„Der Graf von Monte Christo“ in Bremerhaven

Mit dem Degen im Anschlag

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Schnelle Fechtszenen dürfen auch nicht fehlen.

Bremerhaven - Er will nur eins: Rache. Sie alle sollen bezahlen. Der eitle Danglas, der ihm nicht geholfen hat. Der schmierige Staatsanwalt Villefort, der ihn unschuldig in den Kerker warf. Und nicht zu vergessen Mondego, der seine Liebste geheiratet hat – obwohl Mercédès das Einzige war, was Edmond 14 Jahre lang am Leben gehalten hat.

Es ist bereits gute Tradition, dass das Stadttheater Bremerhaven die neue Spielzeit mit einer Musical-Premiere eröffnet. So auch diesmal, dem Jahr von Edmond Dantès oder besser gesagt dem Grafen von Monte Christo. Ausgehend von Alexandre Dumas‘ Abenteuerroman hat Felix Seiler die Musical-Version von Frank Wildhorn für das Stadttheater inszeniert – als einen temporeichen, unterhaltsamen und absolut sehenswerten Rachefeldzug.

Dreh- und Angelpunkt ist, und zwar wortwörtlich, eine Drehbühne (Bühne und Kostüme: Hartmut Schörghofer), auf der die teils knappen Szenen organisch ineinander übergehen. Ein Kniff, der Seiler auch die Möglichkeit eröffnet, mehrere Handlungsfelder gleichzeitig zu bespielen. So beispielsweise in der Fluchtszene, als die Wächter Dantès im Leichensack erst die Rampe rauf, dann um die Ecke und durch eine Tür tragen. Ein Weg, der nur dank der Drehbühne so gezeigt werden kann. Ihren großen Moment hat die Konstruktion allerdings erst beim finalen Gefecht. Einer furiosen Fechtszene, in der sich Edmond und sein Widersacher Mondego auf und über das Rund jagen. Dramatik ohne Ende, die vom Bühnenbild noch einmal unterstützt wird. Egal, ob stürmische See oder kahle Bäume im Morgengrauen: Hier ist alles opulent und großflächig. Genau so, wie es sich für eine Mantel- und Degengeschichte gehört.

Vikrant Subramanian überzeugt als Edmond Dantès

Doch wie beeindruckend ein Bühnenbild auch sein mag, ein Musical steht und fällt mit den Sängern. Und in Bremerhaven beweist Vikrant Subramanian einmal mehr, dass er ein Händchen für vom Leben enttäuschte Helden hat. Nachdem er bereits als „Zorro“ brillierte, hadert er nun als Edmond Dantès mit seinem Schicksal. Nach gelungener Flucht zieht er als gemachter Mann mit ausdrucksstarker Stimme von Rache getrieben in die Schlacht. Dabei bleibt vor allem jene Szene im Gedächtnis, in der Subramanian schäumend vor Wut seine Intrige spinnt, mit irrem Blick im rot-flackernden Licht. Kein Zweifel, dieser Mann hat ein paar Rechnungen zu begleichen – und es soll noch einige Zeit dauern, bis er begreifen wird, dass sich Hass nicht lohnt. Treffen soll es aber nicht nur das durchtriebene Schurkentrio Danglars (MacKenzie Gallinger), Villefort (Shin Yeo) und Mondego (wunderbar schmierig: Marco Vassalli). Jene Drei, die ihn einst verrieten und nun wohlhabende Männer sind.

Große Gefühle gibt es auf der Drehbühne.

Nein, auch Mercédès soll dafür bezahlen, dass sie nicht auf ihn gewartet hat. Ihre Rolle übernimmt in Bremerhaven Anna Preckeler, die sich ebenfalls als gute Wahl herausstellt. Mit kraftvoller Stimme trauert sie verlorenen Zeiten hinterher. Obwohl Preckeler zweifellos auch als Solistin bestehen kann, sind es die Duette mit Subramanian, die zu den emotionalsten Momenten des Abends zählen. Egal, ob „Niemals allein“ oder „Jeder Tag ein kleiner Tod“, die beiden gehen im Leid der Liebenden auf – ohne dass es abgedroschen oder aufgesetzt wirkt.

So viel Einsatz lenkt dann ein bisschen davon ab, dass die Melodien manches Mal arg flach bleiben. Auch wenn der „Balladen-König“ Frank Wildhorn große Gefühle ohne Zweifel in passende Töne kleiden kann, sind sich die Balladen in ihrer Melodieführung leider oftmals so ähnlich, dass sie wie Blaupausen wirken.

Musical-Inszenierung mit nur kleinen Wermutstropfen

Diese leichten Schwächen der Partitur sind, genauso wie zu Beginn leichte Verständnisprobleme beim Chor, nur kleine Wermutstropfen einer Musical-Inszenierung, die auch vom spielfreudigen Philharmonischen Orchester Bremerhaven lebt. Unter der Leitung von Davide Perniceni steigern die Musiker immer gnadenloser das Tempo und reißen schließlich alles im Strudel aus Hass und verletzten Gefühlen mit – bis zur letzten Schlacht.

Weitere Termine

„Der Graf von Monte Christo“ ist am Sonntag, am 13., 26. und 31. Oktober wieder im Stadttheater Bremerhaven zu sehen. Beginn der Vorstellungen ist jeweils um 19.30 Uhr.

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