Megumi Ishida-Hahn, Tillmann Benfer und Friederike Woebcken über ihr Programm „Klangkunst in der Glocke“

Man spürt die Erde

Lockruf der Rentierhirten: Friederike Woebcken sieht beim Hören von Jan Sandströms Werk skandinavische Landschaften.

Von Ute Schalz-LaurenzeBREMEN (Eig. Ber.) · Für die Bremer Musikfreunde findet am Sonntag ganz sicher ein kleines Ereignis im Konzert in der Glocke statt: wird doch die eher selten zu hörende zweitgrößte Orgel Bremens wieder einmal gespielt.

Das Programm „Klangkunst in der Glocke“ wird bestritten vom großen Hochschulchor unter der Leitung von Megumi Ishida-Hahn, Kirchenmusikerin an der Friedenskirche in Bremen, vom Kammerchor unter der Leitung von Friederike Woebcken, Professorin für Chorleitung an der Hochschule für Künste und von dem Domorganisten Tillmann Benfer aus Verden, ebenfalls Professor an der Hochschule für Künste. Die drei Künstler haben sich ein originelles Programm ausgedacht, über das sie mit dieser Zeitung sprachen.

?Die 1928 gebaute Sauerorgel in der Glocke wurde nun zum zweiten Mal restauriert. Sie ist das, was man eine romantische Orgel nennt. Was ist das und was unterscheidet sie von einer Orgel für barocke Musik?

!Megumi Ishida-Hahn: Sie hat einen weichen Klang, mehr orchestral. Sie ist dynamisch sehr flexibel im Unterschied zur barocken, bei der die Kontraste klarer und schlichter sind.

!Tillmann Benfer: Die 76 Register mischen sich sehr gut mit einem Orchester und einem Chor, das Instrument will gar nicht solistisch sein. Dabei hat sie eine große Fülle von Klangfarben.

?Sie präsentieren zwei Chöre: den großen Hochschulchor und den Kammerchor. Um was für Klangkörper handelt es sich da?

!Friederike Woebcken: Die starke Fluktuation des Großen Hochschulchores wird aufgewogen durch die besonders starke Motivation unseres – sagen wir mal so – Multi-Kulti-Chores. Der Chor besteht aus jeweils 50 Prozent Studierenden der HfK und der Uni Bremen. Es ist viel Enthusiasmus da.

!Ishida-Hahn: Ich habe mit diesem Chor 2009 Examen gemacht. Das war ein tolles Erlebnis, ein richtiger Luxus. Vorher war ich „Tastenfrau“, aber jetzt interessiert mich die Chorarbeit immer mehr.

?Und der Kammerchor?

!Woebcken: Der singt einfach ein anderes Repertoire, mehr a-cappella. Man muss auch vorsingen, um in den Kammerchor zu kommen.

?Das Programm heißt „Klangkunst in der Glocke“. Nun ist ja jede Musik Klangkunst. Was meint das genau?

!Ishida-Hahn: Wir wollten einfach die Orgel in ihrem spezifischen Klang, ihren besonderen Klangfarben und ein anspruchsvolles Programm der Chöre präsentieren. Da sind dann Stücke gewählt worden, die selten gespielt werden, aber sehr sehr schwer sind. Zum Beispiel das „Prager Te Deum“ von Petr Eben in der großen Besetzung Chor, Bläser, Pauken, Schlagzeug und Orgel.

?Leos Janaceks „Vater unser“ in tschechischer Sprache ist dabei. Was bedeutet für Sie als Japanerin ein solches Stück?

!Ishida-Hahn: Er ist mir sicher näher als Ihnen. Es sind diese gefühlvollen Melodien, die Klage, die Sprache selbst spielt da weniger eine Rolle. Es ist natürlich durch die Sprachwahl politisch zu verstehen.

?Das Stück des Schweden Jan Sandström verarbeitet einen „Joik“ aus der samischen Musiktradition?

!Woebcken: Er ist im nordschwedischen und finnischen Sprachraum beheimatet. Er wurde ursprünglich als Lockruf der Rentierhirten eingesetzt. Es ist ein Stück, wo man regelrecht die Landschaft sieht.

?Der Psalm 24 der im Alter von 24 Jahren viel zu früh verstorbenen Komponistin Lili Boulanger wird aufgeführt: Was sind die Schönheiten dieses Stücks?

!I!shida-Hahn: Das Stück ist geradezu alttestamentarisch, archaisch. Es ist wunderbar klar in seinen Klangfarben, man spürt die Erde: es war mit seiner Besetzung Chor, Bläser, Schlagzeug, Harfe und Orgel übrigens das erste Stück des Programms, von ihm sind wir ausgegangen. Und dann natürlich von Zoltan Kodalys Hymne „Laudes Organi“, die mit den Worten „Hört dem Chor der Pfeifen zu – lasst den Klang hören“! Beginnt.

Weitere Chor- und Orgeltermine: am 4.2. singt der Kammerchor um 19 Uhr im Dom, am 7. und 8.7. der Große Hochschulchor Orffs „Carmina Burana“ im Innenhof der HfK, und am 2. Mai gibt es ein Familienkonzert unter der Leitung von Tillmann Benfer und den Orgelstudierenden der HfK.

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