Stimmliche Leuchtkraft

Anna Maria Kaufmann in der Glocke

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Anna Maria Kaufmann

Bremen - Von Wolfgang Denker. Neujahrskonzerte gibt es jedes Jahr in den verschiedensten Formen und mit verschiedensten Inhalten. Anna Maria Kaufmann begibt sich in ihrem Neujahrskonzert (immerhin war die letzte Zugabe „Happy New Year“ von Abba) mit Melodien aus Film und Musical auf vertrautes Terrain. 

Leider – und das war der große Wermutstropfen – wurden Orchester und Solisten verstärkt. Das wäre in großen Hallen in Ordnung, aber in der Glocke mit ihrer hervorragenden Akustik? Sei’s drum – man gewöhnte sich schnell an den Klang.

Anna Maria Kaufmann ist eine der erfolgreichsten und vielseitigsten Sängerinnen, die sich im Lauf ihrer Karriere zwischen Musical, Operette, Pop und früher auch der Oper (unvergessen ist ihre „Lucia di Lammermoor“ 2001 in der Glocke) bewegte. Mit ihrer eleganten Erscheinung und ihrer sympathisch-charismatischen Ausstrahlung nimmt sie sofort für sich ein. Und natürlich mit ihrem Gesang.

Starker Partner an der Seite

Wenn sie etwa Ausschnitte aus dem „Phantom der Oper“ singt, der Rolle, mit der sie berühmt geworden ist, entfalten sich sofort all ihre Qualitäten: berührender Ausdruck und stimmliche Leuchtkraft. Aber es gibt auch Lieder, bei denen der Funke einfach nicht überspringt. Gleich das einleitende „Bridge over Troubled Water“ gehören ebenso dazu wie „Hello Dolly“. 

Hervorragend gelingt ihr hingegen das hymnische „Running with a Dream“ (der Kult-Song zur Fußball-WM 1998). Ebenso begeistert sie mit dem Song „Never Will You Bring Me Down“ aus der Feder von Kristina Bach, mit der sie an ihrer demnächst erscheinenden CD zusammenarbeitet. Auch das durch Andrea Bocelli bekannte Duett „Time to Say Goodbye“ gelingt beeindruckend.

Mit dem Tenor Jorge Jiménez hat Kaufmann aber auch einen starken Partner an ihrer Seite, der ihr manchmal fast die Show stiehlt. Wenn Jiménez mit „Caruso“ beeindruckend auf den Spuren von Pavarotti wandelt, seine „Maria“ in der „West Side Story“ gefühlvoll anschmachtet oder mit Verve den Evergreen „Granada“ schmettert, zeigen sich sein Temperament und die beachtliche Qualität seines Tenors, der über eine sichere Höhe und eine substanzreiche Mittellage verfügt. 

„Spiel mir das Lied vom Tod“ ein besonderer Höhepunkt

Bei den Duetten mit Kaufmann, unter anderem aus „West Side Story“ oder aus „Cinema Paradiso“ von Ennio Morricone, agiert er mindestens auf Augenhöhe. Morricones Filmmusik zu „Spiel mir das Lied vom Tod“ markiert einen besonderen Höhepunkt. Die unter Juri Gilbo sehr anspruchsvoll aufspielende Russische Kammerphilharmonie St. Petersburg bringt den schwelgerischen Zauber dieser Musik mit sattem Klang wunderbar zur Geltung. Solist ist dabei René Giessen, der mit seiner chromatischen (also auch Halbtöne abdeckenden) Mundharmonika für Gänsehauteffekte sorgt.

Auch bei der „Winnetou-Melodie“ bringt Giessen mit seinem differenzierten Spiel die besondere Note ein. Neben „The Conquest of Paradise“ und dem Walzer Nr. 2 von Schostakowitsch begeistert das Orchester auch mit einem temperamentvollen Paso Doble von Enrique Santeugini. Der Titel „Für Dich, Rio-Rita“ rührt daher, dass der Besitzer des Berliner Nachklubs „Rio-Rita“ in den 30er Jahren mit dem Komponisten befreundet war, wie Giessen, der auch für die charmante Moderation sorgt, zu berichten weiß. Insgesamt bietet dieses Neujahrskonzert eine bekömmliche Mischung, bei der zwar Anna Maria Kaufmann das „Zugpferd“ ist, die aber auch durch die anderen Mitwirkenden überzeugt.

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