Kunst des Absolutismus in der Bremer Kunsthalle

Stichhaltige Propaganda

Keine Wissenschaft: „Einzug Alexanders des Großen in Babylon“ (1675) von Gérard Audran . - Foto: Die Kulturgutscanner-Rosenau

Bremen - Von Rolf Stein. Zwar ist Bob Dylan zuzustimmen, wenn er davon singt, dass sich die Zeiten ändern. Aber es ist ja im Grunde auch nicht weiter überraschend, dass sie das tun. Interessanter ist doch eigentlich, dass so manches gleichbleibt. Im Kupferstichkabinett der Bremer Kunsthalle eröffnet heute die Ausstellung „Im Namen der Lilie. Französische Druckgraphik zur Zeit Ludwigs XIV.“, an der sich nebst anderem sehen lässt, wie Kunst sich in den Dienst von Herrschaft stellt, weil Herrschaft sich gern mit ihr schmückt – und sie deshalb gern alimentiert und damit ermöglicht.

Es ist aber auch zu sehen, mit welchen Mitteln sich jene Herrschaft nicht nur der Kunst an sich, sondern auch ihrer Kraft zur Überhöhung bedient. Wenn Ludwig XIV. sich im Laufe seiner 60-jährigen Herrschaft regelmäßig von namhaften Künstlern in einer Technik porträtieren lässt, nicht ohne sich dabei idealisieren zu lassen, dann ist das noch recht offensichtlich. Wenn er bei seinen Hofmalern historische Szenen in Auftrag gibt, ergibt sich ein tieferes Verständnis in das Selbst- und Staatsverständnis des „Sonnenkönigs“.

So steht der Stich „Triumph Konstantins“ von Gérard Audran, der größte der Ausstellung in Bremen, für die Überwindung der Vier-Kaiser-Herrschaft im Römischen Reich zugunsten der Alleinherrschaft Konstantins. Was sich unschwer als Sinnbild für die Ambitionen des Ludwig XIV. lesen lässt, der schließlich den Absolutismus als höchste und letzte Stufe der Monarchie personifiziert.

Der eigenen Herrschaft höhere Weihen zu verleihen, erfreut sich als Strategie zur Verbrämung hoheitlicher Gewalt in der Tat seit jeher ungebrochener Beliebtheit. Die Kirchen – lange Zeit die wesentlichen, wo nicht einzigen Auftraggeber der Künste – hatten natürlich Gott auf ihrer Seite.

Weltlichere Regime müssen sich da auf profanere Dinge berufen. Schlachten und Eroberungen waren hier lange Mittel der Wahl, je nach Aufkommen dürfen auch weniger brutale Dinge wie große Dichter und Denker Glanz und Gloria auf die Nation werfen. Und auch in der Sowjetunion, wo man alles anders machen wollte, berief man sich auf historische Abreiterrevolten und verherrlichte das revolutionäre Subjekt, das Proletariat.

Um auch in diesem Sinne einen gedanklichen Brückenschlag ins Heute zu erlauben, sind im Bremer Kupferstichkabinett auch drei Arbeiten des Kupferstechers Anton Würth enthalten, der sich in den vergangenen Jahren mit den Stichen des französischen Barock befasst hat. zwischen den alten Porträts hängen da unter anderem zwei Blätter, in deren Zentrum eben kein Menschen zu sehen ist, geschweige denn ein Kaiser. Stattdessen tritt die Symbolik in den Vordergrund, die Linie „ist von aller mimesis entbunden und stellt nichts als sich selbst dar“, wie es in dem sehr informativen Katalog zur Ausstellung heißt. Die moderne Gesellschaft mag den Personenkult nicht überwunden haben. Sie kann sich aber eine Kunst leisten, die so ausdifferenziert ist wie die Gewaltverhältnisse dieser Gesellschaft.

„Im Namen der Lilie. Französische Druckgraphik zur Zeit Ludwigs XIV.“, ab heute bis 28. Mai, Kunsthalle Bremen

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Hallo-Verden-Festival in der Stadthalle

Hallo-Verden-Festival in der Stadthalle

Band Aha spielt vor ausverkaufter Bremer Stadthalle

Band Aha spielt vor ausverkaufter Bremer Stadthalle

Löw-Team bucht EM-Ticket - "Sehr zufrieden"

Löw-Team bucht EM-Ticket - "Sehr zufrieden"

Jahrestag der Proteste: "Gelbwesten" demonstrieren in Paris

Jahrestag der Proteste: "Gelbwesten" demonstrieren in Paris

Meistgelesene Artikel

Im barocken Zaubertheater

Im barocken Zaubertheater

Wiedergänger mit Herz

Wiedergänger mit Herz

Wahn und Wirklichkeit

Wahn und Wirklichkeit

„Blechtrommel“ in Bremerhaven: Grass-Klassiker als gut geöltes Bildertheater

„Blechtrommel“ in Bremerhaven: Grass-Klassiker als gut geöltes Bildertheater

Kommentare