Krass bunt: Joseph Moog und Bremer Philharmoniker in der Glocke

Na ja, ein Spektakel eben

Virtuos gespielt, aber ohne ausreichende Differenzierung: Joseph Moog interpretierte in der Glocke Richard Strauss‘ „Burleske für Klavier und Orchester“. ·
+
Virtuos gespielt, aber ohne ausreichende Differenzierung: Joseph Moog interpretierte in der Glocke Richard Strauss‘ „Burleske für Klavier und Orchester“. ·

Bremen - Von Ute Schalz-LaurenzeSo richtig froh wurde man nicht im und nach dem letzten Philharmonischen Konzert, das mit gleich zwei Bremer Künstlerdebüts aufwarten konnte. Obschon die Programmauswahl eine gute inhaltliche Bindung hatte – es handelte sich um Tanz – passten die Stücke nicht wirklich zusammen.

Das erste Werk war Darius Milhauds krass-buntes Ballett „Le Boeuf sur le toit“ (1919), dessen skurril-fantastischer Inhalt sich beim Hören natürlich nicht nachvollziehen lässt. Aber der tschechische in Bremen debütierende Dirigent Tomás Hanus ließ mit Energie sowie atemberaubenden Klangfarben und vor allem mit tänzerischen Rhythmen und populären brasilianischen Melodien hören, dass da richtig was los ist. Ein Fest fürs Orchester ist eine solche Clownerie, mit der der Komponist so gar nicht einverstanden war: Ein Unterhaltungskünstler mit solch atmosphärischem Reichtum und optimistischem Schwung wollte er nicht sein. Na ja, ein Spektakel eben, aber nicht unbedingt ein Werk der Weltliteratur.

Richard Strauss‘ „Burleske für Klavier und Orchester in d-Moll“ ist ein Werk des fünfundzwanzigjährigen Komponisten und zeigt ihn auf der Suche nach seiner Klangsprache, die später so unterschiedliche und unberechenbare Wege gegangen ist. Auch dieser virtuosen, aber auch recht vordergründigen Explosion fehlt die Substanz, die den Hörer nachhaltig erreichen könnte. Leider konnte auch der ebenfalls debütierende, 26 Jahre alte Pianist Joseph Moog nicht ausreichend differenzierende unterschiedliche Stimmungen präsentieren. Natürlich war das virtuos gespielt – Hans von Bülow hatte die Wiedergabe dieses Stücks einst abgelehnt, weil er in „jedem Takt eine andere Handstellung“ gebraucht hätte –, aber die notwendige Kommunikation mit dem Dirigenten und erst recht die mit der Solopauke (Rose Eickelberg) schien wie erstarrt.

Und Antonín Dvoráks „Slawische Tänze“ op. 72 bewegten sich bei aller Orchesterbrillanz mit einer Spieldauer von mehr als einer halben Stunde dann doch auch wieder im Bereich des nur Unterhaltsamen. Vielleicht lag es auch an der eher vergröbernden und pauschalen Wiedergabe.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

USA raten zum Tragen von Masken - Trump will nicht

USA raten zum Tragen von Masken - Trump will nicht

Politik appelliert: Anti-Corona-Maßnahmen einhalten

Politik appelliert: Anti-Corona-Maßnahmen einhalten

Erfolgsgeschichte: Mit dem Octavia begann Skodas Aufstieg

Erfolgsgeschichte: Mit dem Octavia begann Skodas Aufstieg

Der Blauregen hat viel Kraft

Der Blauregen hat viel Kraft

Meistgelesene Artikel

Theaterabend vor dem Computer: Online beim dritten Gong

Theaterabend vor dem Computer: Online beim dritten Gong

Ulrich Mokrusch über Schließung wegen Corona: „Eine traumatische Erfahrung“

Ulrich Mokrusch über Schließung wegen Corona: „Eine traumatische Erfahrung“

Yung Kafa und Kücük Efendi: Die neuen Sterne am deutschen Rap-Kosmos - So gut ist ihr Mixtape „Dickicht“

Yung Kafa und Kücük Efendi: Die neuen Sterne am deutschen Rap-Kosmos - So gut ist ihr Mixtape „Dickicht“

Antenne Bayern und Bayern 3 verlieren viele Hörer - anderer BR-Sender gewinnt

Antenne Bayern und Bayern 3 verlieren viele Hörer - anderer BR-Sender gewinnt

Kommentare