uhr, Brauhaus am Theater Bremen.

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