Die Deutsche Kammerphilharmonie unter Jonathan Bloxham

Spiel mit dem Feuer

Jonathan Bloxham Foto: Kaupo Kikkas

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. Natürlich war es schade, dass Paavo Järvi erkrankt war und nicht dirigieren konnte, aber einen „Ersatz“ wie den 30-jährigen Jonathan Bloxham lässt man sich mehr als gerne gefallen.

Der Schüler von Järvi schlägt mit einer Frische, Präzision und unerhörten Musikalität regelrecht um sich, dass alle Werke des letzten Konzertes der Deutschen Kammphilharmonie in schönstem Licht erscheinen können. Das ist zunächst einmal „Flamma“ von dem estnischen Komponisten Erkki-Sven-Tüür, einer der wenigen zeitgenössischen Komponisten, die ihren Einzug in die großen philharmonischen Programme geschafft haben.

Seine „Feuermusik“ ist flächig, kontrastreich und voller Energie. Mitreißend wirkten die Klangwolken des 2011 uraufgeführten Stückes.

Dann das Konzert für Klarinette, Viola und Orchester von Max Bruch. Das Kompositionsjahr 1912 ist musikgeschichtlich hochinteressant: Richard Strauss plant nach den Skandalstücken „Salome“ und „Elektra“ mit dem „Rosenkavalier“ doch lieber publikumsfreundlich zu schreiben, Igor Strawinsky löst mit „Sacre du printemps“ und seiner Emanzipation des Rhythmus einen der größten Skandale der Musikgeschichte aus, Claude Debussy orientiert seine Formfindungen an Naturphänomen wie dem Meer oder einem Sonnanaufgang und vieles mehr.

Darin nimmt sich der melodienselige Max Bruch eher traditionell und brav aus. Die Solisten Matthew Hunt (Klarinette) und Nils Mönkemeyer (Viola) sind wunderbar aufeinander eingespielt und werden sensibel von Bloxham und dem Orchester begleitet.

Der unbestrittene Höhepunkt des Konzerts allerdings ist die explosive Kraft des 15-jährigen Felix Mendelssohn Bartholdy mit seiner ersten Sinfonie (1824), deren Wucht dem jungen Komponisten später eher peinlich war: 1835 versuchte er, eine Aufführung zu verhindern. Die wilde, aber äußerst exakte Interpretation stürmt wie ein reinigendes Gewitter über das Publikum. Schön, wie Bloxham jede einzelne Instrumentalbewegung herausmodelliert und dem ganzen Werk die „Con Fuoco“-Anweisung des letzten Satzes („mit Feuer zu spielen“) überstülpt. Dass die Sinfonie eines 15-Jährigen zu einem Ereignis werden kann, das erlebt man wohl nur mit Mendelssohn und der Deutschen Kammerphilharmonie: Das Publikum dankt es überschwänglich.

Hören:

Das Konzert steht heute Abend noch einmal um 20 Uhr in der Glocke in Bremen auf dem Programm und morgen, 20 Uhr, in der Elbphilharmonie in Hamburg.

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