Internationale Prominenz und regionale Spitze: Festival Tanz Bremen 2012

Sprachen des Körpers

Ballett und Burleske: Gallim Dance mit „Wonderland“. ·
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Ballett und Burleske: Gallim Dance mit „Wonderland“. ·

Bremen - Von Rainer BeßlingGleich zum Auftakt fordert das Festival die Besucher heraus. Angeregt durch eine künstlerische Installation, die ein Rudel ausgestopfter Wölfe gegen eine Glasplatte stürmen lässt, thematisiert die junge US-amerikanische Choreographin Andrea Miller den menschlichen Herdentrieb. Wer ist Anführer, wer wird abgehängt, wer bleibt Meute?

„Wonderland“ heißt das Stück der Compagnie Gallim Dance, mit dem am 16. März „Tanz Bremen 2012“ beginnt – eine Europapremiere. Ballett und Burleske vermischen sich in der „lasziv-polyglotten Choreographie“ (New York Times). Noch stärker unterstreicht einen Tag später die Dave St-Pierre Company den Rang des Tanzes als körperlichste aller Künste. In „Un peu de tendresse bordel de merde!“ (Ein wenig mehr Zärtlichkeit, verdammt noch mal!) zeigt das kanadische Ensemble schonungslos eine Welt der Begierden und Instinkte, die sich hinter einer Fassade von Konvention und Zivilisation verbirgt. Unter dem Mantel einer Revue-Persiflage sind tiefste Lebensabgründe und Kontrollverlust erkennbar. Spiel und harte Konfrontation verwirbeln sich, der Zuschauer wird ebenso angerührt wie erschreckt, wobei am Ende die Poesie über die Provokation siegt.

1989 gestartet als Forum für die regionale Szene, bringt Tanz Bremen inzwischen internationale Spitzen-Compagnien, viel beachtete Nachwuchskünstler und wichtige Repräsentanten der Region aus Theatern und freier Szene zusammen. Mehr als 30 Produktionen von Choreographen aus neun Ländern hat das Leitungsduo Sabine Gehm und Honne Dohrmann für das diesjährige Programm vom 16. bis 25. März im Theater Bremen, der Schwankhalle, dem Dom und an weiteren Spielorten der Hansestadt verpflichtet.

Die besondere Mischung, die „Tanz Bremen“ kennzeichnet, ist gleich am Programm des ersten Wochenendes ablesbar. Neben Gallim Dance und Dave St-Pierre treten die ungarische Gruppe Bloom! und Public in Private (Berlin) auf. Beide Ensembles haben sich in „Aeroways“, einem internationalen Netzwerk zur Förderung herausragenden Nachwuchses, unter mehr als 500 Bewerbern durchgesetzt. Hanna Hegenscheidt und Moks, die Kinder- und Jugendsparte des Theaters Bremen, zeigen einen Klassiker: „Struwwelpeter“.

Claudia Hanfgarn und Martin Kemner, Birgit Freitag und das Steptext Dance Project/Helge Letonja teilen sich einen Abend – profilierte Bremer Akteure präsentieren hier ihre Produktionen. Letonja ist inzwischen ein international viel gefragter Choreograf. Wie viele freie Protagonisten der regionalen Szene entstammt er dem Bremer Tanztheater. Dazu zählt auch Gilles Welinski, der mit seinem Stück „Exil“ die eigene Familiengeschichte thematisiert und sich über die gesamte Dauer des Festivals in eine Zelle des ehemaligen Gefängnisses Ostertorwache (jetzt Wilhelm Wagenfeld Haus) einsperren lässt: Umherirren, Heimatlosigkeit, die Sehnsucht nach einem Ankommen sowie der Tanz als Medium der Identitätsfindung sind Motive und Themen, denen der Franzose nachspürt.

Urs Dietrich hat das Tanztheater Bremen lange und nachhaltig geprägt. Die Uraufführung seines Projekts „Ein deutsches Requiem“ von Johannes Brahms, Gemeinschaftsproduktion zwischen Tanztheater, Musiktheater, Bremer Philharmonikern und Domchor, beschließt das Festival am 25. März im Bremer Dom.

Daneben versprechen unter anderem noch ein Abend mit Choreographien der Mitglieder des Bremer Tanztheater-Ensembles sowie Helena Waldmanns „Revolver besorgen“ spannend zu werden. In Waldmanns Stück, das Erfahrungen der Choreographin mit ihrem dementen Vater aufgreift, agiert Brit Rodemund, ehemalige Solistin der deutschen Staatsoper und „Tänzerin des Jahres 2011“. An prominenten Gästen sind noch Catherine Diverrès, prägende Kraft des französischen Tanzes seit den 80er Jahren, und Louise Lecavalier mit einem „Feuerwerk atemberaubender Sprünge“ (Rheinische Post) angekündigt. Was es heißt, ein Mann zu sein und wie man Mann werden kann, fragen Club Guy & Roni in „Alpha Boys“. Wer die Arbeiten des niederländischen Duos vom Oldenburgischen Staatstheater her kennt, dürfte sich diesen Abend nicht entgehen lassen wollen.

Tanz Bremen: 16.-25. März

Karten: Theater Bremen 0421-3653333 oder

kasse@theaterbremen.de

Info: http://www.tanz-bremen.com

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