In der Messehalle 7

Cro stellt Album vor: Tschüß Panda, Tach Eisbär

+
Mit seinen neuen, ernsteren Stücken kann Cro nur bedingt beim jungen Publikum punkten.

Bremen - Von Ulla Heyne. Was wird aus einem Pandabär, wenn er erwachsen ist? Richtig: ein Eisbär! Das ist zwar nicht unbedingt im Einklang mit dem Curriculum des Sachkunde-Unterrichts, aber dem sind die meisten Fans am Donnerstag in der Bremer Halle 7 ja auch schon mehr oder weniger knapp entwachsen. Dass sie Cro mit seiner neuen bärigen Maske ganz in Weiß auf seiner „Tru.“-Tour nicht in der ÖVB-Arena den mächtigen Eisberg auf der Bühne hinabsteigen sehen, sondern in der kleineren Halle nebenan, hat einen einfachen Grund: Das Konzert wurde aufgrund mäßiger Nachfrage herabverlegt.

Bitter, war nach den Höhenflügen der vergangenen Jahre deren Verfilmung vor einem Jahr auch schon veritabel gefloppt. Dabei hatte sich der Pop-Rapper solche Mühe gegeben, sich mit „Tru.“ neu zu erfinden. Erwachsener sollen die Songs klingen, ausgereifter die Inhalte. Tun sie auch. Aber: Wird das vom Publikum goutiert? Das Eis taut jedenfalls erst beim ersten älteren Hit „Das Beste bist du“ (das schön funkig daherkommt), und das soll in den folgenden zwei Stunden auch so bleiben. Dabei macht die Kombo von Carlo Waibel, wie der Schwabe mit bürgerlichem Namen heißt, einen verdammt guten Job, allen voran die beiden Backgroundsängerinnen.

So ausgefeilt die Arrangements, so groß die stilistische Breite auch ist: Stimmung kommt in der gut zwei Drittel gefüllten Halle erst bei den Chartstürmern der ersten beiden Alben auf, damals, als Cro noch jung war und unbekümmert. Songs wie „Bad Chick“, „Du“ oder „Bye Bye“ werden begeistert mitgesungen. Ja: Man kann sich über die sehr hohen, weil sehr jungen und sehr weiblichen Fangesänge lustig machen. Und man kann sich darüber aufregen, dass das andere Geschlecht nach dem neuen Frauenbild des 28-Jährigen gern mal als Bitches oder gar Sluts, also Schlampen, tituliert werden. Oder man bedauert den gehäuteten Bären, der sich angesichts der etwas trägen Masse mächtig ins Zeug legt und eine gute Show abliefert, kann seine musikalische Entwicklung bewundern und sich fragen, warum Lieder wie „Forrest Gump“ trotz intelligenter Texte, Musik, Einspieler und Lichtshow nicht zünden.

Konzert von Cro in Bremen

 © Ulla Heyne
 © Ulla Heyne
 © Ulla Heyne
 © Ulla Heyne
 © Ulla Heyne
 © Ulla Heyne
 © Ulla Heyne
 © Ulla Heyne
 © Ulla Heyne
 © Ulla Heyne
 © Ulla Heyne
 © Ulla Heyne
 © Ulla Heyne
 © Ulla Heyne
 © Ulla Heyne
 © Ulla Heyne
 © Ulla Heyne
 © Ulla Heyne
 © Ulla Heyne
 © Ulla Heyne
 © Ulla Heyne
 © Ulla Heyne
 © Ulla Heyne
 © Ulla Heyne
 © Ulla Heyne
 © Ulla Heyne
 © Ulla Heyne
 © Ulla Heyne
 © Ulla Heyne
 © Ulla Heyne

fotos

Vielleicht bröckelt mit dem reiferen Werk, den ernsteren Inhalten, die Identifizierungsmöglichkeit im Saal? Zugegeben – meistens geht es nach wie vor um das andere Geschlecht. Aber auch andere Themen werden angeschnitten: in „Baum“ etwa, in dem ein Autounfall den Film des kurzen Lebens vor dem geistigen Auge abspulen lässt. Die Neuerfindung überzeugt jedenfalls nicht alle, chinesisches XXL-„True“-Schriftzeichen hin, symbolisch ach so weiße Maske her. Vielleicht waren die alten Songs wie „Einmal um die Welt“ obwohl ungehobelt, etwas ruppig, mit dem Herz am rechten Fleck ja doch wahrhaftiger? Mehr Spaß machen sie den Zuschauern augenscheinlich. Am Ende singt Cro mit „Unendlichkeit“, als vorzeitiges Fazit die Fortführung von „Baum“ und schlägt entsprechend mit einem brennenden Auto auf der Leinwand einen Bogen: Auf seine Meriten verweisend, entrückt er auf der Spitze des Eisbergs wieder der Masse. Bitter nur, dass viele nicht mehr hören, wie er ihnen: „Ich liebe Euch“ und „Nehmt keine Drogen“ hinterherruft – die letzten Klänge sind noch nicht verhallt, schon strömen die Zuschauer gen Ausgang. Es ist Punkt 22 Uhr – und morgen ist für die meisten ja wieder Schule.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Fotostrecke: Pizarro übt sich als Torhüter

Fotostrecke: Pizarro übt sich als Torhüter

Eisbär, Erdmännchen und Co. freuen sich über Weihnachtsgeschenke

Eisbär, Erdmännchen und Co. freuen sich über Weihnachtsgeschenke

Das sind die elf wertvollsten Werder-Profis 

Das sind die elf wertvollsten Werder-Profis 

Terror-Finanzierung? Ermittler durchsuchen Berliner Moschee

Terror-Finanzierung? Ermittler durchsuchen Berliner Moschee

Meistgelesene Artikel

„Tatortreiniger“ Bjarne Mädel gibt nach 31 Folgen den Wischmob ab

„Tatortreiniger“ Bjarne Mädel gibt nach 31 Folgen den Wischmob ab

Cecilia Bartoli in der Bremer Glocke zu Gast

Cecilia Bartoli in der Bremer Glocke zu Gast

Kerstin Ott und Ehefrau: Familienzuwachs! Sängerin verkündet wundervolle News

Kerstin Ott und Ehefrau: Familienzuwachs! Sängerin verkündet wundervolle News

Buch und Musical erzählen von einer jüdischen Familie aus Bremen

Buch und Musical erzählen von einer jüdischen Familie aus Bremen

Kommentare