Es geht auch ohne Leitwolf

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Es klappt auch ohne Xavier Naidoo: Michael Klimas (v. l.), Dominic Sanz und Tino Oac überzeugten am Sonntagabend im Aladin in Bremen. 

Bremen - Von Mareike Bannasch. Eng ist es an diesem Abend. Nicht nur im Zuschauerraum, sondern auch auf der Bühne. 13 Künstler, zwei Schlagzeuge, ein DJ-Pult und diverse Instrumente auf nur wenigen Quadratmetern unterzubringen, ist keine leichte Aufgabe. Auch nicht für die „Söhne“, wie es plakativ an der Rückwand heißt.

Die Jungs aus Mannheim machen im Bremer Aladin Station, um ihr neues Album „Elyzion“ vorzustellen. Die erste Scheibe, die ohne Leitwolf Xavier Naidoo entstanden ist. Doch können die Musiker, die bisher vor allem vom Ruhm des Schmusebarden gezehrt hatten, auch ohne ihn überzeugen?

Um die Antwort gleich vorweg zu nehmen: Ja, sie können. Denn bereits auf dem Album zeigen die Sänger und Instrumentalisten, dass sie sich auch allein nicht verstecken müssen. So vielfältig die Band ist, so vielfältig stellt sich auch der Sound auf der neuen Platte dar.

Da mischen sich Reggae mit Rap oder harte Gitarrenriffe mit irischen Geigenmelodien. Überhaupt setzen die Söhne mehr auf tanzbare und rockige Klänge, statt auf schmalzige Gassenhauer. Klar, manches davon ist noch immer gefällig und an den Mainstreamgeschmack angepasst. Aber auch wenn die Melodien im Radioeinheitsbrei kaum auffallen, sind die Texte so kritisch wie eh und je.

Da wird die Großstadt mit ihrem Gesetz des Stärkeren unter die Lupe genommen oder in einem Lied von einer besseren Welt ohne Kriege und Gewalt geträumt. Das ist an sich nichts neues, aber ohne dem über allem schwebenden pastoralen Geist des Xavier Naidoo sind diese Gedanken ganz angenehm und nicht so aufgesetzt.

Die größte Stärke der Platte und der neuen Konstellation der Söhne Mannheims zeigt sich vor allem live: Da muss nicht mehr Platz gemacht werden für das übergroße Ego eines Einzelnen. Hier sind alle 13 Mitglieder ebenbürtig und geben sich gegenseitig den nötigen Raum. Und verlassen dafür auch schon mal die Bühne. Egal ob es der Rapper mit seiner Abrechnung einer ichbezogenen und kapitalgesteuerten Gesellschaft ist oder der Neuling in der Gruppe, Dominic Sanz.

Er war bei einer der vergangenen „The Voice of Germany“-Staffeln an den Start gegangen und nach dem Rauswurf der Zuschauer an den heimischen Bildschirmen unter die Flügel des Naidoo-Imperiums geschlüpft. Um schließlich bei den Söhnen Mannheims zu landen. Und zu einer echten Verstärkung zu werden.

Doch nicht nur der Neuzugang, auch die alten Hasen, wie Henning Wehland, zeigen, dass sie mehr können, als schwermütige Lieder über Liebe und Verlust zu singen. Besonders Wehland entwickelt sich an diesem Abend zum Alt-Rocker, der mit seiner lauten Reibeisenstimme ohne weiteres in einer Metallband zum Einsatz kommen könnte. Und mit den neuen Liedern scheinbar den perfekten Rahmen gefunden hat, um seine unterschiedlichen Fassetten auszuleben und einem breiten Publikum zu zeigen.

Auch wenn das Augenmerk an diesem Abend auf der neuen Platte liegt, kommen die Jungs aus Mannheim nicht umhin, auch all jene Lieder zu singen, die sie einer breiten Masse bekannt gemacht hatten. Doch „Geh davon aus“ oder „Zurück zu dir“ kommen irgendwie anders daher. Weg ist der kitschige Mief, er hat Platz gemacht für Gitarrensoli und Gesangseinlagen aus dem Publikum.

Wenn hunderte Zuhörer den Part der Sänger scheinbar spontan an sich reißen und den Nummer-eins-Hit „Und wenn ein Lied“ aus vollen Kehlen anstimmen, ist das eindrucksvoll und nicht mehr ganz so kitschig wie das Original.

Bleibt nur zu hoffen, dass beim nächsten Konzert auch die Lieder der aktuellen Platte von allen mitgegrölt werden. Denn erst dann ist die Emanzipation vom ehemaligen Leitwolf für die 13 Künstler aus Mannheim wirklich geglückt.

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