Steptext Dance Project bringt im November afrikanischen Tanz auf die Bühne

Spitzhacke und Spitzenschuh

Mamela Nyamza seziert starre Frauenbilder – auf und vor der Bühne.
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Mamela Nyamza seziert starre Frauenbilder – auf und vor der Bühne.

Bremen - Von Mareike Bannasch. Wer verdient mehr? Wer bleibt zu Hause und kümmert sich um die Kinder? Und warum gibt es kaum Frauen in den Chefetagen der Republik? Fragen, die in diesen Breiten aus den Diskussionen um Gleichberechtigung nicht mehr wegzudenken sind.

Viel Energie, Zeit und Raum geht für das Gerangel um die Machtverteilung im Privaten und Beruflichen drauf. Und das, obwohl diese eigentlich gar kein Thema mehr sein sollte. Zumindest aus westlicher und vor allem weiblicher Sicht. Dabei sind diese Probleme vor allem eins: Luxusprobleme, die auf dem afrikanischen Kontinent berechtigter Weise nur belächelt werden. Wo sich die Frage nach einer fairen Bezahlung nicht einmal ansatzweise stellt, scheinen Frauenquote und Gehaltsanpassungen wie Jammern auf hohem Niveau. Statt die Lohnzettel zu vergleichen, geht es für afrikanische Frauen vor allem darum, die Fesseln ihres alltäglichen Lebens abzustreifen. Auf staubigen Feldern, in überfüllten Armenvierteln und auf der Bühne.

Dort sind nicht nur afrikanische Tänzerinnen starren Regeln und Schranken unterworfen. Sowohl in den Rollen, die sie angeboten bekommen, als auch in den Erwartungen des Publikums an sie. Mit diesen Stereotypen zu brechen, ist das Ziel von Mamela Nyamza. Die Tänzerin aus Südafrika seziert in schillernden Bildern die traditionelle Rollenzuschreibung, geht ihr auf den Grund und legt ihre eigentlichen Beweggründe bloß. Ihre Waffen sind dabei nicht nur Spitzenschuhe und Eleganz, sondern auch die Spitzhacke. Das Frauenwerkzeug schlechthin. Und damit auch ein Symbol für die Unterdrückung der Frauen auf dem afrikanischen Kontinent.

Wie sich dieses Bild mit der neu gewonnenen Freiheit des Balletts verbinden lässt, können die Zuschauer am 15. November um 20 Uhr in der Schwankhalle in Bremen sehen. Die Uraufführung des Stückes „Wena Mamela“ ist Teil des Tanzfestivals „Africtions – Captured by dance“, das vom 6. bis 16. November vom Steptext Dance Project organisiert wird. Das Festival soll vor allem dazu dienen, aktueller Tanzkunst aus Afrika eine größere Aufmerksamkeit zu verschaffen. Eigens für die Auftritte in Deutschland produzierte Stücke spiegeln die Vielfalt des Kontinents wieder, wie es im Begleitheft zum Programm heißt. Genauso wie die Tänzer an sich, die aus Südafrika, Madagaskar, Benin, dem Tschad und der Republik Kongo stammen. Und die breite Öffentlichkeit dazu nutzen, Probleme ihrer Länder auf der Bühne zu verarbeiten. Dabei geht es nicht nur um die Rolle der Frau, sondern auch andere gesellschaftliche Herausforderungen, die nicht nur Afrikaner beschäftigen, werden thematisiert.

Wie das Heranwachsen ohne Vater und die mit ihm verbundene Vorbildrolle. So gehen Taigue Ahmed aus dem Tschad und sein Duettpartner Gauthier Elame der Frage nach, wie wichtig eigentlich eine männliche Bezugsperson ist. Welche Bedeutung der Vater für einen heranwachsenden Jungen hat, wie groß seine Relevanz in der afrikanischen Gesellschaft ist und ob ohne ihn überhaupt ein erfülltes Leben möglich ist. Die tänzerische Spurensuche entspringt dabei nicht nur der reinen Vorstellungskraft, sondern greift auf eigene Erfahrungen der beiden jungen Männer zurück. Die ohne Vater aufwuchsen und der Tanz daher zu einer Rettung vor einem Leben in Drogenabhängigkeit, Armut oder als Soldat wurde. Mit diesem Blick verarbeiten Elame und Ahmed nicht nur Verlust, Wut und Unsicherheit, sondern formulieren auch ihre Gesellschaftskritik. Während ein Zitharspieler für die passende Untermalung sorgt. Doch nicht irgendein Zitharspieler steht mit den beiden am 20. November auf der Bühne. Fréderic Samara ist über seine Heimat hinaus als ein Musiker bekannt, der sein Instrument dazu nutzt, um das Erbe seiner Familie aufrecht zu erhalten und den Tschad näher zu erklären. Und auch die zahlreichen Defizite in dem Binnenstaat in Zentralafrika zu zeigen. Genauso wie Elame und Ahmed, die ein auf den ersten Blick vorrangig afrikanisches Thema auf Bremer Bühnen bringen – und so die Frage aufwerfen, welche Lehren sich für die westliche Welt ziehen lassen. Trotz oder gerade wegen alle ihrer Luxusprobleme.

Das Tanzfestival „Africtions – Captured by dance“ steht vom 6. bis 16. November auf dem Programm. Weitere Infos gibt es unter www.africtions.com.

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