Schatten in der Natur: Ilze Orinska im Pavillon des Bremer Gerhard-Marcks-Hauses

Vom Sterben der Schwärme

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Bienen und Imker: Installation von Ilze Orinska. ·

Bremen - Von Rainer BeßlingEine kleine Holzkiste wartet im Pavillon des Gerhard-Marcks-Hauses auf ihren Einsatz. Der Besucher ist aufgefordert, eine Absperrung zu lösen, sofort steigen Geräusche und Gerüche auf.

Die übrigen Exponate der Ausstellung helfen ein wenig mit bei der Identifizierung. So klingen Bienenschwärme, so duftet es in der Nähe von Bienenstöcken: Propolis, Honig, eine ganz spezielle Mischung. Und auch der Klang lässt sich kaum mit anderen Hörerlebnissen vergleichen.

Auch mit dem benachbarten Ausstellungsstück ruft Ilze Orinska das Publikum zur Teilnahme auf. Eine Vielzahl toter Bienen liegt in einer offenen Vitrine auf dem Text eines bekannten Volkslieds: „Summ, summ, summ...“ Hier summt kein Tier mehr, die Folklore wirkt wie Verklärung. Wer sich überwindet und die Tiere berührt oder sogar in die Hand nimmt, wird von dieser haptischen Erfahrung überrascht sein: Leicht wie ausgetrocknete Schalen fühlen sie sich an, eher pflanzlich. Der Geruch, den sie verströmen, ist allerdings körperlich, organisch.

Die beiden Erlebnisstationen im Zentrum der Präsentation mit dem Titel „Apiarium“ ebnen in besonderer Weise den Blick auf die Bilder der lettischen Künstlerin. In Serien lässt sie Imker auftreten, in einer eine einzelne Person, in der anderen ein Paar. Die Gestalten in Schutzanzügen wirken wie Schemen, schattenhaft vor einer dunklen, undurchsichtigen Kulisse. Obwohl die Bilder offenkundig Szenen aus der Bienenzucht schildern, wirken sie fast abstrakt, auf beunruhigende Weise unwirklich.

Das Ausstellungsthema hat einen biographischen Hintergrund: Die Eltern der Künstlerin bestellen eine eigene Bienenwiese. Aus eigener Anschauung vertraut ist Ilze Orinska ihr auch das Sterben ganzer Bienenschwärme, das häufig überraschend kommt, nicht wirklich erklärbar. Gerade das Rätselhafte, das offenkundig Unbeherrschte steigert die Beunruhigung, die in den atmosphärisch dichten Bildern und Installationen zum Ausdruck kommt. Mensch und Natur, Arbeit und Natur, das sind die großen Themen der Wahlberlinerin, an die sie auch mit ihren jüngsten Werken anknüpft.

In einer eigenwilligen Komposition leistet sie einen künstlerischen Beitrag zur ökologischen Debatte und umweltgerechten Zukunft: Vielleicht wäre ja solch eine Hybrid die Lösung der Bienenfrage, „Bienenpflanzen“ in einem Gewächs vereint, in altmeisterlicher Manier gemalt, wie der Natur abgeschaut. Artifiziell in der Feier der Naturschönheit, künstlich und konstruktiv. Der schöne Schein einer nach harten Gesetzen organisierten Natur lässt sich hieraus ebenso ablesen wie die Selbsttäuschung des Menschen und die zwiespältige Vision genetischer Manipulationen.

Pavillon, Gerhard Marcks Haus, Bremen, bis 15.1.2012

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