Hamburger Verdi-Trilogie beginnt mit „La battaglia di Legnano“

Stellenweise begeisternd

Yonghoon Lee als Arrigo in der Hamburger Inszenierung der Verdi-Oper „La battaglia di Legnano“. ·
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Yonghoon Lee als Arrigo in der Hamburger Inszenierung der Verdi-Oper „La battaglia di Legnano“. ·

Von Markus WilksHAMBURG · „Verdi im Visier“ – ein spektakuläres Projekt mit drei selten gespielten Verdi-Opern reift derzeit an der Staatsoper Hamburg: Vorgestern hatte die große Chor- und Vaterlandsoper „La battaglia di Legnano“ Premiere, am kommenden Sonntag folgt bereits „I due Foscari“ als intimeres Intermezzo und zwei Wochen später die nächste Choroper „I Lombardi“. Damit investiert kein anderes deutsches Theater so viel Energie in Programme zum Jubiläumsjahr von Britten, Verdi und Wagner wie die Staatsoper Hamburg mit ihrer Intendantin Simone Young.

Er gilt als der Musiker, der im 19. Jahrhundert die Einigungsbewegung Italiens katalysiert hat. Letztendlich trägt aber nur eine einzige von Giuseppe Verdis Opern wirklich Züge des „Risorgimento“: „La battaglia di Legnano“. Alle drei Werke verbindet die „Liebe zur Heimat“ und die „Verlagerung von Gegenwartsproblemen ins Mittelalter beziehungsweise in die Renaissance“ (Simone Young). So fand im Jahre 1176 dreißig Kilometer nordwestlich von Mailand die Schlacht von Legnano statt, bei der der deutsche Kaiser geschlagen wurde und die einige Jahrhunderte später mythisch verklärt wurde. Verdi nutzte das Sujet zu einem tagesaktuellen Beitrag im von Einigungskämpfen gebeutelten Italien. Immerhin wird kein Geringerer als Barbarossa von einem italienischen Bund besiegt, was der Komponist mit entsprechend kämpferischer Musik untermalt hat. Da aber auf der Opernbühne mehr einzelne Menschen interessieren, hat Verdi das Schicksal von Lida, Arrigo (ihr vermeintlich toter Verlobter) und Rolando (Arrigos bester Freund und inzwischen Lidas Gatte) in das politische Umfeld integriert und dieses um einen deutschen Intriganten (den Lida verehrenden Marcovaldo) zu einer Vierecksgeschichte mit tödlichem Ausgang erweitert.

Regisseur David Alden hat gar nicht erst versucht, die letztendlich geradlinige Handlung zu einem psychologisch packenden Opernkrimi aufzuwerten oder eine ambitionierte Übertragung in unsere Tage vorzunehmen. Er bietet vielmehr eine Abfolge durchaus eindrucksvoller Bilder und eine solide gespielte Handlung. Charles Edwards hat hierzu einen düsteren Bühnenraum entworfen, der in der gesamten Trilogie Verwendung findet und sich leicht variieren lässt. Offenbar handelt es sich hierbei um die Bühne eines beschädigten Theaters, wie es zur Zeit des 2. Weltkriegs häufiger zu finden war und in dieser Zeit oftmals zweckentfremdet wurde. In diesem „theatralischen Rahmen“, der auch Kirche und Palast sein kann und mit einem kolossalen Schlachtgemälde aufwartet, wird die Handlung konventionell dargeboten, Brigitte Reiffenstuel hat die überwiegend dunklen Kostüme entworfen.

Ökonomische

Notlösung

So blieb es Simone Young und den Musikern überlassen, das Werk zum Leuchten zu bringen. Neben vielen Szenen, die im Vergleich zu anderen Verdi-Opern allzu routiniert und wenig inspiriert erscheinen, können immerhin einige Momente begeistern: etwa der reichhaltige Holzbläsersatz in der Ouvertüre oder die klanglichen Vorstudien zum „Don Carlo“.

Simone Young hatte zur Vorbereitung Verdis Originalpartituren studiert und editorisch gesichtet. Diese Sorgfalt war zu hören, denn die Hamburger Philharmoniker spielten subtil, präzise und alles andere als oberflächlich laut – ein Plädoyer für das Werk. Unter der Leitung des neuen Chorchefs Eberhard Friedrich gab sich der Staatsopernchor keine Blöße. Gleichwohl war es angesichts von drei Premieren in drei Wochen eine ökonomische Notlösung, große Teile des Parts direkt aus dem Klavierauszug singen zu lassen und das im Sinne des Chores der griechischen Tragödie zu interpretieren.

Aus dem gut besetzten Solistenensemble ragte Yonghoon Lee (Arrigo) mit einem kraftvollen, strahlenden Tenor hervor. Man versteht, dass er von großen Häusern gebucht wird. Alexia Voulgaridou ist immer dann besonders überzeugend, wenn sie in tragischen Rollen ihren leuchtenden Sopran effektvoll einsetzen kann. Somit kam ihr die Partie der Lida, auch wenn diese manchmal zu hoch und koloraturreich ist, entgegen. Und auch Giorgio Caoduro (Rolando) wusste mit seinem attraktiv klingenden Bariton zu überzeugen, zumal er sich (wie seine Kollegen) bereitwillig auf Youngs differenzierte Anforderungen einließ. Solide agierte Tigran Martirossian in der wichtigen, aber kurzen Partie des Barbarossa. Rebecca Jo Loeb ließ als Imelda aufhorchen, wohingegen Viktor Rud als Marcovaldo blass blieb. Großer Jubel, trotz kleiner Einschränkungen für die Regie und für das Ensemble.

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