Theater in Hannover zeigt ersten Liederabend unter neuer Leitung

Spiel mit den Geschlechtern

In „Held*innen“ in Hannover begeistern vor allem die Frauen. Fotos: Kerstin Schomburg

Hannover –  Liederabende beim Schauspiel: Das hat in Hannover inzwischen eine lange Tradition. Intendant Ulrich Khuon schickte einst für solche Projekte gern Erik Gedeon ins Rennen, Nachfolger Wilfried Schulz vertraute auf die bewährten Dienste von Franz Wittenbrink; bei Lars-Ole Walburg schließlich war das Genre in unterschiedlichen Zusammenhängen und Gewichtsanteilen vertreten. Und Sonja Anders setzt jetzt bei ihrem entsprechenden Debüt schon mit dem Titel „Held*innen“ ein Zeichen, kein gar zu überraschendes.

Einmal mehr geht es unter ihrer Stabführung um das Spiel mit und zwischen den Geschlechtern. Nur am Anfang gilt das gesprochene Wort, gibt doch die Stimme, die durchs Schauspielhaus schallt, ausführlich bekannt, dass Kategorien wie „richtig“ oder „falsch“ im folgenden nicht mehr von Bedeutung seien.

Dann wird es musikalisch, und Regisseurin Friederike Schubert hat lustvoll eine Reihe von Titeln zusammengestellt, über deren Tiefgang man streiten kann, ja, die nicht selten an der Grenze zur Peinlichkeit kratzen – was natürlich gerade der Sinn der Sache ist. Und ebenso natürlich verfremdet wird, beispielsweise durch die vierköpfige Band um den musikalischen Leiter Tobias Vethake: Mal klingt’s betont trashig, mal durch den Einsatz von Streichinstrumenten und mit dröhnendem Bass sehr süffig.

Die Interpretationen sind gern gegen das Geschlecht besetzt – dann gibt der Mann Britney Spears’ „Womanizer“ zum Besten oder wärmt Cyndi Laupers „Girls just wanna have fun“ auf, derweil die Kollegin die „Big Balls“ von AC/DC besingt. Insgesamt wirken die Frauen in ihrem Auftreten deutlich cooler und haben die besseren Stimmen; die Goldene Palme des Abends geht dabei an Caroline Junghanns, die zudem aus Whitney Houstons „I wanna dance with somebody“ ein Mini-Drama zu machen versteht. Während etwa betont affige Tanz-Moves in erster Linie Aufgabe der Herren sind, die stimmlich nicht durchgehend glänzen können, wobei es auch hier durchaus Höhepunkte gibt, etwa Torben Kesslers Version von „Like a virgin“.

Irgendwann mittendrin beginnt der Sound fies zu knirschen: ein technisches Problem, das auch mit einer spontanen Kuss-Szene auf der Bühne nicht zu überbrücken ist. Also schließt sich der Vorhang, einige Besucher verlassen den Saal, und nachdem die Störung doch recht fix behoben ist, kommen die meisten wieder.

Die wenigen Flüchtlinge verpassen eine Art Schlusspointe: Zu Beginn der Vorstellung hat Nils Rovira-Muñoz quer durchs Publikum einen kleinen Tisch am Bühnenrand angesteuert und zwischendurch immer mal wieder signalisiert, dass er vielleicht ganz gerne mitmachen würde. Endlich bekommt er die Gelegenheit dazu: Zu David Bowies „Heroes“ darf er Held für ein paar Minuten sein und zeigt eine Parodie auf den Ausdruckstanz – das ist zwar albern, aber gut albern, weil Rovira-Muñoz sein Handwerk versteht und weiß, wie ein guter Clown seinen Spannungsbogen setzt. Was allerdings nichts daran ändert, dass die Grundaussage hinter dieser Passage doch eher schlicht gestrickt ist.

Die Zustimmung aus dem Publikum reicht für zwei Zugaben: Auf „Halt dich an deiner Liebe fest“ von Ton Steine Scherben folgt der Crowded-House-Titel „Don’t dream it’s over“. Der ist dann wirklich schön. Immerhin.

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