Peter Hailer inszeniert Kleist

„Zerbrochenen Krug“ in Oldenburg: Spritzig bis behäbig

+
Jens Ochlast ist der schlitzohrige Dorfrichter Adam.

Oldenburg - Von Wolfgang Denker. Das 1808 in Weimar uraufgeführte und dort immerhin von Johann Wolfgang von Goethe inszenierte Lustspiel „Der zerbrochene Krug“ von Heinrich von Kleist gehört, obwohl es zunächst kein Erfolg war, inzwischen zum eisernen Kanon deutscher Komödien. Der oft verfilmte und für unzählige Hörspiele bearbeitete Stoff ist immer noch ein Garant für ein volles Theater – so natürlich auch im Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters.

Kein Wunder, denn die Geschichte des Dorfrichters Adam, der nach einem erotischen Abenteuer, anschließender Flucht und zerbrochenem Krug, quasi gegen sich selbst ermitteln muss, ist Komödienstoff vom Feinsten. Wenn man ihn denn spritzig umsetzt, und das ist in Oldenburg nur teilweise gelungen.

Regisseur Peter Hailer inszeniert die ganze Sache streckenweise sehr behäbig. Es sind leider zu wenige Momente, in denen der Witz der Vorlage sich entfalten und das Publikum zumindest schmunzeln kann. Immerhin spiegelt sich das Chaos, in das der Dorfrichter taumelt, auch im Bühnenbild von Dirk Becker wieder: Es zeigt einen holzvertäfelten Raum mit Aktenschränken, leeren Weinflaschen und viel Gerümpel, der als Behausung Adams mit integrierter Wohnküche, aber auch als Amtsstube und Gerichtssaal dient.

Diesen Dorfrichter spielt Jens Ochlast als schlitzohrigen, seine fatale Situation zunächst völlig verkennenden und selbstherrlichen Amtsträger. Anfangs ist seine Diktion leider noch etwas „nuschelig“, was sich aber im Laufe der Aufführung bessert. Insgesamt kann er der Figur stattliches Profil geben. Der Gerichtsrat Walter, der die Zustände des Justizwesens in Huisum, dem fiktiven Schauplatz der Handlung, kontrollieren soll, mutiert hier zur Gerichtsrätin. Eine Gerichtsrätin, von der zunächst keine Bedrohung auszugehen scheint, die sich mit Adam sogar beim Gläschen Wein auf einen harmlosen Small Talk einlässt, ihn aber dann doch unerbittlich in die Enge treibt, was zur überhasteten Flucht des entlarvten Dorfrichters führt. Franziska Werner spielt die Rolle sehr elegant.

Sehr pointiert und gewitzt gibt derweil Fabian Felix Dott den Stadtschreiber Licht, der nicht nur mit den Aktenbergen kämpft, sondern auch Richter Adams Ränkespiel schnell durchschaut und dabei seinen eigenen Karrieresprung fest im Blick hat. Tatsächlich ernennt ihn Frau Walter denn auch zu Adams Nachfolger. Nientje C. Schwabe ist eine mit unerschütterlicher Sturheit auf ihr Recht pochende und um ihren Krug klagende Frau Marthe Rull. Ihr gelingt ein vergnügliches Rollenporträt. Das gilt auch für Johannes Schumacher als dürrer Ruprecht, dem Verlobten von Eve. Matthias Kleinert ist der wortkarge Bauer Veit, Caroline Nagel die dafür umso mehr sprudelnde Zeugin Brigitte. Und dann ist da noch das Opfer Eve. Ihr langer, als „Variant“ bezeichneter Monolog, in dem sie die Ereignisse aus ihrer Sicht schildert, wurde bald nach der Uraufführung gestrichen. Dadurch hatte Eve nur noch wenige Sätze zu sagen. In Oldenburg wurde der Part wieder eingeführt, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Metoo-Debatte. Allerdings kann Agnes Kammerer die Längen dieses Epilogs nicht ganz überspielen. Aber immerhin versucht Hailer durch die Einführung der Gerichtsrätin und diesen Schluss, die Geschichte mehr aus einem weiblichen Blickwinkel zu erzählen.

Weitere Termine

8., 23., 24. und 28. Mai sowie am 5. Juli um 20 Uhr. Außerdem am 2. Juni, 15 Uhr sowie am 23. Juni um 18.30 Uhr, Kleines Haus, Oldenburgisches Staatstheater.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Geld aus Rom: Notstand für Venedig beschlossen

Geld aus Rom: Notstand für Venedig beschlossen

"Death Stranding" im Test

"Death Stranding" im Test

Islamischer Dschihad vereinbart Waffenruhe mit Israel

Islamischer Dschihad vereinbart Waffenruhe mit Israel

Was von der Wut übrig ist - Ein Jahr "Gelbwesten"-Proteste

Was von der Wut übrig ist - Ein Jahr "Gelbwesten"-Proteste

Meistgelesene Artikel

Im barocken Zaubertheater

Im barocken Zaubertheater

Wiedergänger mit Herz

Wiedergänger mit Herz

Ihrer Zeit voraus

Ihrer Zeit voraus

Wahn und Wirklichkeit

Wahn und Wirklichkeit

Kommentare